Die Nahrungskrise hinterlässt Lücken in der Schule und im Dorf

Westafrika Blog von Lauren Fischer, Teil 2

Es ist drei Uhr nachmittags, und das Klassenzimmer strotzt vor Leben mit Klatschen, Singen und verzweifeltem Aufzeigen. Wir verbringen unseren Nachmittag mit den Kindern von Toungouzou in ihrer Schule, die von World Vision gebaut wurde.

Sie sieht wie die meisten Schulen aus, die wir besucht haben, und auch der leichte Geruch des Kalkstaubs, die Klänge der Lieder und die mit Mappen gefüllten Regale machen diese Schule typisch für die Region. Die Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren sind neugierig auf die Besucher, die ihre neu erlernten Fähigkeiten bestaunen werden. Ein Mädchen in rotem Kleid und Kopftuch kommt zu uns, um uns das neue Lied zu präsentieren. Sie lächelt scheu zu unserem Applaus. Später erfahren wir, dass sie zwölf Jahre alt ist und hofft, eines Tages Ärztin zu werden.

Im Hintergrund all der der Hoffnungen und Träume in diesem Klassenzimmer aber wirkt sich die Nahrungskrise im Sahel immer stärker aus. Es gibt schon leere Plätze im Klassenzimmer, die früher besetzt waren. „Unser Gebiet ist von der Krise wirklich betroffen“, sagt der Schulleiter Amirou Yacouba. „Drei von vier Familien haben das Dorf mit ihren Kindern verlassen, um in der Stadt Zinder nach Nahrung zu suchen.“

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Wir sprechen mit Alia Abdou, einer zehnfachen Mutter und dreifachen Großmutter. Stolz trägt sie ein Kopftuch und ein Kleid, mit einem Logo von World Vision Niger. Sie drückt ihren Dank über all die bereits getane Arbeit aus – die Verteilung von Saatgut in den letzten, trockenen Jahren, die Anlage eines Brunnens in der Nähe des Dorfes; aber sie will auch sichergehen, dass wir die momentane Wirklichkeit genügend wahrnehmen. Sie gestikuliert in Richtung der Dorfältesten, alle mindestens fünfzig Jahre alt, und erzählt uns, dass sie die einzigen Männer in dem Dorf seien. All die jungen Männer hätten in ihrer Verzweiflung das Dorf verlassen, weil sie ihre Familien nicht mehr ernähren konnten.

„Jetzt gibt es einige Familien, die überhaupt nichts in ihrem Haus zu essen haben“, sagt Abdou. „Und jene, von denen erwartet wird, etwas zu finden, gelingt es auch nur schwer.“ Sie sagt, die Unsicherheit in Nigeria sei der Grund dafür. Normalerweise überqueren die jungen Männer in ihrem Dorf die Grenze, um zu arbeiten. Dieser Tage gebe es jedoch so viele Kämpfe, dass es keine Arbeit gebe. Die Frauen warteten derweil in den Dörfern, zunehmend hilflos. In der Vergangenheit hätten sie kunstvolle Fächer hergestellt, doch nun habe niemand Geld, um diese Gegenstände zu kaufen.

Unsere Frage nach der Zukunft der Kinder im Dorf stimmt sie traurig. Sie hoffe, dass vielleicht bald die Schulen wieder Mahlzeiten anbieten können, um die Bäuche der Kinder zu füllen, sagt sie schließlich.

Große Träume von der Zukunft – und die harte Wirklichkeit des Tag-für-Tag-Lebens: Sie prallen in diesem kleinen Dorf aufeinander, während die Familien versuchen, in dieser aktuellen Nahrungskrise zu bestehen.

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