G20-Treffen in Mexiko: Ihre Fragen – unsere Antworten

Marwin Meier, Gesundheitsexperte von World Vision

Marwin Meier, Gesundheitsexperte von World Vision

Vom 18.06 bis 19.06 fand in Mexiko der G20-Gipfel statt. Vor und während des Treffens sammelte World Vision-Gesundheitsexperte Marwin Meier Ihre Fragen rund um das Thema G20. Einige Antworten hat er schon über Twitter und Facebook geliefert – hier fassen wir die Highlights noch einmal zusammen:

Was ist G20?

Die G20 sind eine informelle (nicht von der UN legitimierte) Ländergruppierung, die sich 1999 zusammenschloss. Sie besteht aus 19 Industrie- und Schwellenländern plus der EU. Zuerst trafen sich nur die Finanzminister und Chefs der Zentralbanken, aber seit 2008 treffen sich auch die Staatsoberhäupter mind. einmal jährlich um (leider) vor allem über Wirtschaft zu reden. Die G20 werden von Vielen als Nachfolgegruppierung der G8 angesehen weil mehr Länder repräsentiert sind und diese über 80 Prozent des Weltsozialprodukts erwirtschaften. Armutsbekämpfung ist kein ständiger Agenda-Punkt, das sollte sich ändern!

Was hat G20 mit Armut zu tun?

Eine sehr gute Frage und eine ganz einfache Tatsache: Mehr als die Hälfte der 1,3 Milliarden Menschen, die am Tag mit weniger als einem Euro auskommen müssen, leben in G20-Ländern! Armutsbekämpfung bedeutet also für die G20 nichts weiter als das eigene Haus in Ordnung zu bekommen.

Wieso ist die Verkuppelung von G20 und Armut wichtig?

Ganz einfach, weil die G20 wirklich viel gegen Armut tun können! Mehr als die Hälfte aller armer Menschen der Welt leben in G20 Ländern. Zum Beispiel: ca. 2 der weltweit mehr als 7,5 Millionen Kinder die 2010 vor ihrem 5. Lebensjahr an leicht behandelbaren oder vermeidbaren Krankheiten sterben, lebten in Indien. Dieses Land kann – zusammen bin anderen G20 Partnerländern – so viel gegen Armut von Kindern, Gesundheit von Müttern und Babies und für die Bildung der heranwachsenden Generation tun. Dazu sollten wir die G20 auffordern! Wir leben schließlich auch in einem G20 Land.

Gesunde Kinder, gesunde Mütter - Voraussetzung für nachhaltige Armutsbekämpfung

Gesunde Kinder, gesunde Mütter - Voraussetzung für nachhaltige Armutsbekämpfung

Gegen Hunger, Durst, Armut und Unwissenheit sollten die G20 etwas unternehmen!

Dem kann ich nur zustimmen! 42 Prozent aller unterernährten Kinder leben in G20 Ländern. Also – anders als bei den G8 – wird hier nicht über sondern mit Ländern verhandelt die teilweise schwer unter Armut leiden. Wir sollten unsere Politiker dazu anhalten am Verhandlungstisch nicht den Mund zu halten sondern zu Fürsprechern für die Ärmsten zu werden! Wenn du willst kannst du genau das hier tun: www.gesunde-kinder-weltweit.de

Warum nehmen die Politiker aller G20 Staaten hin, dass u. a. ihre Banken riesige landwirtschaftliche Flächen in Drittweltländen erwerben und kleine, dort seit Generationen angestammte Landwirte vertreiben und damit die regionale Versorgung der Bevölkerung unmöglich machen? Warum unternehmen die Politiker nichts gegen Börsenspekulation mit Getreide und Grundnahrungsmitteln?

Herzlichen Dank für Ihre Frage, die ich natürlich leider nicht ausreichend beantworten kann. Wir denken aber auf ein und derselben Linie und mir fällt es auch sehr schwer auf der einen Seite die Beteuerungen der Entwicklungspolitiker ernst zu nehmen, die ja immer wieder sagen sie seien an Partnerschaft mit Entwicklungsländern und an nachhaltiger Armutsbekämpfung interessiert. Auf der anderen Seite aber schaffen sie es nicht, Landgrabbing einen effektiven Riegel vor zu schieben…

Allerdings empfinde ich mich auch als mündiger Bürger und ich habe das Recht meiner Bundestagsvertretung Arbeitsaufträge zu geben. Dies habe ich zum Beispiel mit der E-Mail-Aktion von World Vision gemacht (www.gesunde-kinder-weltweit.de), und die Politiker meines Wahlkreises aufgefordert, mehr im Bundestag für Kinder in der ärmeren Welt zu tun.

Ernährungssicherung war eines der wichtigen Themen, die World Vision auf dem G20 Treffen vorangetrieben hat

Ernährungssicherung war eines der wichtigen Themen, die World Vision auf dem G20 Treffen vorangetrieben hat

 

Warum sind die Politiker weder Willens noch in der Lage, das allmächtige Finanzkapital in die Schranken zu weisen?

Ich reagiere gern auf Ihre – verständliche – Frustration. Ja, wenn man bedenkt, dass eine Finanztransaktionssteuer zur Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit sich im Bereich von vielleicht 5 Pro-Mille bewegt, und was das schon an Diskussionen hervorruft, da möchte man schon manchmal das Vertrauen in unsere VertreterInnen im Bundestag verlieren. Aber immer wieder begegnen mir auch in Gesprächen mit Mitgliedern des Parlamentes mutige Stimmen in allen Parteien, die keine Angst haben, die unbequeme Wahrheit auszusprechen.

So verstehe ich unsere Email-Aktion an die Wahlkreis-MdB eben auch als eine Art Empowerment der Hinterbänkler sich für die Armutsbekämpfung ein zu setzen:

http://www.worldvision.de/unterstuetzen-ihre-stimme-hilft-gesunde-kinder-weltweit.php

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