Rebound-Erfolge: Schritte in die Selbständigkeit – Teil 1

Ein Jahr nach der Kongo-Reise mit Wolfgang Niedecken zur offiziellen Eröffnung des Rebound-Zentrums, in dem ehemalige Kindersoldaten und kriegstraumatisierte Jugendliche eine Chance zu einem Neuanfang bekommen, ist Anna Fenten, unsere Referentin für Humanitäre Hilfe, wieder in Beni. Das Projekt läuft trotz  Herausforderungen durch die neuen militärischen Auseinandersetzungn im Ostkongo weiter. Anna hat neben ihrer Planungsarbeit auch Ausschau nach einigen Jugendlichen, die ihre Ausbildung im Rebound-Zentrum abgeschlossen haben. In einer kleinen Serie erzählt sie, was aus ihnen geworden ist.

Rebound_Jonathan

Jonathan, Elvis und Kombi haben eine eigene Schreinerei eröffnet

Der 16 jährige Jonathan, den wir zusammen mit Wolfgang Niedecken im Oktober 2011 im Rebound Center und anschließend bei seiner Gastfamilie besucht haben, hat seine Schreiner_Ausbildung im Rebound Zentrum erfolgreich abgeschlossen.

Zusammen mit seinen Freunden Elvis und Kombi, die er im Rebound Zentrum kennengelernt hat, hat er eine eigene Schreinerei in Beni eröffnet. Ihr ehemaliger Lehrer, Erick, unterstützt die Kinder. Die Familie von Kombi hat ihnen ein kleines Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem sie sich selbst eine kleine Schreinerei gezimmert haben. Der Bürgermeister von Beni hat die Schreinerei für ein Jahr von der Steuer befreit.

„Von meinem ersten Verdienst habe ich mir eine eigene Matratze gekauft. Ich hatte noch nie eine eigene Matratze!“ erzählt uns Jonas stolz. 70 Dollar (ca. 65 EUR) habe sie gekostet. Das ist eine Menge Geld für einen Jungen, der noch vor eineinhalb Jahren sich als Kindersoldat sein Essen stehlen musste. Mit 12 Jahren war er erst von seiner eigenen Familie vertrieben worden, weil die Eltern sich trennten und der neue Mann der Mutter die Kinder nicht mitversorgen konnte.

Jonathan schlug sich erst auf der Straße durch, bis er eines Nachts von den Mai-Mai Rebellen gefasst und als Kindersoldat missbraucht wurde. Gegen seinen Willen musste er ganze Dörfer überfallen und plündern und Gewalt ausüben. Sein 2. Fluchtversuch war erfolgreich und brachte ihn nach Beni ins Rebound Projekt.

Jonas lebt noch in seiner Gastfamilie, aber seine Kleidung und alltäglichen Gebrauchsgegenstände kauft er sich nun selbst. Auch für seine Gastfamilie kann er nun einen Beitrag zu den Mahlzeiten leisten. Mittelfristig möchte Jonas jedoch ausziehen: „Ich möchte nun mein eigenes Leben führen“ sagt er.

Gemeinsam mit Kombi und Elvis haben die drei sich eine elektrische Kreissäge gekauft. Strom haben sie in ihrer Schreinerei zwar noch nicht, sie mieten diesen; aber auch das ist eins ihrer gemeinsamen Ziele. „Wir möchten mehr verdienen, um uns weitere Maschinen für unsere Schreinerei anschaffen zu können“ sagt Kombi. 138 Fenster für eine neue Schule haben sie im letzten Monat gebaut. Die Auftragslage ist gut. Und auch mit den Nachbarn verstehen sie sich gut. „Manchmal teilen sie sogar ihr Essen mit uns“ sagt Elvis.

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