FMNR-Konferenz in Nairobi: Ein grünes Afrika ist möglich

Tony Rinaudo, "Erfinder" der FMNR-Methode überzeugte in Nairobi viele Politiker und Wissenschaftler vom Erfolg der natürlichen Wiederbegrünung.

Dritter Teil des Blogs von Silvia Holten über die Konferenz zur Wiederbegrünung Afrikas in Nairobi. Diesmal geht es um eine einfache, schnelle und vor allem erfolgreiche Methode, wie Bauern ihre ausgedorrten Äcker wieder in blühende Landschaften verwandeln können:


Ich muss gestehen, nach dem ersten Tag der Konferenz bin ich fast euphorisch und nicht nur mir geht es so. Viele Teilnehmer schwanken zwischen Begeisterung und der Frage, kann dieser Traum der Wiederbegrünung Afrikas Realität werden?
Insbesondere der Vortrag von Tony Rinaudo (World Vision Wiederaufforstungs-Experte) über die Wiederbegrünungsmethode FMNR (farmer managed natural regeneration), also von Bauern geleitete natürliche Regeneration, hat mich tief beeindruckt. Tony erklärte zunächst, wie alles begann. Als er erstmalig in den 1980er Jahren nach Niger kam, war er zutiefst schockiert darüber, wie das Land aussah – überall Dürre und Wüste, auf dem Boden wurden bis zu 60 Grad Temperatur gemessen und es gab viele Pflanzenkrankheiten und Schädlinge, die die Ernte zerstörten. Tony war als Experte für Wiederaufforstung nach Niger geschickt worden und war zunächst ratlos – nichts was er unternahm funktionierte. Zunächst versuchten er und die Farmer vor Ort, Tausende Bäume neu anzupflanzen, aber es war hoffnungslos – 80% der Bäume starben wieder ab.

Ein Traum soll wahr werden

Eines Tages war er mit dem Auto unterwegs und musste wegen einer Reifenpanne anhalten. Als er sich umsah, sah er das gleiche Bild wie überall in Niger – nichts als ausgedorrtes Land, hier und da kleine Büsche oder Triebe, die aus dem sandigen Boden ragten. Wie in vielen Gegenden des Landes hatte es auch in dieser Region früher Bäume gegeben. Tony schaute sich die Büsche und Pflanzen genauer an und entdeckte, dass es unter der Erde viele Triebe und Wurzelreste gab. Was wäre, überlegte Tony, wenn in diesen Wurzeln und Trieben noch Leben steckte. Gesagt, getan – versuchsweise sperrte man eine Region ab, damit keine Tiere die Triebe abfressen oder Menschen sie für Feuerholz sammeln konnten.

Nach einer Weile begannen viele Pflanzen zu sprießen. An den alten Baumstümpfen ließ man nur die stärksten Triebe stehen und zum allgemeinen Erstaunen bildete sich nach kürzester Zeit ein kleiner Wald zurück. Eine uralte Methode der Wiederbegrünung wurde neu entdeckt. Der Begriff FMNR war geboren.

Alles nichts ohne das Recht auf Land

Tony erkannte die unglaublichen Möglichkeiten, die sich vor ihm auftaten, aber nichts war möglich, ohne die Unterstützung der Bauern in Niger. Auch die Regierung brauchte er auf seiner Seite. Eine lange Reise begann. Viele Zuhörer bezichtigten ihn sogar der Lüge und konnten nicht glauben, dass mit dieser einfachen und preiswerten Methode eine Wiederbegrünung von ausgedorrtem Land möglich sein sollte. Doch nach vielen Vorträgen und Reisen gelang es ihm, einige Bauern von seiner Idee zu überzeugen und zu einem Versuch zu überreden. Die Bauern ließen so viele Bäume wie möglich auf ihrem Acker wachsen und bereits nach kurzer Zeit stellten sie fest, dass sich ihre Ernteerträge zum Teil verdoppelten.

Die Bäume spendeten Schatten und schützten so die Saat vor der brennenden Sonne. Die Wurzeln, die viele Meter tief in den Boden ragten, speicherten die Feuchtigkeit im Boden, Vögel kamen zurück und verbreiteten über ihre Ausscheidungen Samen von anderen Pflanzen und Bäumen. Man stellte auch fest, dass das Mikroklima sich änderte und es feuchter und kühler wurde. Heute sind etwa die Hälfte des Ackerlandes in Niger durch diese Methode wiederbegrünt worden. Wissenschaftler wie Chris Reij von der Universität in Amsterdam haben angesichts der aktuellen Dürresituation im Land Untersuchungen durchgeführt und festgestellt, dass es den Bauern, die FMNR auf ihren Ackerflächen umsetzen, erheblich besser geht.

Vielfältiger wirtschaftlicher Nutzen

Die Äste und Blätter können von den Bäumen geerntet und als Feuerholz und Tierfutter verkauft werden. Vereinzelt verkaufen Bauern Bäume als Bauholz. Dadurch erhöht sich das Einkommen dieser Landwirte und von dem Geld können sie Nahrungsmittel für ihre Kinder und Familien kaufen.
Tony wurde nicht müde, über die neu entdeckte Methode auch in anderen Ländern zu berichten. Heute fördert World Vision FMNR mit Unterstützung der Gemeinden in sieben afrikanischen Ländern und in einigen asiatischen Ländern. Durch die Methode wurde bei den Menschen, mit denen World Vision arbeitet, das Bewusstsein neu geweckt, wie wichtig Bäume für erfolgreichen Ackerbau und ein besseres Leben sind. So fördern Bäume die Gesundheit der Kinder und sie fördern über diesen Weg eine erfolgreiche Zukunft der jungen Generation Afrikas. Afrika ist der Kontinent, der über die größte Vielfalt an Bäumen verfügt. Mehr als eintausend Arten wachsen hier. Viele dieser Bäume düngen über ihre Blätter die Äcker und versorgen über die Wurzeln den Boden mit lebenswichtigen Nährstoffen.
Tony konnte viele Regierungen überzeugen, auch ihre Gesetze zu ändern. In vielen afrikanischen Ländern verfügt ausschließlich die Regierung über Land- und Bodenrechte. Doch nur wenn die Bauern und Gemeinden die Rechte über das Land und die Bäume, die dort wachsen, besitzen, kümmern sie sich auch um sie.
Die Konferenz hat gezeigt, der Traum zur Wiederbegrünung Afrikas kann Realität werden. Doch alle sind gefordert: Politiker in Industrieländern, in den afrikanischen Ländern, die Menschen in den Gemeinden, Hilfsorganisationen, Wissenschaftler und Journalisten, die die Idee in der Welt verbreiten. Auch jeder Einzelne kann helfen. Seien Sie Unterstützer einer großen Idee. Viele Grüße aus Nairobi!

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