Die Flüchtlingskinder aus Syrien brauchen mehr als Nahrung!

Mahmoud im Kinderzentrum im Libanon

von Patricia Mouamar

Mahmoud hat seine Sprache verbessert. Nicht seine Muttersprache Arabisch, auch keine andere Sprache. Es ist die Sprache von Gewalt und Krieg.

Blut, Verletzungen, Schüsse, Erste Hilfe, Bomben..all diese Wörter sollte ein 11 Jähriger nicht unbedingt in seinem Wortschatz haben. Mahmoud ist aus Syrien geflohen und in fast allen Gesprächen der letzten Zeit kamen diese Vokabeln vor. Eines Tages, vor wenigen Monaten, schickte ihn seine Mutter zum Brot holen. Er kam nicht bis zum Bäcker, weil er auf dem Weg dorthin in den Fuß geschossen wurde. „Vor mir wurde eine Kuh angeschossen und dann schoss man mir in den Fuß,“ erzählt er. „Am Anfang habe ich das gar nicht gespürt. Die Leute um mich herum schrieen, dass ich blute.“ Er wurde ein schwerer Weg zurück nach Hause für Mahmoud.

„Meine Kinder haben mich angefleht, endlich das Land zu verlassen,“ berichtet Mahmouds Mutter. „Die Situation wurde katastrophal und ein Leben hier unmöglich. Wir hielten aus, bis es nicht mehr ging. Die Kinder waren arg verängstigt. Ihre Köpfe waren von Pilz befallen und ihre Haare fielen teilweise aus.“

Mahmouds Familie flohen aus ihrer Heimatstadt und retten sich in den benachbarten Libanon. Sie mussten alles zurück lassen. Nur ihr Leben und die Kleidung, die sie an dem Tag ihrer Flucht trugen, konnten sie behalten. „Wir haben Syrien unter starken Bombardement verlassen. Im Libanon angekommen, mussten wir mehrfach die Unterkunft wechseln, bis wir hier (in einem Lager in der Beeka Ebene) uns vorläufig einrichten konnten,“ erzählt Mahmouds Mutter. Ihre bescheidene Unterkunft teilen sie sich mit einer weiteren Flüchtlingsfamilie. Viel haben sie nicht: Ein paar Matratzen auf dem Boden, ein Ventilator der gegen die Hitze der Bekaa-Ebene anpustet und ein alter Fernseher, der sie mit Neuigkeiten aus der Heimat versorgt.

Ihr Überleben ist gesichert. Von World Vision und seinen Partnern bekommen sie monatlich Unterstützung. World Vision hilft den Flüchtlingen, besonders in der Region von Zentral- und West-Bekaa. Hier ist World Vision bereits seit zehn Jahren mit nachhaltigen Projekten aktiv. Bereits im März haben World Vision Mitarbeiter mit der Verteilung von Hygieneartikeln für Kinder und Erwachsene begonnen.

Mahmoud, dessen Fuß noch nicht ausgeheilt ist, spricht über seine Schule, als ob er sein Gedächtnis verloren hätte. „Von welcher Schule sprechen Sie? Was für Freunde? Ich habe nichts mehr!” sagt er mit dem Sarkasmus der Erwachsenen.

Als sich jedoch die erste Möglichkeit bietet, etwas ähnliches wie eine Schule zu besuchen, nimmt er sie sofort wahr. Zweimal die Woche besucht Mahmoud das von World Vision eingerichtete Kinderzentrum. Hier kann er wieder mit Gleichaltrigen spielen, in einem sicheren, kinderfreundlichem Umfeld. „Es gefällt mir gut hier. Die Lehrer spielen mit uns und wir haben Spaß,” sagt Mahmoud.

„Wir schaffen ein Klima in dem Mahmoud und die anderen Kinder sich öffnen können. Diese Kinder haben traumatische Erfahrungen gesammelt. Mit unserer Unterstützung können sie sich darüber m it uns und untereinander austauschen,“ beschreibt Joelle Wakim, die Leiterin des Kinderzentrums ihre Arbeit.

Vier dieser Kinderzentren konnten in der Bekka-Region eingerichtet werden für die Kinder, die mit ihren Eltern vor der eskalierenden Gewalt in Syrien geflohen sind. 240 Kinder besuchen diese für sie sicheren Orte bislang. Ausgestattet sind sie mit Spielsachen und Lehrmaterial um den Kindern wieder eine Art Normalität zu geben.

Mahmouds Mutter ist von der Einrichtung überzeugt, „In der Straße in der wir wohnen, gibt es an die hundert Kinder. Die würden sich darüber freuen hierher kommen zu dürfen. Denn sonst bleibt ihnen nur auf der Straße zu spielen.“

Mit dem nahenden Beginn der Ferien am Ende des Ramadans, spüren alle Flüchtlinge, den Schmerz nicht mit ihren verwandten und Freunden zusammen sein zu können.

„Was haben diese Kinder getan, dass sie so leben müssen?“ Mahmouds Mutter kann nicht weiter sprechen, sie weint. „Der Libanon ist gut, aber zuhause ist und bleibt zuhause.“

Mahmouds Mutter

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