Niger: Unvergessliche Begegnungen mit unglaublichen Menschen

 

Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um eine Katastrophe in Niger zu verhindern

Justin Byworth, Leiter von World Vision UK, ist gerade aus Niger zurückgekehrt, wo die Bevölkerung einer wachsenden Lebensmittelkrise gegenüber steht. Hier ist sein Bericht:


Was für eine Woche war das im westafrikanischen Staat Niger. Voller Kummer, aber auch voller Hoffnung. Unvergessliche Begegnungen mit unglaublichen Menschen. Kinder, die Härten ausgesetzt sind, die unvorstellbar wären hätte ich nicht es mit meinen eigenen Augen gesehen. Äußerst engagierte und fähige Menschen, die arbeiten, um echte Veränderungen ins Leben dieser Kinder zu bringen. Organisationen und Regierungen, die zusammenarbeiten, um die Lebensmittelkrise nicht zu einer Katastrophe werden zu lassen. Dann gibt es die vielen wunderbaren Menschen, die ihre Herzen öffnen und ihren Verstand einsetzen, die ihre zeitlichen und finanziellen Ressourcen nutzen, um die Lage in Ländern so weit von ihrem eigenen Zuhause zu verbessern.
Drei Menschen und meine Begegnungen mit ihnen haben mich besonders beeindruckt:

Knapp der Zwangsheirat entkommen: Aissatou, acht Jahre alt

• Aissatou: eine Achtjährige, die aber nicht älter aussieht als gerademal sechs. Wenn ihre zerbrechliche Erscheinung den Raum betritt, dann bleibt einem bei dem Gedanken daran, dass sie mit einem Mann verheiratet werden sollte, der alt genug ist, um ihr Großvater zu sein, die Luft weg. Sie konnte entkommen. Zwei Tanten von Aissatou waren bei der Geburt ihrer Kinder ums Leben gekommen. Eine dritte, Zainab, selber erst 12, konnte gerade noch davor gerettet werden, als “childbride” zu enden. Diese Schicksale gaben uns einen tiefen Eindruck vom Ausmaß und der Tragödie der Kinderheiraten in Niger.

 

 

Schuftet für seine Kinder: KidriKämpft um ihr Überleben: Alhoussane

• Kidri: der für das Überleben seiner Kinder schuftet und dabei keine Rücksicht auf sich selber nimmt. Als ich seine Stimme vom Grund eines 15 meter tiefen Loches höre, sein Gesicht sehe, als er hinausklettert, wie wir dann über unsere Familien reden – da baut sich für einen Moment eine Brücke zwischen unseren so grundverschiedenen Leben auf. Für seinen zehnjährigen Sohn Amadou, gesund und in der Schule, ist die Patenschaft eine Brücke, die vielleicht sein ganzes Leben beeinflusst.

 

Kämpft um ihr Überleben: Alhoussane

• Alhoussane: die um ihr zerbrechliches, kleines Leben kämpft. Der Schmerz der andauernden Unterernährung spiegelt sich nicht nur in ihrem Gesicht wieder, sondern auch in dem ihrer Mutter Rakia. Es war mir kaum möglich, ein Foto von ihr zu machen, aber es war wichtig, um der Welt zeigen zu können was noch tausendfach passieren wird, wenn wir jetzt nicht auf die Lebensmittelkrise reagieren.

Krisen verhindern

Zu Beginn meines Besuchs wollte ich sehen, wie sich die Lebensmittelkrise in Niger und der gesamten westafrikanischen Sahelzone von der Hungersnot in Ostafrika unterscheidet. Und ob World Vision und andere Organisationen diesmal früher reagieren können, um die Schrecken einer Hungersnot hier zu vermeiden. Natürlich ist es zu früh jetzt schon – angesichts der noch kommenden harten Monate – zu sagen: sicher! Aber es gibt berechtigte Hoffnungen, dass wir es schaffen.

Die Regierung des Niger und alle Hilfsorganisationen arbeiten gut zusammen seit dem Aufruf zur internationalen Hilfe vom nigrischen Premierminister und dem Besuch des EU-Kommissars für humanitäre Hilfe. Es war gut, Vertreter von UNICEF, dem Welternährungsprogramm, Save the Children, EU und anderen zu treffen und eine klare Botschaft zu hören: Wenn wir jetzt handeln, dann können wir zusammen verhindern, dass aus der Krise eine Katastrophe wird.

Kinder retten

Was bedeutet Kindheit in in einem Land wie Niger? Das herauszufinden war das zweite Ziel meiner Reise. Ich habe erkannt, wie Kinder hier Schwierigkeiten meistern müssen, die kein Kind auf der Welt erfahren sollte. Mädchen werden als Kinder verheiratet und sind dann als Mütter selbst noch Kind. Jungs müssen unter nicht akzeptablen Bedingungen arbeiten. Jungen und Mädchen wird die Kindheit genommen. Wir wissen, dass es nicht nur im Niger so ist. Aber das heißt nicht, dass wir es deswegen so weiter laufen lassen können. Jeder muss handeln, auf jeder Ebene, vom nigrischen Dorf bis zur nationalen Regierung, von unseren Regierungen bis zur Internationalen Gemeinschaft. Wenn es uns gelingt, eine Hungersnot in Niger zu verhindern, kann es uns nicht auch gelingen, die vielen, ungehörten Fälle von ausgebeuteten, missbrauchten Kindern zu verhindern?

1 Kommentar

  1. B. Krebber, 28. Januar 2012

    Hier kann man nicht den “Gefällt mir” Button drücken!
    Es ist einfach nur furchtbar, wie diesen Kindern die Kindheit entrissen wird….

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