Japan: Wie ein Kinderschutzzentrum neue Hoffnung schuf

20 bis 70 Kinder besuchen täglich das Schutzzentrum in Tome City

Vor einem Jahr am 11. März bebte in Japan die Erde, anschließend rollte eine Tsunamiwelle über die Küste hinweg. Dabei verloren tausende Menschen ihr Leben und die Überlebenden oft ihr Hab und Gut. Wie die Kinder der Togura-Schule wieder neue Hoffnung fanden, hat Mitsuko Sobata notiert:

“Die Kinder müssen so viel Angst inmitten dieser schrecklichen Situation gehabt haben, aber kein Kind geriet in Panik. Einige Kinder weinten, aber sie blieben trotzdem ruhig. Manche haben sich sogar um Kinder gekümmert, die geweint haben. Das war erstaunlich.“ Atsushi Asokawa, Leiter der Togura Grundschule erinnert sich an den 11. März 2011, an das Erdbeben und den Tsunami. Und auch er selbst bleibt dabei ruhig, auch wenn ihn die Erinnerung innerlich noch immer sehr bewegt.
Nur 300 Meter von der Küste entfernt liegt die kleine Grundschule in Minami Sanriku in Japans Präfektur Miyagi. Wälder und Berge auf der einen Seite des Schulgebäudes, auf der anderen konnten die Kinder das Meer aus ihren Klassenzimmern sehen. Ein starkes Gefühl von Gemeinschaft herrschte unter den Schülern.
Atsushi Asokawa sagt: “Das Ausmaß des Bebens war etwas, das ich nie zuvor erlebt hatte, und es dauerte gut 5 Minuten. Es gab keine Möglichkeit, einfach zu gehen. Und ich sah, wie sich die Schule bewegte: wie die wogende See. Ich habe dann auch mit einem Tsunami gerechnet, der früher oder später kommen würde.”

Wie hoch würde das Wasser steigen?
Unmittelbar nachdem das Beben aufgehört hatte, versammelten die Lehrer alle Schüler und liefen mit ihnen zu einem nahe gelegenen Hügel. Außer Atem auf dem Hügel angekommen, sah die Gruppe, wie eine riesige Tsunami-Welle eine Betonsperre mit sich riss und die Togura Grundschule und die neugebaute Turnhalle wegspülte.
“Ich dachte sogar, dass uns der Tsunami hier oben auf dem Hügel noch erreichen würde. Also gingen wir zusammen mit den Kindern zu einer noch höheren Stelle in den Bergen mit einem kleinen Schrein”, sagt Atsushi Asokawa.
Rund 150 Personen aus der Gemeinde war es gelungen, zu dem Schrein zu entkommen. Die Menschen waren ruhig und halfen einander.
“In der Schule bereiteten wir die Kinder auf solche Katastrophen vor, mit Handbüchern etwa. Aber da steht das Wichtigste nicht drin: Das „Zusammenhalten“ – und das wurde in diesen Tagen der Not zum Wertvollsten was wir hatten.“

Überlebt – und was nun?
Am folgenden Tag gingen Kinder und Lehrer, Eltern und Menschen aus der Gemeinde zu einem Evakuierungszentrum in einer örtlichen Realschule im benachbarten Tome City.
“In dem Evakuierungszentrum sah ich verzweifelte Väter und Mütter und auch die Kinder sahen ihre Eltern so. Die Kinder selbst aber blieben unglaublich ruhig, so als ob sie ihren Eltern jetzt nicht auch noch zur Last fallen wollten. Aber etwa eine Woche später begannen Kinder Anzeichen von Stress zu zeigen. Sie weinten in der Nacht und bekamen Fieber.“
Sechs Tage nach der Katastrophe entschlossen sich Lehrer und Eltern, irgendeine Form von Bildung für ihre Kinder wieder aufzunehmen. Doch viele Menschen waren noch obdachlos, erschöpft und verzweifelt und die Erwachsenen wussten nicht, wie sie diese Herausforderung bewältigen sollten.

Können die das von World Vision überhaupt?
Eine World-Vision-Mitarbeiterin, die die Evakuierungszentren besuchte, sprach mit Lehrern und Eltern, und erklärte, wie Kinderschutzzentren eine sichere, unterhaltsame und pädagogische Atmosphäre für das Lernen bieten.
„Anfangs war ich nicht sicher, ob World Vision sich wirklich kümmern kann um die Kinder, die bereits von der Katastrophe seelisch verletzt wurden. Dann hörten wir, wie die Mitarbeiterin die Kinder selbst befragte, was ihnen in einem solchen Zentrum wichtig ist. Da wusste ich, ich kann World Vision vertrauen”, erklärt Atsushi Asokawa.
“Im Kinderschutzzentrum, in das unsere Schüler dann gingen, waren die Kinder in der Lage, mit anderen Kindern als den eigenen Geschwistern zu spielen und zu lernen. Das hat sie wieder aufgebaut. Wir sind zutiefst dankbar für all die Unterstützung, die wir erhalten haben. ”
An der Togura-Schule hängt ein großes “Dankeschön”-Banner, das fast die Hälfte der Fassade bedeckt. Die Kinder haben es gemacht und darauf steht: “Wir danken Euch von ganzem Herzen für all die warmherzige Ermutigung und Unterstützung die wir erhalten haben. Wir sind alle wohlauf – wegen Dir.”

World Vision hat in den Wochen nach dem Erdbeben und dem Tsunami sieben Kinderschutzzentren gegründet. Ursprünglich waren die Räume der einzige Ort für Kinder um sich zu sammeln und an Bildung und auch Spaß Teil zu haben. Jetzt, wo viele Schulen wieder hergerichtet sind, wurden sie nach und nach geschlossen. Togura ist das letzte der Zentren – und auch dieses wird bald wieder abgebaut. Die Schüler aber wollen ihren „Zusammenhalt“ nicht einschlafen lassen – sie haben schon einen „Club des Kinderschutzzentrums“ gegründet.

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