Bundestagsabgeordnete sind Augenzeugen der Flüchtlingsnot im äthiopisch-somalischen Grenzgebiet

Um sich ein Bild von der aktuellen Lage am Horn von Afrika zu machen, sind die beiden Bundestagsabgeordneten Thilo Hoppe (stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Frank Heinrich (Mitglied im Bundestagsausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe) im Januar nach Äthiopien gereist.  Vor einer Woche erreichten sie einen Brennpunkt der humanitären Krise: ein großes Flüchtlingscamp in der Region Dollo Ado, das sich drei Flugstunden von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt im sued-östlichen Teil Äthiopiens an der Grenze zu Somalia befindet.

Frank Heinrich und Thilo Hoppe nahmen sich ausreichend Zeit um sich über die Situation vor Ort zu informieren und sich unter anderem die Arbeit von World Vision im Camp „Bur Amino“, eines der insgesamt fünf Flüchtlingscamps in der Region Dollo Ado, anzusehen. Das Camp wurde vom UN Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und der Äthiopischen Regierung erst vor zwei Monaten aufgrund des zunehmenden Flüchtlingsstroms vor allem aus Somalia errichtet.

World Vision unterhält in „Bur Amino“ ein Notschulprogramm für Kinder und richtete bislang drei Klassenzimmer für Grund- und Sekundärklassen ein, versorgt derzeit über 3000 Schulkinder mit Lernmaterial (wie Schulbücher, Hefte, Stifte), sorgt für Schulspeisungen und errichtete Spiel- und Fußballplätze. Fortbildungen für Lehrkräfte und für Elternkommittees unterstützen das Bildungsprogramm.

Darüber hinaus hat World Vision im Camp ein Umweltprojekt gestartet. Es unterstützt die Campbewohner bei der Müllbeseitigung und stellt den Familien umweltschonende Kochherde sowie Solarleuchten zur Verfügung. Ein weiteres Hilfsprogramm verbessert die Wasser- und sanitäre Grundversorgung, begleitet durch Hygieneschulungen.

Das Team von World Vision vor Ort erläuterte den Bundestagsabgeordneten die Fortschritte und Hintergründe der Hilfsprogramme und betonten gegenüber den deutschen Politikern, wie wichtig auch die Unterstützung von außen ist. Die Menschen und die Situation in den Flüchtlingslagern dürften nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn die Krise aus der öffentlichen Wahrnehmung nahezu verschwunden ist. In diesem Zusammenhang dankten sie den Bundestagsabgeordneten für das deutsche Engagement, da World Visions Projektarbeit in Dollo Ado unter anderem mit Mitteln aus Deutschland finanziert wird.

Im Anschluss hatten die Bundestagsabgeordneten Gelegenheit, mit Flüchtlingen zu sprechen. Sie erfuhren so mehr über die Gründe, warum die Menschen – überwiegend Frauen und Kinder – flüchten müssen und wie gefährlich und unglaublich mühsam die Flucht ist. Oft müssen die Flüchtlinge tage- und wochenlange Fußmärsche auf sich nehmen, meist ohne ausreichende Nahrung und Wasser. Im Camp – so erzählen die Flüchtlinge – könnten sie überleben, hätten ein Dach über dem Kopf, Wasser und Nahrung für die Kinder.

Innerhalb der letzten zwei Jahre suchten über 145 000 Menschen in den Flüchtlingscamps in der Region Dollo Ado Schutz vor Hunger und Bürgerkrieg. Täglich erreichen 150 bis 200 neue Flüchtlinge die Camps. Die Flüchtlingszahlen werden künftig vermutlich noch weiter ansteigen – vor allem aus Somalia flüchten viele Menschen vor Hunger und der Bedrohung durch Kämpfe bzw. wechselnde Machthaber.

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