Syrische Flüchtlinge im Libanon: Vor allem die Kinder leiden

Ein Loch als Unterkunft - aber zumindest sicher

Ein Loch als Unterkunft - aber zumindest sicher

Zehntausende Menschen sind vor den Kämpfen in Syrien ins Nachbarland Libanon geflohen. Oft haben sie nichts weiter mitnehmen können als etwas Bargeld und die Sachen die sie auf dem Leib trugen. Besonders die Kinder leiden unter den Erfahrungen, die sie in Syrien und während der Flucht machen mussten. Das Internationale Kinderhilfswerk World Vision kümmert sich um viele der syrischen Flüchtlinge im Libanon. Einer der Helfer ist Marc-Andrè Hensel. Das Schicksal der Flüchtlinge hat ihn tief berührt:

„Vor allem die Kinder kommen mit den Erfahrungen, die sie während der Flucht machen mussten nur schwer zu recht. Einige von ihnen mussten den Tod von Freunden oder Verwandten mit ansehen, sie selber haben Todesangst erlebt. Auch der Verlust des Zuhauses hat sie geprägt. Auf der Flucht und auch hier im Libanon ist Alltag nicht möglich, kein Schulbesuch, kein Spiel mit den vertrauten Freunden. Mit unseren „Child Friendly Spaces“, den Kinderschutzzentren, die wir aufgebaut oder in bestehenden Häusern eingerichtet haben, können wir die Situation für die Kinder zumindest etwas erleichtern. Hier werden sie betreut, sie kommen zur Ruhe, sie spielen und lernen. Etwa 240 Kinder kommen in die vier Zentren jeden Tag und es werden noch mehr. Die libanesische Regierung will die Kinder nach dem Ende der Ferien in bestehende Schulen schicken, ob das klappt ist aber noch offen.

Hohe Mieten für ärmliche Unterkünfte

Einige der Flüchtlingsfamilien berichten, dass sie von den Libanesen sehr freundlich aufgenommen wurden. Andere erleben Misstrauen oder sogar offener Ablehnung. Flüchtlingslager im klassischen Sinne gibt es nicht, die Regierung will das nicht zulassen. Stattdessen verteilen sich die Flüchtlinge auf mehrere Regionen im Libanon, sie müssen auch selber sehen, wo sie Unterschlupf finden können. Das nutzen manche Libanesen aus und vermieten selbst unzumutbare Räume für horrende Mietpreise. Wir verteilen an diese Menschen Hygienesets, sie erhalten auch Food-Vouchers, eine Art Lebensmittelkarte, mit der sie Nahrung einkaufen können. Manche Hilfsorganisationen haben sich schon aus den Hilfsmaßnahmen zurückgezogen, weil ihnen das Geld ausgegangen ist. Auch wir von World Vision sind dringend auf Spenden für die Flüchtlinge angewiesen.

Gefährliche Arbeit für die Helfer

Die Menschen hier sind durch ihre Erlebnisse in Syrien und auf der Flucht voller Misstrauen. Das macht auch für uns die Arbeit manchmal sehr schwer. Es gibt immer wieder Vorwürfe, dass nur bestimmten Flüchtlingen geholfen werde. Oder auch Drohungen, dass Bewaffnete kommen und die Hilfsgüter rauben würden, wenn wir diese nicht an bestimmte Gruppen gäben. Aber davon lassen wir uns nicht beeindrucken. Von uns wird jedem geholfen, egal ob er Alawit ist oder Sunnit oder Christ. Das Wohl der Kinder steht im Vordergrund.“

Hier erfahren Sie mehr und können online spenden

2 Kommentare

  1. Hanna, 11. Oktober 2012

    Hallo liebe Mitarbeiter von WorldVision,

    erst ein Mal Respekt für eure Arbeit und euren herzensguten Einsatz!

    Meine Frage, besteht die Möglichkeit auch selbst vor Ort anzupacken und zu helfen ??

    Herzliche Grüße
    Hanna

  2. Friedrich, 4. Januar 2013

    Hannas Frage bescäftigt mich ebenfalls schon seit einiger Zeit.
    Es ist wirklich sehr schwierig Informationen über wirklich aktive Hilfe zu finden.

    Danke für die Antwort.

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