Den Fluss überqueren


Kenia-Reiseblog von Thomas Kalytta – 11. Tag

Am letzten Tag der Evaluierung sind wir wieder unterwegs zu den Haushalten. Dazu überqueren wir den Kerio River, den einzigen Fluss, der permanent Wasser führt. Da muss ich ein Foto machen. Die Ufer sind grün, das Wasser tiefbraun, obwohl es schon länger nicht geregnet hat – ein Zeichen von hoher Sedimentfracht als Folge von starker Bodenerosion. Zum Glück scheint das Kerio Mineralwasser, das ich täglich zu trinken bekomme nicht gerade hier „geschöpft“ zu werden. Die Farben des knatschgelben Webervogels vor mir sind noch ungetrübt.

Bei den Befragungen bekomme ich einen kleinen Einblick in den Alltag und die Schicksale der Projektbewohner. Wir treffen im Dorf Chemmaya ein und besuchen eine sympathische Frau von knapp 40 Jahren. Als Sitzgelegenheit bekomme ich eine große Konservendose, die mal mit Öl gefüllt war und aus der Nahrungsmittelverteilung stammt. Sie hat 5 Kinder und keinen Mann mehr. Ein hartes Los, doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Immerhin sind die jüngeren Kinder im Patenschaftsprogramm.

Vor einer Gesundheitsstation erlebe ich noch live mit, was die Jüngsten glücklich macht. Ein kleiner  Junge löffelt vor mir zufrieden einen Brei. Zusammen mit UNICEF unterstützen wir in drei Distrikten die Ausgabe energiereicher Zusatznahrung an Kleinkinder, die besonders stark unter der kürzlichen Dürre gelitten haben. Über die Gewichtszunahme wird genau Buch geführt.

Dank der neuen Technik im Projektbüro kann ich am Nachmittag sogar eine Internettelekonferenz mit einem Projekt in Tansania durchführen, um dringliche Dinge in die Wege zu leiten.

Bis in die Nacht hinein besprechen wir dann unsere Beobachtungen und ersten Ergebnisse der Evaluierung, die jetzt zu Ende geht. Es war eine harte Woche mit vielen Überstunden, doch sonst hätten wir es nicht geschafft in einem Gebiet von  ca. 4.500 Quadratkilometern die nötigen Daten zu erheben. Fazit: Alle Projekte in Kolowa zeigen deutliche Fortschritte. Doch wir sind noch nicht überall hin vorgedrungen. Manche Teile der Bevölkerung, insbesondere die Mütter, sind sehr aktiv, andere warten noch eher passiv auf Hilfe von außen. Der Wandel dieser sehr traditionellen Viehhirtengesellschaft verläuft viel langsamer als etwa im Magunga-Projekt am Viktoriasee. Die Schlüsselsektoren heißen hier Wasser und Bildung. Wasser – um die Lebensgrundlagen zu sichern und auch um den Weg für Verbesserungen in der Hygiene und Gesundheit zu bahnen. Bildung – um die traditionellen Denkmuster  aufzubrechen und neue Entwicklungspotentiale freizusetzen.  Wenn wir mit den Menschen vor Ort sprechen, benutzen wir natürlich weniger abstrakte Begriffe und gerne auch Bilder. Zum Beispiel das von der Überquerung eines Flusses.

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