Mauretanien und die Dürre: das Dorf der Frauen

Die achtjährige Kadjata hofft, dass ihr Vater bald wieder heimkehrt

Der Weg von Boghe nach nach Belel Koyle ist nicht lang – doch er führt in eine andere Welt. Eine Welt ohne Männer. Von Jonathan Bundu:

Wir sind ein kleines Erkundungsteam von World Vision und in Mauretanien unterwegs. Auch hier herrscht, wie in so vielen Regionen Westafrikas , eine extreme Dürre. Besonders betroffen vom ausgebliebenen Regen sind neben den Bauern die Viehhirten. Denn ihre Rinder finden kein Gras mehr und verenden – eine Katastrophe für Menschen, die fast völlig vom Ertrag ihrer Viehwirtschaft abhängig sind.

17 Kilometer führt die staubige Piste durch ein verdorrtes Land, dann kommen wir in Belel Koyle an. Das erste was uns auffällt: Hier gibt es nur Frauen! Sie sind gerade dabei, Kartons zu zerkleinern und die Stücke in einen Abfallkorb zu werfen. Ein paar Meter entfernt sitzt Kadjata Boye vor ihrer Küchentür und mit traurigem Blick beobachtet sie die anderen Frauen. Schon zur Begrüßung klärt sie uns auf: „Die Männer haben unser Dorf mit dem Vieh verlassen. Jetzt sind wir, die Frauen, die Ernährer der Familie geworden.“

Auch Kajatas Vater ist mit den anderen Männern gegangen an diesem Samstag Anfang Februar. Alle haben sie den Fluss überquert und sind weitergezogen, nach Senegal.

Dieses Umherziehen ist wichtig für die Hirten. Sie wollen nicht riskieren, dass auch nur eine Kuh stirbt, jetzt, wo die Dürre immer schlimmer wird und kaum noch Gras zum Weiden da ist und auch die letzten Wasserstellen ausgetrocknet sind. Um wenigstens den Rest ihrer Herden zu retten müssen sie wandern. So haben sie die Möglichkeit – wenn es hart auf hart kommt – die Tiere zu verkaufen und so das Überleben der Familie zu sichern.

„Wenn sie also nicht gehen, dann ist es noch schlimmer für uns als jetzt, wo sie fort sind“, bestätigt Aminata Boye, die Mutter von Kadjata. „Wir Erwachsenen kommen damit klar, wenn die Männer gehen. Aber für die Kinder ist es natürlich ein Alptraum.“

„Ich hatte keine Milch mehr zu trinken seitdem mein Vater gegangen ist“, sagt Kadjata. Für sie, wie für jedes der Kinder aus dem Volk der Fulani ist Milch ein Grundnahrungsmittel. Es ist Getränk und Frühstück zugleich und am Abend der Begleiter zum einfachen Couscous. Keine Milch zu haben – unvorstellbar für Kadjata, die seit ihrer Geburt keinen Tag ohne ihren Vater, die Kühe und eine Kalebasse Milch verbracht hat.

Die Dorfgemeinschaft hat Reserven angelegt. Jeder Haushalt musste einen Bullen verkaufen und Geld geben. Es reichte nicht für viel: 15 Säcke Reis, mit denen über 200 Haushalte versorgt werden müssen. Wenn das letzte Geld ausgegeben ist, wenn der Reis verbraucht ist und die Männer noch immer unterwegs, dann wird Aminata nichts mehr haben, um sich und ihre Tochter Kadjata zu ernähren. Dann wird aus dem Dorf ohne Männer bald auch ein Dorf ohne Kinder und Mütter.

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