Dürren könnten bald auch die Viktoriasee-Region in die Zange nehmen

Reiseblog von Thomas Kalytta, Tag 2

Das Projektteam vom Magunga Projekt erwartet mich warmherzig. Ich unterdrücke meine Schläfrigkeit. Wir treffen heute alle wichtigen Lokalpolitiker und Behördenvertreter auf einmal. Das Treffen findet in einer Mädchenschule statt, weil geeignete Räumlichkeiten in dieser Gegend kaum aufzutreiben sind.

Die Direktorin nutzt die Chance und erklärt mir begeistert, was sie alles in den letzten 4 Jahren unternommen hat. Sie beeindruckt mich. Eine Frau mit Visionen. Die Schule erhält nicht nur von World Vision, sondern auch von anderen Gebern Unterstützung. Bald kann sie den 180 Schülerinnen sogar ein Computerlab bieten, obwohl es erst seit 2 Jahren Strom vom Netz gibt. Die Computer stehen schon sauber abgedeckt in der Reihe; nun suchen sie den geeigneten Lehrer zum Unterrichten.

Unser Treffen beginnt schleppend, weil die Teilnehmer nach und nach eintreffen. Afrikanische Uhren ticken eben anders. So wiederhole ich immer wieder worum es geht. Wiederholung ist ja bekanntlich die Stärke eines Lehrers. Es geht um einen Antrag an die deutsche Bundesregierung. Soziale Entwicklung durch Wiederaufforstung und nachhaltiges Ressourcenmanagement lautet das Projektziel. Eine Ergänzung zum laufenden Kinderpatenschaftsprogramm Magunga. Wozu?

Die Gwassi Hills sind die „Wassertürme“ der Region. Dort regnen sich die Wolken ab. Viele Hügel sind schon restlos entwaldet. Andere tragen auf der Kuppe noch „Urwaldreste“. Doch die Bäche versiegen zusehends. Die Urwaldriesen werden zu Holzkohle und damit zu Geld gemacht. Noch ein paar Jahre und die Dürren in Ostafrika werden auch die Gegend um den Viktoriasee in die Zange nehmen.

Die Diskussion erhitzt sich langsam. Der Vertreter vom Umweltamt widerspricht dem vom Wasserwirtschaftsamt. Doch am Ende ist man sich einig. Es muss endlich etwas passieren. Die entsprechenden Gesetze sind alle schon in Kraft, doch deren Umsetzung erfolgt bisher zu halbherzig. Ist ja bei uns auch manchmal der Fall, oder? Klar, es wird nicht einfach werden, doch eigentlich gibt es keine Alternative. Wir reden über die Einrichtung von Schutz-, Puffer- und Wirtschaftszonen. Wie in allen Entwicklungsvorhaben wird die richtige Beteiligung und Überzeugung der Betroffenen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dieses Treffen ist jedenfalls ein klarer Erfolg. Zufrieden schreiten wir zum verspäteten Mittagessen.

Am Abend genieße ich den herrlichen Blick über den See. Nach dem Sonnenuntergang glitzert das Wasser wie eine Kleinstadt von oben. Das sind die Fischerboote mit ihren Laternen. Leider gehen die Fänge immer weiter zurück. Denn auch hier fehlt es an nachhaltigem Ressourcenmanagement. Die besten Fische werden ausgeflogen und landen als „Viktoriaseebarsch“ auf unseren Tellern in Europa. Ich bestelle Fisch. Die Wirtin wundert sich darüber, dass ich vor dem Essen Gott danke und nicht ein Bier nach dem anderen abkippe. Der letzte Deutsche, der sich hierher verirrte, hatte wohl keinen guten Eindruck bei ihr hinterlassen?

Schreiben Sie einen Kommentar


× zwei = 8