Dürre in Niger: Warum ich den Wasserhahn jetzt mit anderen Augen sehe

 Westafrika-Blog von Lauren Fisher, Teil 4

Seit ich hier in Niger bin sehe ich Wasser mit ganz anderen Augen. Früher habe ich es als selbstverständlich angesehen. Zuhause ist Wasser das Ersatzgetränk,wenn ich gerade keinen Eistee zur Hand habe, das Entspannungsbad, auf das ich mich am Ende eines langen Tages freuen kann.

In Zinder sei Wasser kostbar, sagt mir ein Kollege. Für mich persönlich zeigt sich das darin, dass ohne Vorwarnung plötzlich kein Tropfen mehr aus dem Wasserhahn kommt. Jede Minute kann zum Beispiel die Dusche versiegen, wenn ich gerade das Haar voller Shampoo habe oder eingeseift bin. Das sorgt für einige amüsante Momente am Morgen, wie ihr euch vorstellen könnt. Dazu kommt, dass ich natürlich ständig Wasser mit mir herumschleppe, um unterwegs trinken zu können und nicht krank zu werden. Jedes Mal, wenn beim Duschen tatsächlich ein Wasserstrahl kommt und das Shampoo mitnimmt, seufze ich im Stillen vor Glück. Und ich achte auf meine Wasserflaschen wie auf einen Augapfel.

Natürlich machen sich die Menschen um mich herum noch viel mehr Gedanken über Wasser. Für die vielen Mütter und Kinder, mit denen wir gesprochen haben, ist es eine Frage von Leben und Tod. Umweltprobleme mit Wasser und Fäkalien, kombiniert mit Hygiene-Problemen, machen krank. Durchfall-Erkrankungen töten jedes Jahr ungefähr eineinhalb Millionen Kleinkinder in diesem Land– mehr als Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Für viele Kinder entscheidet sich an der Wasserquelle in der Nähe, ob sie zu essen haben, zur Schule gehen und lernen können oder viele Stunden mit Arbeit und leerem Magen verbringen müssen.

In einem Dorf hatte ich ein Gespräch mit Frauen und Kindern, die neun Kilometer pro Strecke zur Wasserquelle laufen müssen. Sie laufen diesen Weg zwei Mal am Tag mit den schweren Wasserkanistern, immer darauf bedacht, möglichst wenig unterwegs zu verschütten und nie ganz sicher, ob das Wasser auch sauber genug zum Trinken ist. „Wenn wir zurück sind, schmerzt der ganze Körper wegen der großen Entfernung und die Kinder müssen einfach helfen“, erzählt mir Sakina Aminou, die in dem Dorf eine Frauengruppe leitet.

Ich vergleiche das Gehörte mit dem, was ich in der Region Raffa gesehen habe. Jetzt wird mir der Unterschied klar. In Raffa haben sie eingefasste Tiefbrunnen mit Pumpen, die dank Spenden an World Vision fachmännisch installiert wurden. Frauen und Kinder können jetzt an etlichen Stellen im Ort einfach den Wasserhahn aufdrehen und erhalten sauberes Trinkwasser daraus. Es ist ein Luxus, der natürlich auch Frauen aus Nachbardörfern anzieht.

 

“Vorher war es für Mädchen wie mich anstrengend Wasser zu holen, aber jetzt stellen wir einfach unseren Eimer unter den Wasserhahn und er füllt sich”, sagte mir die 13jährige Ayouba Oumara. “Das ist toll und wir danken euch dafür.”

 “Danke” hörten wir immer wieder und wieder in diesem Dorf, und daran werde ich hoffentlich noch lange denken, wenn ich zuhause den Wasserhahn aufdrehe.

Schreiben Sie einen Kommentar


+ 9 = zwölf