Ein Tag in einer anderen Welt: Impressionen vom Besuch unseres Patenkindes Diary im Süd – Senegal

Als Luisa dann mit den Kleinen Kinderspiele machte, konnte Sie sich den Rest des Tages kaum mehr retten: Wohin Sie auch ging, eine aufgeregte Kinderschar folgte ihr.

Von Familie Stumpf

Schon als wir 2006 die Patenschaft übernahmen, hatten wir die Idee eines Tages zu besuchen. Im Herbst 2009 haben wir dann die Planung für die Reise in das Regionalprojekt Dabo im Süd-Senegal schließlich in die Tat umgesetzt. Obwohl ich beruflich weltweit unterwegs bin, stellte sich schnell heraus, dass dies eine ganz besondere Reise werden würde. Das World Vision Büro in Deutschland unterstütze uns nach Kräften mit Informationen, obwohl bis dato noch kaum Erfahrungsberichte vorlagen.

Unser Patenkind Diary.

Unser Patenkind Diary.

 

Am 3. März starteten meine Tochter Luisa, 17, und ich, Thilo, 42, unsere Reise. Von Stuttgart über Brüssel nach Dakar, dann weiter die Küste entlang über Gambia nach Cap Skirring. Sie kennen diesen Ort nicht? Er liegt nur wenige Kilometer vor der Grenze nach Guinea-Bissau an der Küste. Nach einer kurzen Pause nahte am 5. März der große Tag. Frühmorgens mit Sonnenaufgang starteten wir mit einem kleinen Buschflieger nach Kolda, wo sich das regionale Projektbüro befindet.

Direkt von der Landepiste wurden wir abgeholt, um nach kurzer Fahrt im Büro Bekanntschaft mit den lokalen Mitarbeitern von World Vision zu machen. Die Freude des World Vision -Personals wirkte ansteckend: Bei einer Führung durch das Gebäude wurden viele Hände geschüttelt und viel gelacht, auch über die kleinen Missverständnisse, welche unterschiedliche Sprachen mit sich bringen.  Beim anschließenden Einkauf auf dem Mark – wir wollten Diarys Familie noch etwas Frisches mitbringen – folgte das erste Eintauchen in eine andere Welt. Unser Begleiter erklärte uns dass 50 (!) kg Reis und 3 Liter Öl ein ganzes Dorf 2 Wochen ernähren könnten, der Preis umgerechnet hierfür liegt bei 15 €. Nach dem Einkauf ging es zuerst über die Hauptstraße Richtung Dakar, dann über Schotterpisten und zum Schluss auf einem Eselspfad immer weiter Richtung Ziel.

Nach fast eineinhalb Stunden bot sich uns ein überwältigendes Bild. Die ganze Gemeinschaft empfing uns tanzend und singend am Eingang des Dorfes. Unsere Patentochter begrüßte uns festlich gewandet, bevor wir alle durch das Dorf zum Versammlungsplatz zogen. Unter einem riesigen Baum wurden wir nun offiziell begrüßt und konnten unseren ersten Erfahrungen in afrikanischen Tänzen sammeln, bei 44°C ein ungewohntes Unterfangen. Die Übergabe der Geschenke lief etwas überraschend ab, denn zuerst wurden wir beschenkt, erst dann kam die Gelegenheit unsere Gastgeschenke zu überreichen.

Das absolute Highlight bei den vielen Kindern waren die mitgebrachten Luftballons, Seifenblasen und Spielzeugautos, welche von den Familienoberhäupter sehr genau hinsichtlich gerechter Verteilung observiert wurden.

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Meiner Frage nach der Erlaubnis zu fotografieren wurde gerne nachgekommen, und mit dem Zeigen der eben gemachten Fotos verschwanden auch die letzten Berührungsängste.

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Als Luisa dann mit den Kleinen Kinderspiele machte, konnte Sie sich den Rest des Tages kaum mehr retten: Wohin Sie auch ging, eine aufgeregte Kinderschar folgte ihr.

Um die Mittagszeit wurde uns dann schließlich ein sehr leckeres Essen serviert, das traditionell zusammen aus einer Schüssel mit den Händen gegessen wird.

Am Nachmittag folgte dann ein Rundgang durch das Dorf, wobei wir in jeder Hütte herzlichst empfangen wurden. Ein für mich bewegender Moment war die Einladung ins Frauenhaus, wo ich die jüngste Bewohnerin, Maria – 6 Tage alt, in meinen Armen halten durfte.

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Die Aufregung und Freude war groß als bekannt wurde, dass sowohl meine Frau, als auch meine Tochter Maria ihren Namen tragen.

Die direkten Folgen unserer Patenschaft wurden dann am Dorfbrunnen ersichtlich, der erst im Jahr davor mit Unterstützung von World Vision gebaut wurde. Bis dahin mussten die Frauen das Wasser über mehrere Kilometer tragen. Als wir uns am Spätnachmittag verabschiedeten, fiel dies richtig schwer. Es ist ergreifend wenn eine alte Frau – Urgroßmutter einer der Familien – sich für den Besuch und das Wasser des Brunnens bedankt.

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Auf der Rückfahrt nach Kolda hatten wir dann noch die Gelegenheit, eine Schule und eine neu gebaute Krankenstation zu besichtigen, ehe wir uns im Stadtbüro noch von den Projektmitarbeitern verabschiedeten. Viele schöne Eindrücke begleiteten uns auf der Heimreise, wo wir schließlich am Sonntag den 07. März, müde aber glücklich und wohlbehalten angekommen sind.

Jetzt sitze ich hier zu Hause und lasse das Erlebte noch mal Revue passieren. Ich hatte versprochen einen Reisebericht zu schreiben und merke nun, wie wichtig dies auch für mich selbst ist. Die vielen Bilder tragen ebenfalls dazu bei, die Erinnerung an einen unvergesslichen Besuch wach zu halten.  Eine wichtige Erkenntnis ist auch, dass unsere Spenden über die Organisation World Vision da ankommen, wo sie gebraucht werden, und dass so viel erreicht werden kann.

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Wenn auch Sie ein Patenkind und dessen Familie unterstützen möchten, finden Sie hier weitere Informationen:

Was eine Kinderpatenschaft ausmacht

Wissenswertes über Patenschaften im Senegal:

Hier bin ich zu Hause

 

 

1 Kommentar

  1. Regensburger, 2. Juni 2016

    Ein sehr toller und ansprechender Bericht.
    Wir haben selbst ein Patenkind in Senegal und sind einem Besuch unseres Kindes nicht abgeneigt.
    Leider haben wir es bis heute noch nicht geschafft.
    Deshalb freut es uns umso mehr, dass zumindest schon mal ein Besuch stattfand und dazu noch ein Super Reisebericht vorliegt-
    Es grüßen
    B und I aus Bayern

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