Mädchen kommen voran


Kenia-Reiseblog von Thomas Kalytta, Tag 8

Am Morgen besuchen wir die „Schulbehörde“ – ein baufälliges Gebäude – und sprechen mit dem District Education Officer. Der junge dynamische Mann überrascht mich. Er stammt aus dieser Gegend und die Kinder scheinen ihm am Herzen zu liegen. Anstatt zu jammern, was der Behörde alles fehlt, kommt er fast ins Schwärmen. World Vision bezeichnet er als zuverlässigen Partner, der die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Vordergrund stellt und die Projekte zusammen mit ihnen plant. Überhaupt scheint sich vieles zum Bessern zu verändern.

In Sachen Bildung holen die Mädchen gegenüber den Jungs auf. Erstmals erreichen einige von ihnen weiterführende Schulen. Sogar Mädchenförderung ist ihm wichtig. Ich bin dankbar, mich dafür eingesetzt zu haben, dass Damenbinden über unseren Geschenkekatalog auf Facebook an die Mädchen hier in Kolowa gelangen. Denn die meisten Mädchen gehen hier während ihrer Tage nicht zur Schule. Weder können sie sich Damenbinden leisten, noch wären sie überhaupt erhältlich. Aber World Vision macht es jetzt möglich.

In der Gesundheitsstation sprechen wir erwartungsgemäß viel über Krankheiten. Auch hier sind die Frauen progressiver. Sie lassen sich eher auf HIV testen und bringen ihre Kinder zur Gesundheitsvorsorge. In abgelegenen Gegenden bringen noch fast alle Frauen ihre Kinder zuhause zur Welt und viele halten Aids für eine Erfindung der Regierung.

Ich realisiere immer mehr, dass die Kolowa Division mit über 90 km Länge und ca. 50 km Breite ohne auch nur einen Kilometer Teerstraße für ein Regionalentwicklungsprogramm reichlich groß ist und wir deshalb in Sachen Wasserversorgung, Gesundheitsverbesserun, Aidsbekämpfung, Bildung und Mädchenförderung nur einen gewissen Beitrag leisten können. Das deprimiert mich. Da kommt mir eine Idee. Wir wäre es, wenn wir Radiosendungen über kritische Themen wie Aids, weibliche Genitalverstümmelung, Konfliktbearbeitung und anderes verbreiten würden? Das würde auch die vielen Analphabeten in den abgelegensten Ecken erreichen, insbesondere die Männer, die Radios mit sich herumtragen. Ob sich daraus auch ein Projekt machen ließe?

Müde erreichen wir nach 21 Uhr unser Quartier. Zum ersten Mal darf ich erleben, dass Dusche und Strom zusammen funktionieren und ich wasche mir den Staub vom Leib. Danke!

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