Tansania empfängt mit einem herzlichen “karibu sana”

Habari yako, Hujambo, Mambo und Shikamoo!

Es gibt unzählige Möglichkeiten in Tansania eine Begrüßung zu beginnen und noch mehr darauf zu anworten. Es gibt Tage, an denen ich sehr froh bin, dass dies nicht mein erster Aufenthalt in diesem Land ist und ich vieles aus 5 Monaten Dar es Salaam schon kenne – auch wenn das schon ein Weilchen her ist.

Zur Zeit bin ich in Arusha, einer Stadt im Norden Tansanias, die in den letzten Jahren beständig gewachsen ist und immer weiter wächst. Die ersten Tage war ich in einem Hotel im Zentrum zwischen großem Marktplatz und Bushaltestelle untergebracht, also mitten im bunten Treiben. Am und rund um den Markt gibt es jede Menge Stände mit Gemüse, Schuhen, Second-Hand Kleidung, Zahnpasta, Töpfen und alles was man sonst noch zum Leben braucht. Dazwischen immer wieder kleine Garküchen, wo Hühnchen, Fisch oder Rind schmort, Ziege gegrillt wird und zusammen mit Ugali (ein sehr fester Brei aus Maismehl und Wasser) oder Reis gegessen wird. Wenn man hier als Weiße durch spaziert, wird man von allen Seiten begrüßt, zum Teil von Verkäufern angesprochen, oder von Safariorganisatoren gedrängelt, teils aber auch einfach so angequatscht, um ein kleines Schwätzchen zu halten. Arusha ist eine Touristengegend und das merkt man hier, mit allen Vor- und Nachteilen.

Ich wohne jetzt in einer ruhigeren Gegend, in einem “compound” wie es hier genannt wird. Es sind hier mehrere Gebäude von einer Mauer umgeben, das Tor wird in der Nacht abgeschlossen und am Tag ist immer jemand da um zu verhindern, dass ungebetene Gäste hereinkommen. Das ist nicht unüblich, vor allem für die Oberschicht, aber der Großteil der Leute wohnt anders. Letztes Wochenende habe ich mit einem neuen Kollegen aus World Vision Tanzania eine kleine Rundfahrt gemacht, und er hat mich mitgenommen, ein paar seiner Bekannten zu besuchen. Kaum waren wir aus dem Zentrum draußen und in den Wohnvierteln der Stadt, hörten die geteerten Straßen auf und die Autos wurden zusehends weniger. Kleine Häuschen und Wohnungen reihten sich mit kleinen Geschäften aneinander, manche schöner, manche sehr heruntergekommen, dazwischen ein paar Hühner und Bananenstauden und viel viel Staub. Noch ein bisschen weiter außerhalb sind wir dann schon durch kleine Felder spaziert, auf denen Kaffee und Bananen, aber auch andere Früchte und Getreide wuchsen, bis wir dann bei einem kleinen Haus ankamen, das sehr idyllisch auf einer kleinen Anhöhe lag. Die Frau – eine Freundin meines Arbeitskollegen – hatte vor 3 Wochen gerade Drillinge bekommen, die friedlich im kleinen Schlafzimmer der Familie schliefen. Sie selbst konnte es noch gar nicht so richtig fassen, dass sie jetzt 3 Kinder auf einmal hatte – also insgesamt 5 – und erzählte immer wieder die Geschichte der Geburt, als sie im Krankenhaus lag und plötzlich 3 Babys zur Welt kamen – alle 3 gesund. Anders als in Deutschland oder Österreich hatte sie vor der Geburt nie eine Ultraschalluntersuchung.

Diese Seite der Stadt zu sehen war für mich sehr wichtig, um wirklich anzukommen. Die Gastfreundschaft und die Menschen in diesem Land sind wirklich wunderbar, wenn man nicht nur als Tourist und Geldquelle gesehen wird (was manchmal in Arusha leider auch der Fall ist, aber dann sagt man am besten nein danke und geht einfach weiter). Man wird überall willkommen geheißen mit einem herzlichen “karibu sana”.

Den anderen Teil meiner Woche habe ich im Nationalbüro von World Vision Tanzania verbracht. Mehr als 100 Leute sind hier beschäftigt und unterstützen die Projekte vor Ort indem sie koordinieren, Strategien entwickeln, die MitarbeiterInnen vor Ort weiterbilden und auch die Ausgabe der Gelder kontrollieren. Hier wird also in den Bereichen Finanzen und Audit, Projektmanagement, Personal, Qualitätssicherung und Anwaltschaft gearbeitet. Anwaltschaft bedeutet einerseits Lobbyarbeit gegenüber der Regierung um wichtige Neuerungen in der Gesetzgebung durchzubringen oder dafür zu kämpfen, das gute Gesetze auch wirklich umgesetzt werden und andererseits bedeutet es die Menschen in den Dörfern aufzuklären und zu befähigen selbst für ihre Interessen einzustehen.

Mit Qualitätssicherung meint World Vision, den Leuten vor Ort zu helfen, die Projekte so zu planen und durchzuführen, dass sie Problemen auf den Grund gehen, nachhaltig sind und langfristige Verbesserungen bringen. Die Verantwortung für die Entwicklungsprojekte wird ja bewusst den Bewohnern einer Region übertragen, die in verschiedenen Kommitees und Organisationen arbeiten, nicht den World Vision Mitarbeitern. Sie geben vor allem fachliche Unterstützung. Wie die Arbeit in den Projekten konkret aussieht, kann ich in den nächsten Monaten noch viel besser beurteilen und erzählen, bislang habe ich einige Einführungen bekommen, und mir einen allgemeinen Überblick verschafft, mehr dazu aber in kommenden Berichten.

Eine schöne Woche euch allen,

Verena (oder auch Marina, Varina, Verana… hier gibts viele Varianten von meinem Namen…:))

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