Haiti: Unterwegs mit einer Gesundheitsexpertin

Heute steht die Begleitung einer in Haiti im Einsatz stehenden Gesundheitsexpertin an. Jannika arbeitet für die auf die Abgabe von Medikamenten spezialisierte Action Medeor. Für die fast 30-jährige Frau beginnt der Tag bereits früh mit Büroarbeit. Sie teilt sich das Büro mit der Koordinatorin für das Bündnis Aktion Deutschland hilft, bei dem auch World Vision mitmacht.

In Haiti braucht alles sehr viel Zeit und Geduld. Die Geduld wird bereits bei der ersten Fahrt vom Büro zu einer Medikamenten-Abgabe-Stelle auf die Probe gestellt. Stau. Mit Tagesanbruch bricht das Chaos auf den Strassen von Port au Prince aus. Jannika berichtet, dass sie bis zu 6 h täglich im Auto verbringt – meistens im Stau. Ankunft bei der Gesundheitsstation, die von nun an von medeor Hilfe erhalten wird. Der Bedarf an Unterstützung ist gross. Der Blick ins Apotheken-Zimmer ist erschreckend. Tabletten und Salben liegen völlig unsortiert in alten Kartonschachteln herum. Bei den meisten Medikamenten ist das Verfallsdatum bereits abgelaufen.

Als nächstes steht ein Treffen mit einem Dozenten der pharmazeutischen Fakultät der Universität auf dem Terminplan von Jannika. Sie ist erleichtert, als der haitianische Herr tatsächlich vor den Ruinen der Universität wartet, Jannika will ausloten, ob Interesse besteht, ein Labor für die zerstörte Fakultät aufzubauen. Das Gespräch verläuft gut. Ein mulmiges Gefühl kommt in mir auf, als wir die Einsturz gefährdete Ruine des ehemaligen Labors betreten. Überall auf dem Boden liegen Berge von Dokumenten, handschriftlichen Notizen und Unterrichtsmaterialien herum.

Wir fahren zum Gesundheitsministerium. Die Absprache mit Regierungsstellen ist wichtig für die Arbeit. Der letzte Anlaufpunkt für die Projektleiterin ist ein Kinder- und Waisenheim in einem Vorort von Port au Prince. Ich höre von leidvollen Kinderschicksalen, aber auch von Hoffnung und Aufbruchstimmung, die durch die Betreiber des Kinderheims ermöglicht wird. Wer in diese Kinderaugen sieht, bekommt ein weiches Herz.

Ist Cholera ausgebrochen?

Die Termine sind für heute erledigt. Es geht zurück zu Jannikas Büro. Eine SMS-Nachricht ist eingegangen. Wir werden informiert, dass nördlich von Port-au-Prince mehr als 100 Menschen plötzlich gestorben sind. Die UN spricht von Cholera. Das kann sich schnell zu einer Epidemie entwickeln. Noch ist die Informationslage unklar. Aber eine gewisse Besorgnis macht sich breit. Auch mein Handy klingelt. Meine Kollegen von World Vision informieren mich über die sich zuspitzende Lage. Das mit mir am Abend vereinbarte Treffen muss abgesagt werden. Priorität hat nun die Verifizierung der Cholera-Gerüchte und die Einleitung entsprechender Gegenmassnahmen. In Haiti herrscht noch immer das Chaos – im Kleinen wie im Grossen. Um so wichtiger ist der Einsatz von professionellen Helfern. Auch wenn jeder Tag ein neuer Kampf bedeutet .

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