Rio+20: Zukunft, die wir wollen?

Weltweit steigt die Zahl der Klimaflüchtlinge

Weltweit steigt die Zahl der Klimaflüchtlinge

Die Abschlusserklärung von Rio+20 ist ein Dokument der politischen Erkenntnisfähigkeit bei gleichzeitiger Verhaltensstarre. Mehr nicht. Ein Kommentar von Dirk Bathe:

“Die Beseitigung der Armut ist die größte globale Herausforderung, vor der die Welt heute steht, und unverzichtbare Bedingung für nachhaltige Entwicklung.” Das ist ein toller Satz – er könnte so ohne Abstriche wohl von jedem unterschrieben werden. Und genau deswegen ist er so auch formuliert in der Abschlusserklärung des UNO-Gipfels für Nachhaltigkeit, besser bekannt unter Rio+20, zu finden. Damit jeder der beteiligten Staaten damit leben kann. Und niemand etwas Konkretes tun muss. Denn wie die Armut beseitigt werden soll, wer dafür verantwortlich ist, bis wann das geschehen soll und – vor allem – womit die Armutsbekämpfung finanziert wird – das bleibt offen.

Ohne Vorgaben wird nichts geschehen

Das sind keine Faktoren, die man vernachlässigen kann. Denn ohne klare Vorgaben, ohne Fristen und ohne Finanzierungszusagen wird nichts geschehen. Und die Erklärung bleibt in der wohlklingenden verbalen Watte: Ein klimafreundliches Wirtschaftsmodell soll auf den Weg gebracht werden, der Verbrauch von Öl, Kohle und Gas soll sinken, dafür ein Prozess zur Entwicklung von Nachhaltigkeit angeschoben werden.

Absichten kosten nichts

Jemand dagegen? Nein, denn Absichten kosten nichts, außer ein paar warmen Worten. Der Nachhaltigkeitsgipfel in Rio war vor 20 Jahren ein Wendepunkt in der Klimapolitik. Damals hatten sich die teilnehmenden Staaten erstmals dazu bekannt, dass es mit der gnadenlosen Verschwendung natürlicher Ressourcen nicht mehr weiter gehen durfte. Dass klare Klimaziele festgeschrieben und erreicht werden müssen, will man Klimakatastrophen globalen Ausmaßes verhindern. In den vergangenen 20 Jahren sind die hehren Ziele jährlich erneuert worden, freilich ohne klare Vorgaben. Im Grunde ist die globale Politik in den vergangenen 20 Jahren nicht von der Stelle gekommen – schlimmer noch, sie ist hinter ihren ursprünglichen Anspruch von 1992 zurück gefallen. Und deshalb wäre es treffender statt von Rio+20 eher von Rio-20 zu sprechen.

Arme müssen Klimasuppe auslöffeln

Zynisch wird es gerade im Bereich Armutsbekämpfung. Die Klimasuppe auslöffeln müssen vor allem die armen Länder – die am wenigstens zum CO2-Anstieg beigetragen haben. Allein in Westafrika gab es in den vergangenen acht Jahren drei verheerende Dürren. In Pakistan und anderen Teilen Asiens nehmen Überflutungen immer schlimmere Ausmaße an. Und deswegen muss der Satz der Abschlusserklärung auch umgekehrt werden: Nachhaltige Entwicklung ist unabdingbare Voraussetzung für die Beseitigung der Armut.

Doch diese Erklärung der guten Absichten und der fehlenden Taten läßt den Willen zur Umgestaltung der Welt nicht erkennen. Und deshalb geht es auch nicht, wie im Titel der Abschlusserklärung behauptet um eine „Zukunft, die wir wollen“ sondern um eine „Zukunft, für die wir keine Verantwortung übernehmen wollen“.

Tags: Armut, Klima, Rio

1 Kommentar

  1. 123energie, 29. Juni 2012

    Wir sind auch enttäuscht über den Ausgang dieses eigentlich so wichtigen Events. Die Entscheidungsträger, die wirklich etwas hätten bewirken können, waren leider erst gar nicht vor Ort. Vielleicht ist es da auch nicht verwunderlich, dass keine neuen bahnbrechenden Ideen zutage gefördert wurden.

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