Symposium zur 2. World Vision Kinderstudie

Teilnehmer des Symposiums mit Kinderstudie auf der LeinwandBerlin, 24. März 2011. Heute war es endlich soweit. Nach Wochen der Organisation fand heute unser Symposium „Das Wohlbefinden von Kindern und der Handlungsbedarf für Gesellschaft und Politik“ zur 2. World Vision Kinderstudie statt. Ziel war es, die Ergebnisse aus der 2. World Vision Kinderstudie sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Gesellschaft und Politik mit Wissenschaftlern, Politikern und Verantwortlichen aus der Praxis zu diskutieren.

Von Lena Siegel, Praktikantin im World Vision Institut für Forschung und Innovation

Als Praktikantin im World Vision Institut für Forschung und Innovation hatte ich mich schon intensiv mit den Ergebnissen der 2. World Vision Kinderstudie beschäftigt und war nun gespannt, was die Wissenschaftler und Forscher von der Politik fordern. Und noch mehr: welchen Einfluss die Ergebnisse auf die Politiker haben bzw. haben werden. Als Absolventin des Bachelor-Studienganges Angewandte Kindheitswissenschaften ist für mich die Partizipation von Kindern in allen Bereichen, die sie betreffen, ein besonderes Anliegen. Kindern eine Stimme geben, Kinder als Experten ihrer eigenen Lebenssituation sehen, Kinder als eigenständige gesellschaftliche Akteure zu respektieren sind nur ein paar Schlagwörter, die meine Sichtweise deutlich machen. Genau diese Kompetenz wurde Kindern in den beiden World Vision Kinderstudien eingeräumt. Kinder wurden als Experten ihrer Lebenswelt nach ihrem Wohlbefinden und ihren Bedürfnissen befragt.

Die 2. World Vision Kinderstudie hat ebenso wie die erste Studie gezeigt, dass es der Mehrheit der befragten Kinder nach eigener Einschätzung gut geht. Sie liefert aber auch viele Belege und anschauliche Beispiele dafür, dass Kinder in Deutschland unter ungleichen Bedingungen aufwachsen und die soziale Herkunft stark den eigenen Alltag bestimmt. Die Art der Freizeitgestaltung, des Medienkonsums sowie Einschätzung und tatsächliche Auswahl von Bildungswegen werden deutlich von der sozialen Herkunft bestimmt. Diese Chancenungerechtigkeit darf es in einem wohlhabenden Land wie Deutschland nicht länger geben, da waren sich Wissenschaftler und Politiker einig. Doch wie soll das umgesetzt werden?

Ein wichtiges Anliegen aller Beteiligten war die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz, da dadurch die Ansprüche von Kindern gesetzlich verankert werden und diese geltend gemacht werden können. Die Politik müsse außerdem Erwerbstätigkeit der Eltern fördern, denn davon ist in einem hohen Maße das Wohlbefinden von Kindern abhängig. Kinder erwerbstätiger Eltern fühlten sich sicherer und seien stolz auf ihre Eltern. Die Ganztagsschule wurde als Möglichkeit diskutiert, allen Kindern eine abwechslungsreiche und anregende Freizeitgestaltung zu bieten, unabhängig von der sozialen Herkunft. Gutscheine für Kinder von Harz IV-Empfängern wurden zwar als Verbesserung im Sinne direkter Transferleistung an die Kinder gesehen, aber nicht als gute Dauerlösung bewertet.

Weiterhin waren sich alle einig, dass die Einsichten, die man durch die World Vision Kinderstudien in das Leben von Kindern bekommt, sehr wichtig für Politik und Gesellschaft sind und wie wenig die Meinungen von Kindern und ihre Sichtweisen auf Bereiche, die sie direkt betreffen, bis jetzt in Politik und Gesellschaft berücksichtigt werden. Dort besteht also noch dringender Nachholbedarf.

In der Diskussion hat mich besonders die Einigkeit zwischen Wissenschaftlern und Politikern positiv überrascht. Allerdings noch überraschender war für mich, dass sich auch die Politiker der unterschiedlichen Fraktionen weitestgehend einig waren über Maßnahmen, die nötig sind, um die Bedürfnisse von Kindern zu berücksichtigen und so ihr Wohlbefinden zu verbessern. Ich kann nur hoffen und wünsche mir, dass den Worten Taten folgen werden und wir es schaffen, dass Kinder in Deutschland zukünftig unter gerechteren Bedingungen aufwachsen und ihr volles Potenzial entfalten können.

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