Sabine Kuegler in Swasiland – Hoffnung ist wie ein blühender Pfirsichbaum

Swasiland. Ein Land, das auf der Schwelle einer HIV-Epidemie steht, wo mehr als 60% der Menschen in Armut leben, wo die niedrigste Lebenserwartung der Welt herrscht und wo alte Traditionen und moderne Wirtschaft aufeinanderprallen, und all das auf einer Fläche von 200 mal 130km, dem kleinesten Land Afrikas. Doch trotz dieser verheerenden Zustände gibt es Hoffnung. Eine kleine Hoffnung in Form eines Pfirsichbaums. Ich habe es heute mit eigenen Augen gesehen; in einem erodierten Feld wächst in voller Pracht ein kleiner Pfirsichbaum.

Ich bin seit drei Tagen hier. Es ist mein erster Besuch in Swasiland. In dieser kurzen Zeit habe ich Tränen der Trauer und Verzweiflung gesehen, Jubel und Begeisterung erlebt und ein Land kennengelernt, das nicht aufgeben will und sich zusammentut, um gegen die Armut zu kämpfen und um der hohen HIV-Infektionsrate die Stirn zu bieten. Mit der Hilfe und Unterstützung von verschiedenen Organisationen bekommen die Swasis eine starke Grundlage – spezifisches Know-how und finanzielle Unterstützung – um das Ziel von nachhaltiger Entwicklung zu erreichen. Eine dieser Organisationen ist World Vision, mit denen ich in den nächsten Tagen einige Projekte besuchen werde. Es war in einem dieser Projekte, dass ich den kleinen Pfirsichbaum entdeckte.

Sein Name ist Gain. Sein Vater war Rinderzüchter und er wuchs in dem Gebiet Mpolonjeni auf. Seine Kinder sind inzwischen erwachsen, wie er mir stolz erzählte, und seine Schweinezucht läuft äußerst erfolgreich. Warum Schweine wenn sein Vater doch Rinderzüchter war?, wollte ich von ihm wissen.

„Schau dich um“, sagte er und zeigte auf die ausgetrockneten Hügel. „Es sind die Rinder, die dafür verantwortlich sind.“ Wir standen auf einem Gebiet, das so stark von Erosion betroffen ist, dass nur noch trockene Erde und Steine den Boden bedecken. „Wir müssen lernen mit dem, was wir noch haben, nachhaltiger umzugehen“, fügte er hinzu.

Rinder hatten über Jahre die Berge so stark abgegrast, dass die Erde im Tal nicht mehr mit wichtigen Mineralen und Nährstoffen versorgt wurde, denn das Wasser hat keinen Halt mehr und reißt alles mit sich mit. „Es ist Zeit, dass wir anfangen umzudenken“, sagte Gain, „und endlich anfangen, neue Lösungen und Wege zu finden, um unseren Kindern und Enkelkindern eine sichere Zukunft zu ermöglichen“. Und so entstand das Projekt, das ich heute besucht habe. Man hatte dafür ein Stück Land ausgesucht und umzäunt, um Rinder fern zu halten. Mit der Unterstützung von World Vision begann ein Projekt, das in diesem Gebiet einzigartig ist. Der Plan ist, dieses Stück Land wieder zum Blühen zu bringen. Mangos, Orangen, Zitrusfrüchte, Lychees und Pfirsiche sollen in nahe Zukunft diese Öde wieder beleben. Löcher wurden ins Trockene gegraben, um Sprösslinge hinein zu pflanzen, ausgetrocknete Flussbette wurden mit kleinen Dämmen versehen, um Wasser zu sammeln und Gras wurde neu ausgesät, um dem Boden einen stärkeren Halt zu geben.

Mit einem Leuchten in den Augen zeigte mir Gain die kleinen Obstbäume, die irgendwie komisch in der dürren Landschaft wirkten. Er träumt von einer Zukunft, wo die Hügel mit Grün übersät sind, wo die Menschen von der Ernte ihren Lebensunterhalt verdienen können und die Armut nur noch eine schwache Erinnerung aus der Vergangenheit ist. Und dann entdeckten wir es; in der Mitte des Feldes stand er, ein kleiner Pfirsichbaum, der im Licht der untergehenden Sonne seine Blüten in voller Pracht zeigte. Welche Freude diese kleine Hoffnung mit sich brachte! Es ist nicht mehr nur ein Traum der diese Menschen Tag für Tag auf das Feld treibt, sondern ein Traum, der sich in Wirklichkeit ereignet.

Gain und ich haben vor diesem Pfirsichbaum eine Abmachung getroffen. In zwei Jahren werde ich wiederkommen und dann werden wir, anstatt auf einem ausgetrockneten Hügel zu stehen, im Schatten von Obstbäumen den Anfang einer neuen Ära feiern.

Eines habe ich heute gelernt; man kann mit kleinen Dingen Großes bewirken. Es geht nicht immer darum, eine große Fabrik zu bauen oder ein riesiges Projekt aufzustellen. Es sind nicht immer die großen Veränderung oder Taten, die für nachhaltigen Erfolg sorgen – es sind die Menschen, die Hoffnung haben. Und ein kleiner Pfirsichbaum, der nur eine Chance brauchte, um zu zeigen dass er trotz aller Widerstände erblühen kann.

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