Einer der größten Märkte in Afrika

Teil 4 des Reiseblogs von Pressesprecherin Silvia Holten aus Äthiopien

Heute konnten wir endlich alle unsere Genehmigungen abholen, damit wir nun ins Projektgebiet aufbrechen können. Dennoch war es gut, ein paar Tage in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba zu verbringen, um ein Gefühl für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen des Landes zu bekommen. Letztlich sprach ich von Baumboom in der Stadt, aber die Beschreibung trifft es eher, wenn man von Bauwut spricht. An jeder Ecke wird ein Hochhaus nach dem nächsten hoch gezogen und die ausländischen Investoren geben sich die Klinke in die Hand. Heute morgen hatte ich Gelegenheit, mit einem Regierungsvertreter aus Saudi-Arabien zu sprechen. Seine Regierung wolle in großem Stil in Äthiopien investieren, da man eine gute Zukunft für das Land sähe.

Dem widerspricht jedoch die hohe Zahl der Bettler in den Straßen und es wurde uns auch bestätigt, dass die Zahl in den letzten 2 Jahren extrem zugenommen habe. Von meinem World Vision Kollegen erfahre ich allerdings, dass viele Slums in letzter Zeit abgerissen wurden und die Regierung neue und bessere Unterkünfte für die Ärmsten der Armen baue. World Vision unterstützt ebenfalls mehrere Projekte in Addis Abeba. U.a. kümmern sich die Kollegen dort um Gesundheits- und Hygienemaßnahmen. Hierbei wird auch das Thema Familienplanung angesprochen.

Ein wichtiger Bereich ist die Bildung. Dort konnte Äthiopien in den letzten Jahren große Fortschritte erzielen. 79% der Mädchen und 85% der Jungen besuchen inzwischen die Grundschule. Auch über Einkommen schaffende Maßnahmen werden die Menschen von den World Vision Mitarbeitern aufgeklärt.

Wir hatten noch für eine Stunde Gelegenheit, den großen Mercato zu besuchen. Angeblich soll es sich hierbei um den größten Markt in Afrika handeln. Die Eindrücke waren überwältigend. Es gibt offenbar nichts, was es nicht zu kaufen gibt. Seidenstoffe und bunt geblümte Kleidchen hängen neben Stahlbändern. Menschen drücken sich an Menschen, Autos bahnen sich den Weg durch völlig überfüllte Straßen. Erstaunlich, dass nicht mehr passiert….aber selbst die Esel finden zielsicher ihren Weg durch das Gewirr.

Mit den Journalisten führen wir intensive Gespräche über die Arbeit von World Vision und den Sinn von Entwicklungszusammenarbeit. World Vision praktiziert das Prinzip der “Hilfe zur Selbsthilfe”. Das heißt, wenn wir nach etwa 10 bis 15 Jahren die Projekte verlassen, sollen die Menschen in der Lage sein, die Arbeit, die sie mit unserer Unterstützung begonnen haben, selbständig weiter zu führen. Von zentraler Wichtigkeit ist die Unterstützung durch unsere Paten, denn dadurch, dass sie sich langfristig engagieren und unsere Arbeit fördern, können die Projekte auch über einen langen Zeitraum geplant werden und so ihre Wirkung entfalten. Die Projekte, die wir uns ansehen werden, sind zum Teil schon mehrere Jahre ausgelaufen, aber dennoch weiter erfolgreich. In anderen Gebieten arbeitet World Vision seit etwa 5 Jahren.

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