Milliarden für Banken – die Armen werden vergessen?

Den Armen die kalte Schulter zeigen? Der G20 Gipfel in Mexiko wird von der Eurokrise bestimmt.

Den Armen die kalte Schulter zeigen? Der G20 Gipfel in Mexiko wird von der Eurokrise bestimmt.

Silvia Holten ist für World Vision beim G20 Gipfel in Mexiko. Hier schildert sie ihre Erwartungen und Eindrücke zum Beginn des Treffens:

Nach 20 Stunden Anreise habe ich es geschafft – ich bin in Los Cabos, an der West-Küste Mexikos. Das Medienzentrum liegt wie üblich wunderschön in einem großen Hotel direkt am Meer. Es ist verständlich, dass die Ausrichter des Gipfels die schönsten Seiten ihres Landes zeigen wollen. Dabei gibt es in Mexiko genug Probleme, wie beispielsweise in Tijuana. Tausende Mexikaner und Flüchtlinge aus anderen südamerikanischen Ländern, die versuchen, über die Grenze in die USA zu gelangen, stranden dort jedes Jahr und hausen unter primitivsten Bedingungen.

Ihre Verschläge bauen sie aus Holzabfällen und Plastiktüten, die sie auf den Straßen finden. Es gibt kein sauberes Trinkwasser und die Familien haben kaum Chancen, der Armut zu entkommen. Ihre Kinder haben keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und laufen Gefahr in einen Kreislauf aus Armut, Gewalt und Drogenkonsum zu geraten.

Es gibt ein Menschenrecht auf angemessene Ernährung. Dieses Recht wird seit Jahrzehnten massiv verletzt. Fast eine Milliarde Menschen gehen jeden Tag hungrig ins Bett. Etwa 170 Millionen Kinder sind durch mangelhafte Ernährung in ihrer Entwicklung so geschwächt, dass sie ihr Leben lang unter den Folgen zu leiden haben. Daher sind die G20 Länder, die die mächtigsten und reichsten Staaten der Welt repräsentieren, verpflichtet, sich dieses Themas anzunehmen!

Mehr als die Hälfte der Menschen, die von einem Dollar am Tag leben müssen, leben in G20 Ländern. Daher betrifft die weltweite Nahrungsmittelkrise einige der Länder, die hier in Los Cabos am Tisch sitzen, ganz besonders. Wenn die G20 auf Dauer ein legitimes Gremium sein möchten, müssen sie sich auch mit den Problemen der ärmsten Länder der Welt befassen. Vertreter dieser Länder sollten daher einen Platz am Tisch der G20 bekommen.

Die Finanzkrise ist von den reichsten Ländern verursacht worden, aber die ärmsten Länder der Welt tragen die Hauptlast. Dazu sind sie nicht in der Lage. Allein in der Sahel-Zone gibt es derzeit eine dramatische Hungersnot, von der rund 18 Millionen Menschen betroffen sind. Hier geht es um Leben oder Sterben. Ich bestreite nicht, dass die Euro-Krise große Aufmerksamkeit braucht. Hunderte Milliarden Euros sind schon geflossen für die Lösung der Probleme. Um Unter- und Mangelernährung zu bekämpfen, brauchen wir 11,8 Milliarden USD. Peanuts im Vergleich zu den Milliarden, die für die Finanzkrise ständig auf den Tisch gelegt werden.

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