Abschied und ein herzliches „Meda w´ase!“

Am Flughafen in Amsterdam

Siebter Tag
Autorin Inga von Grumbkow beschreibt den letzten Tag der Jugendreise von “Peer up” auf dem afrikanischen Kontinent.

Die letzten Stunden in Ghana liegen vor und ein langer letzter Tag hinter uns. Noch im Halbschlaf brechen wir heute Morgen um 6 Uhr in Kumasi auf. Accra empfängt uns, wie es uns verabschiedet hat: Auf den Straßen schieben sich dicht gedrängt die Autos vorwärts, Händler und Verkäuferinnen klopfen an die Autoscheiben um Handykarten, Kaugummi und Bananenchips loszuwerden. Die Luft ist staubig und heiß und hin und wieder steigen kleine schwarze Rauchschwaden in die Höhe, deren Quelle wohl in der Regel Müll ist – von dem es in Accras Straßen, Gräben und Flussbetten leider viel zu viel gibt.

Wir sind auf dem Weg zum Shopping-Center. Eine leise Freude über klimatisierte Räumlichkeiten macht sich breit sowie die Neugier auf die hier heimischen Geschäfte. Als wir parken, suche ich vergeblich nach einem großen Gebäude, das mit bunten Buchstaben all das verlautet. Was ich finde ist ein Flachbau in den mehrere, schummrige Gänge hineinführen. Als wir näher treten wird deutlich, dass wir uns auf einem Basar befinden, ein Markt mit etlichen etwa 10 m² großen vollgestopften Parzellen. Die Ware: Perlen, Tücher, Taschen, Kleider, Mützen, Portemonnaies, Masken, Trommeln, Ringe, Armbänder, Instrumente aller Art, Kunsthandwerk, Hosen und Hemden aus traditionellen Stoffen und und und. Aber wer glaubt, dass man die Zeit hat, diese bunte Vielfalt in Ruhe auf sich wirken zu lassen, ein bisschen zu bummeln oder auch mal Sachen zu probieren, hat sich geirrt. An jedem Geschäft wird man angesprochen: „Hello how are you?“, „Hey Sister, I have something for you.“, „Come on – just a minute!“ und wir möchten natürlich nicht unhöflich sein und antworten auch jede Anfrage freundlich, sodass wir in erster Linie damit beschäftigt sind, Verkaufsinitiativen abzuwehren. Als ungeübter Händler, fühlt man sich dann auch schnell mal im Kaufzwang, wenn einem etwas, was man sich eigentlich nur angeguckt hat, versucht wird schmackhaft zu machen: „Ooh, these are really typical beads. Ghanaian woman love them. 15 Cedis. Too expensive? Come on! 14? 13? Okay how much do you want to pay? 5 Cedis? Mmmh. Okay! Here take it, take it.”
Aber die Sachen sind ja auch schön. Ich habe mich in die Armbänder verliebt und konnte selten an einem völlig desinteressiert vorbeigehen. Dafür hat es auch niemanden gebraucht, der mich davon überzeugt. Lange hat es aber keiner von uns auf dem Basar ausgehalten, sodass wir alle früher als verabredet wieder am Bus waren. So blieb uns noch Zeit für eine letzte Twi-lesson (Hauptsprache in Ghana) mit Nelly. Mit dem Gelernten können wir uns nun anderen vorstellen und ihnen sagen, dass wir sie mögen oder auch nicht, wir können verkünden, wenn wir hungrig sind und dann auf dem Markt verschiedene Früchte für einen Obstsalat einkaufen. Außerdem können wir Nelly mit „Meda w´ase!“ danken und ihr sagen, dass sie eine tolle Lehrerin war. Danach steigen wir, schon ein bisschen sentimental, ins Auto, um uns auf den Weg zum Flughafen zu machen. Allerdings fordern wir noch einen Zwischenstopp ein: Die Hälfte von uns will nicht nach Hause fahren, ohne einen letzten Schluck alvaro, der fruchtig, prickelnden Brause, getrunken zu haben. Unser Wunsch wird erfüllt, so dass wir auf die perfekte Woche anstoßen können und einen perfekten Abschluss haben.

Danke World Vision und Peer Up! für diese besondere, prägende, beeindruckende, abwechslungsreiche, kontrastreiche, verbündende, interessante und lustige Woche. Wenn´s nach mir geht: Immer wieder gerne!

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