Sabine Kuegler in Swasiland – Lichtblicke sind hart erarbeitet

Sabine Kuegler in Swasiland

Ich bin jetzt wieder zurück in Deutschland, und obwohl ich glücklich bin bei meiner Familie zu sein, denke ich noch viel über das, was ich in Swasiland erlebt habe, nach. Während meiner Zeit in diesem kleinen afrikanischen Land habe ich tragische Schicksale gesehen, wie die von meinem kleinen Patenkind Qhawe oder von Tulimanse, die mit HIV infiziert ist. Es gab aber auch glückliche Momente wie der mit Gain und seinem kleinen Pfirsichbaum, dessen Blüten Hoffnung brachten.

Und dann gab es noch die Frauen von Maphalaleni, die es durch Kleinkredite geschafft haben, aus der schlimmsten Armut heraus zu kommen. Einmal im Monat treffen sie sich, um Buchhaltung zu führen und über weitere Investitionen und Ideen zu reden. Zehn Frauen sind in einer Gruppe. Gemeinsam sparen sie und treffen Entscheidungen, welche Investitionen gut sind und welche nicht. Inzwischen sind sie so erfolgreich geworden, dass sie sogar ihren Männern Geld leihen können. Sie haben, wie sie es mir selbst erzählten, eine stärkere und unabhängige Stellung zu Hause bekommen. Sie werden von ihren Männern besser behandelt, werden von der Gemeinschaft respektiert und bewundert.

Dann war da noch der Besuch in Ngcoseni. Es war ein Projekt das zeigte, wie erfolgreich eine Zusammenarbeit zwischen einer Hilfsorganisation wie World Vision und einer Regierung sein kann. Wie in vielen Gebieten in Swasiland, fehlt es an einem Wasserleitungssystem und im Winter ist dies besonders zu spüren. Doch in Ngcoseni wird sich das bald ändern. Die Regierung stellte die Arbeitsgeräte und Geldmittel für das Wasserleitungssystem zu Verfügung; World Vision kümmert sich um die Vernetzung mit den Menschen in der Region. Die Menschen arbeiten bei dem Projekt mit ihren eigenen Händen mit und sind in die Entscheidungen eingebunden. Es sind aber nicht nur Männer, die die schwere Arbeit leisten, sondern auch Frauen. Siphiwe ist eine dieser Frauen. Sie ist Witwe und von ihren sieben Kindern leben nur vier bei ihr. Die anderen musste sie unter ihren Verwandten aufteilen, denn sie kann nicht alle ernähren. Von morgens bis spät am Nachmittag hebt sie schwere Wasserrohre, schleppt und schraubt sie zusammen, eine Arbeit, die eigentlich nur für Männer bestimmt ist. Aber sie ist entschlossen, ihr Leben zu ändern und dieses Projekt eröffnet ihr neue Möglichkeiten. Sie hat ein Stück Land bekommen, und wenn die Wasserleitung fertig ist, wird sie einen großen Garten anbauen können. Sie wird durch die Ernte Geld verdienen und kann, wie sie hofft, alle ihre Kinder wieder um sich haben.

Immer wieder bin ich auf solche Geschichten gestoßen; Menschen, die durch Schicksalsschläge, durch Dürre oder Krankheit in Armut gestürzt waren. Frauen, die ihre Männer verloren hatten, Kinder, die durch AIDS zu Waisen wurden und Männer, die keine Arbeit fanden. Doch dazwischen gab es immer wieder kleine Lichtblicke. Doch sie fielen nicht vom Himmel, sie wurden nicht auf dem silbernen Tablett serviert. Sie wurden mit Schweiß hart erarbeitet und mit Entschlossenheit festgehalten.

Und es sind auch die Menschen in Deutschland, denen es im Leben gut geht und die bereit sind zu geben und diese Lichtblicke ermöglicht haben. Denn wie die Fayu, mit denen ich aufgewachsen bin, immer sagten: „Das Gleichgewicht des Lebens besteht aus Nehmen und Geben“. Wir können vielleicht nicht die ganze Welt über Nacht verändern, aber wir können dafür sorgen, dass es immer wieder kleine Lichtblicke gibt. Und wenn sich genug kleine Lichtpunkte bilden, können sie sich zu einer großen Flamme entfalten, die den Menschen Hoffnung, Sicherheit und eine Perspektive auf ein besseres Leben geben.

Schreiben Sie einen Kommentar


6 − zwei =