Training für den Ernstfall

Vorbereitung auf den Ernstfall: World-Vision Mitarbeiter üben das Verhalten bei Überfällen

Vorbereitung auf den Ernstfall: World-Vision Mitarbeiter üben das Verhalten bei Überfällen, Checkpoints und Entführungen

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen müssen sich vielen Herausforderungen stellen. Vor allem bei Auslandseinsätzen. Das manchmal schwer an der körperlichen Konstitution zerrende Klima, die knappe Kost, Wassermangel, lange Wege und kurze Pausen. Das war immer schon und ist Teil der Arbeit. Doch in den vergangenen Jahren sind auch immer mehr Mitarbeiter von Hilfswerken Opfer von Angriffen geworden. Sie werden überfallen, ausgeraubt, entführt, getötet. Damit Mitarbeiter auf gefährliche Situationen bestmöglich reagieren können, lässt World Vision sie auf dem NATO-Stützpunkt im bayerischen Hammelburg ausbilden. Eine Woche dauert so ein Kurs. Unser Mitarbeiter Dirk Bathe berichtet in diesem Blog von seinen Erlebnissen. Hier ist sein Bericht vom Tag 1:

Ich wurde gewarnt. Mehrfach. Eindringlich. „Nimm das ja nicht auf die leichte Schulter!“ Kollegen meinten es gut mit mir. Gaben Ratschläge. Um am Ende doch abzuwinken. „Du kannst dich gar nicht richtig drauf einstellen. Das musst du selber erleben!“
In gewissen Kreisen ist Hammelburg nicht nur eine Kaserne mit riesigem Truppenübungsplatz und gelegen in einer wunderschönen Landschaft. Es ist vielmehr ein Codewort. Die Mitglieder dieser Kreise sind Soldaten mit der Aussicht auf Auslandseinsätze, Journalisten, und eben: Entwicklungshelfer. Manchmal stehen Vertreter dieser drei Spezies beim Bier zusammen. Dann lässt einer das Wort „Hammelburg“ fallen und viele der eben noch lässig-gelangweilt Blickenden verändern umgehend ihre Mimik. Je nachdem, wie ihre persönlichen Erlebnisse dort waren. Oder besser: Die Erlebnisse mit ihrer eigenen Persönlichkeit.
Denn Hammelburg steht für viele als Gang an die eigenen Grenzen. Hier werden ganz normale Büromenschen zu Verbrechensopfern, zur Zielscheibe von psychischer Gewalt, sie werden überfallen, ausgeraubt, entführt und ja, im Extremfall auch getötet. Natürlich nicht ganz in Echt, vor allem letzteres. Alles mit dem einen Ziel: Sie sicherer zu machen für den Umgang mit der Realität.
An diesem Montagmorgen sitzen 27 Mitarbeiter von World Vision aus Europa, Afrika, den USA, Australien und dem Nahen Osten beieinander und lauschen den Worten eines Hünen. Der Mann ist fast zwei Meter groß, hat Muskeln wie Arnold Schwarzenegger bevor er Gouverneur wurde und er lässt keinen Zweifel an seiner Mission. Andries Dreyer heißt der Riese und er stammt aus Südafrika. Wo er lange im Militär gedient hat bevor er in die USA und in das weltweite Sicherheitsteam von World Vision wechselte. Er ist umringt von seinen Mitarbeitern, jeder ein Spezialist und von kaum weniger einschüchternder körperlicher Präsenz. Mir wird nicht direkt mulmig aber wofür habe ich eigentlich 20 Monate Zivildienst geleistet? Der einzige Befehlsgeber damals war Oberschwester Hildegard und die konnte zwar fies sein, aber neben diesem A-Team der Humanitären Hilfe ist sie nur eine Lillifee.
Zu Beginn kriegt jeder Teilnehmer einen Buddy zugewiesen. Meiner heißt Maereg, kommt aus Äthiopien und arbeitet im Sudan. Mein Buddy ist er, weil er links neben mir sitzt in unserer Militär-Schulklasse für Zivilisten. Wir sollen aufeinander aufpassen, bei den Übungen, beim Mittagessen, bei Fahrten und Pausen.
Danach Stunden voller Theorie : Wie verhält sich der Körper bei seelischem Stress? Was sind Traumata, Burn-Out, und andere Zeichen psychischer Überbelastung? Aber auch: Wie baut man einen Ops-Room auf, ein Kommunikationszentrum für Krisenfälle? In solchen Ops-Rooms arbeiten Teams – wir aber sind ein Haufen, unkoordiniert, uns kaum gegenseitig bekannt. Das muss anders werden und deswegen geht es noch am Abend ins Feld, aufs Trainingsgelände für fortgeschrittene Pfadfinder. In kleinen Einheiten müssen wir Lösungen für Probleme praktischer Natur finden. Wie komme ich mit Seil, Schachtel und Holzbrett übers Minenfeld? Wie über einen reißenden Fluss oder eine Schlucht? Das macht Spaß! Zuviel Spaß……und langsam wächst in mir die Furcht, dass das alles noch ganz anders werden wird.

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