100. Weltfrauentag – es gibt noch viel zu tun

Viele Mädchen werden immer noch zu früh verheiratet. Wenn die Ehe scheitert, haben sie in ihrer Gesellschaft oft nichts mehr zu melden und müssen sich mit der Aufgabe einer Haushaltshilfe begnügen.

Viele Mädchen werden immer noch zu früh verheiratet. Wenn die Ehe scheitert, haben sie in ihrer Gesellschaft oft nichts mehr zu melden und müssen sich mit der Aufgabe einer Haushaltshilfe begnügen.

„Armut ist die Quelle allen Übels. Sie führt dazu, dass Männer sich grausam und wie wilde Tiere verhalten“, erklärt die 27jährige Yirged. „Das Problem der frühen Verheiratung zerstört regelmäßig die Träume und Visionen von Mädchen und jungen Frauen. Insbesondere hier auf dem Land haben Frauen keine Rechte. Kinder, die aus solchen Beziehungen stammen, werden oft nicht geliebt und sind häufig krank. Viele Frauen hier sind verzweifelt“, betont die 38jährige Neter. Diese Äußerungen der beiden äthiopischen Frauen weisen auf zwei Probleme hin, mit denen Frauen in den Entwicklungsländern zu tun haben.

In diesem Jahr am 8. März jährt sich zum 100. Mal der Internationale Frauentag. Am 19.3.1911 wurde er erstmals in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA begangen. Haupt-Forderung war damals das aktive und passive Wahlrecht der Frauen. Diese politischen Rechte bekamen Frauen in Deutschland und Europa schließlich viel früher als die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Aufstiegsmöglichkeiten im Berufsleben.

In den westlichen Ländern wurden zwar noch nicht alle Rechte umgesetzt, ich denke da zum Beispiel an die Themen „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ oder das Problem, dass Frauen in Führungsetagen immer noch unterrepräsentiert sind. Dennoch, es wurde viel erreicht.

Auch in den sogenannten Entwicklungsländern beobachten wir Fortschritte, manchmal sogar vorbildliche. Den größten Frauen-Anteil in einem nationalen Parlament etwa findet man in Ruanda. Kigali, die Hauptstadt des kleinen ostafrikanischen Landes, hat eine promovierte weibliche Bürgermeisterin. Auch werden die allermeisten Kreditnehmer in World Vision’s Mirofinanzinstitution dort von gut ausgebildeten Frauen beraten.

Für Millionen Frauen, die aufgrund von Armut und einengenden Traditionen nicht so weit kommen, gilt aber leider immer noch: Sie leisten wichtige Tätigkeiten, ohne dafür bezahlt zu werden. Sie genießen nicht die gleiche Ausbildung und Freiheit wie die Männer. Wollen sie eigene Wege gehen oder Ansprüche bei ihren Vätern und Ehemännern geltend machen, steht das Recht und die Gesellschaft oft nicht auf ihrer Seite. Im Alltag werden ihre Bedürfnisse denen der Männer untergeordnet. Frau in einem Land des Südens zu sein, heißt also oft ganz praktisch: unterernährt, kinderreich, alleinstehend, ohne Rechte zu sein.

Der tägliche Kampf ums Überleben

Grace ist eine junge Kenianerin, 33 Jahre alt. Ihr gehörte ein kleines Not-Quartier, in dem Reisende für ein paar Cent übernachten konnten. Damit verdiente sie umgerechnet etwa 1,50 Euro pro Tag. Das Geld reichte nie, um sich und ihre Familie mit vier Kindern zu versorgen. Sie musste das Geschäft aufgeben. Inzwischen hatte ihr Mann eine zweite Frau geheiratet. „Mein Mann hat all sein Geld für sich und seine neue Frau ausgegeben. Er hat sich überhaupt nicht mehr darum gekümmert, was aus mir und den Kindern wird“, erläutert Grace. „Oft musste ich die Nachbarn, die selbst kaum zu essen hatten, bitten, mir und den Kindern etwas abzugeben. Aber oft genug mussten wir alle mit leeren Bäuchen ins Bett gehen.“

Grace hat sich ihre Unabhängigkeit erkämpft und mit Hilfe eines Kredits ein eigenes Geschäft eröffnet.

Grace schloss sich einer Mikrokreditgruppe an, die von World Vision unterstützt wird. Sie erhielt einen Kredit und konnte damit ein neues Geschäft aufbauen, das heute gut läuft und genug Gewinn abwirft, damit sie ihre Kinder zur Schule schicken kann. Grace konnte inzwischen den ganzen Kredit zurückzahlen und eine weitere Rate aufnehmen, mit der sie sich zusätzlich 25 Ziegen gekauft hat. „Frauen sind hier in Kenia die ärmsten Mitglieder der Gesellschaft“, sagt sie. „Es tut gut, dass ich heute meine Familie und sogar meine alten Eltern unterstützen kann.“ Die Mitglieder der Mikrokreditgruppe, der Grace angehört, haben noch viele Pläne. Demnächst möchten sie eine kleine Seifen-Fabrik gründen.

Bestehende Rechte umsetzen

In diesen Tagen (24.2.) haben die Vereinten Nationen eine neue Frauenorganisation gegründet. Die „UN Women“ soll sich darum kümmern, dass Frauen eine bessere Ausbildung bekommen, dass sie besser medizinisch versorgt werden, dass sie besser vor Gewalt innerhalb und außerhalb der Familie geschützt werden.

Nach wie vor hat Armut vorwiegend ein weibliches Gesicht. Mehr als 70% der Menschen, die in extremer Armut leben, sind Frauen. Ich bin aber zuversichtich, dass sich dies auf mittlere Sicht ändern wird, denn schon heute zeigen Mädchen selbst in den ärmsten Ländern Ehrgeiz in der Schule und nehmen Chancen wahr, die sich bieten. Männer, die sich aktiv an der Hausarbeit beteiligen oder auch bereit sind, in einem gemeinsamen Geschäft die zweite Geige zu spielen, sind noch selten. Aber wir hören doch immer häufiger davon bei unseren Projektbesuchen.

World Vision macht in seiner langfristigen Entwicklungszusammenarbeit klar, dass Frauen und Mädchen nicht benachteiligt werden dürfen. Sie werden über ihre Rechte aufgeklärt und müssen in allen Fragen, die die Entwicklung des Projekts betreffen, mit einbezogen werden. Sie haben die gleichen Stimmrechte wie die Männer.

Meine Meinung ist, Länder, die Frauen nicht an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen, sind arm dran. Sie vergeuden das enorme weibliche Potential. Aber es muss mehr getan werden, damit Frauen zu ihren Rechen kommen – in allen Ländern.

Mit Ausbildung oder Kleinkrediten helfen

Übrigens können Sie bei uns direkt eine junge Frau in einem Entwicklungsland durch ein Stipendium fördern oder einer Frau mit einem Startkredit für ein Kleingewerbe zu helfen.
Wie es funktioniert und wie Sie auch Freunden oder Verwandten damit eine Freude machen können, erfahren Sie hier.

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