Kunst vor Augen, Realität am Ohr

Teil 3 des Reiseblogs von Pressesprecherin Silvia Holten aus Äthiopien

Offenbar waren heute alle erschöpft von den vielen Neujahrs-Feiern. Addis Abeba zeigte sich von seiner ruhigen und friedlichen Seite. Nur wenige Autos fuhren durch die Gegend und die äthiopischen Frauen schmückten in ihren traditionellen weißen Kleidern die Straßen.

Selam - ein menschliches Kind?

Wir hatten etwas Zeit für Sightseeing und besuchten das Nationalmuseum, in dem auch Lucy liegt, eines der ältesten menschlichen Skelette, dass vor etwa 40 Jahren in Äthiopien gefunden wurde. Beeindruckender fand ich jedoch die Rekonstruktion eines kindlichen Schädels. Die Äthiopier haben das Kind “Selam” genannt, was in vielen Landessprachen Frieden heißt. “Selam” lebte vor ca. 3.3 Millionen Jahren und starb mit etwa 3 Jahren. Sie gehört zur Gattung des “Australopithecus afarensis”.

Das Thema “Hungersnot” scheint auch die Maler zu beschäftigen. Im Museum gab es einige Gemälde, die sich dieses Themas annahmen. Vielleicht auch deshalb, weil es zynischerweise zeitlos ist. Und jeder sich mit seinen Mitteln dagegen stemmen muss, eine Hungersnot normal zu finden. Ob im einzelnen Kunstwerk beschreibend, emotionalisierend oder politisch aufgeladen, in der Serie sagen mir die Gemälde vor allem eins: Schon vor den Zeiten des Fernsehens und Internets kam es zu solchen Katastrophen und auch in unserer heutigen “modernen” Zeit haben wir noch keine Lösung gefunden, wie wir solche Ereignisse verhindern können.

Ausschnitt aus einem Gemälde zum Thema Hungersnot

Später kamen wir der Aktualität sehr nahe. Am Telefon konnten wir mit unserem Kollegen Steffen Horstmaier sprechen, der derzeit in dem äthiopischen Flüchtlingslager Dolo Ado, das sich an der Grenze zu Somalia befindet, die World Vision Nothilfe koordiniert. Das Lager ist in vier Regionen aufgeteilt. Etwa 120.000 Flüchtlinge befinden sich derzeit in Dolo Ado. Nach dem Ende des Ramadan erreichten jetzt wieder täglich rund 300 Menschen das Gebiet. Steffen berichtete, dass insbesondere die Kinder extrem erschöpft seien, da sich die Flüchtlinge teilweise durch Büsche schlagen mussten. In der Mehrzahl befänden sich Frauen und Kinder, sowie alte Menschen in dem Lager. World Vision hat einige provisorische Schulen und Kinderbetreuungszentren eingerichtet, damit die Kinder eine Aufgabe haben und geschützt sind. Energiesparende Kochherde sollen verteilt werden, denn Holz ist knapp. Außerdem planen die Kollegen den Bau eines Wassersystems, damit die Flüchtlinge frisches Wasser haben.

Das Leben der Flüchtlinge und die Umstände der Hilfe beschrieb Steffen als sehr schwierig. Eine größere Stadt sei nur über äußerst schlechte Wege zu erreichen, es gebe keinerlei Infrastruktur. Dennoch seien viele Menschen froh, dass sie nun in Sicherheit seien und zu essen bekämen. Viele Somalis seien es seit Jahren gewohnt für sich selbst zu sorgen, daher habe sich in den Lagern auch schon Kleingewerbe gebildet, mit denen sich Menschen etwas Geld verdienen könnten. In Kooperation mit UNICEF, Save the Childen und anderen Hilfswerken werde daran gearbeitet, grundlegende Versorgungsstrukturen weiter zu verbessern.

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