Erfolg eines Mädchens: Patenkinder aus Burundi verwandeln Sonderspenden in Obstbäume und Gemüsegärten

Orangenbäume sind bei den Kindern in Cankuso als Geschenk beliebt, seit sie durch die Schülerin Aline von deren Nutzen für ihre Gesundheit erfahren haben.

Orangenbäume sind bei den Kindern in Cankuso als Geschenk beliebt, seit sie durch die Schülerin Aline von deren Nutzen für ihre Gesundheit erfahren haben.

Trübes Wetter verlangt nach guten Nachrichten. Die kommen bei uns –tatsächlich – gerade aus Afrika. Nicht von einem Staatschef, sondern von Kindern und Jugendlichen aus Burundi, die sich sinnvolle Geschenke gewünscht haben.

Ein Mädchen zeigt’s den Erwachsenen

Aline Niyonkuru hat dem Hunger den Kampf angesagt. Mit 13 ist die Schülerin aus Burundi außerdem eine leidenschaftliche Beschützerin der Umwelt und führt eine grüne Jugendbewegung an. Sie hat in ihrer Heimat Cankuzo schon mehr Bäume gepflanzt als viele Erwachsene in ihrem Umfeld. Sie hat unbebaute Grundstücke ihres Dorfes in Gärten verwandelt und inzwischen tonnenweise Ananas, Maniok und Gartengemüse gepflanzt. Unermüdlich überzeugt sie andere davon, dass sie auch etwas tun müssen. Und erstaunlicherweise hört man auf sie.

Aline entstammt einer armen Kleinbauern-Familie und hat acht Geschwister, fünf Schwestern und drei Brüder. Wenn man sich mit ihr unterhält, ist ihr Gesichtsausdruck fast immer ernst. Sie erscheint schüchtern. Aber sie spricht klar und prägnant. „Die Welt ist ernst, deshalb müssen wir sie ernst nehmen”, erklärt Aline.

Am Gesundheitszustand der Kinder erkennt man die Probleme des Landes

In Burundi, wo Aline und ihre Familie leben, haben zwei von drei Menschen weniger als einem US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Hunger ist ein riesiges Problem und Unterernährung allzu üblich. Die Weltgesundheitsorganisation schreibt, dass “politische Instabilität, Unsicherheit, Gewalt und Migration der Produktion schaden, die Ernährung bedrohen und den Zugang zu und bzw. die Verfügbarkeit von grundlegenden Dienstleistungen verringern. All diese Faktoren haben wesentlich die Anfälligkeit der Bevölkerung verschärft, insbesondere der Kinder, die eine akute Unterernährungsrate von 6 bis 17,8 Prozent haben.”

Alines Familie kennt die bittere Realität hinter den Zahlen. Das jüngste Kind, 11 Jahre jünger als Aline, wäre fast daran gestorben. Leandre sei immer kränkelnd gewesen, sagt Aline, und er konnte mit 2 Jahren nicht mal krabbeln. Alle machten sich Sorgen, kannten aber die Ursache nicht. “Wir waren verzweifelt, wir hatten aufgegeben, weil Leandre mit zwei Jahren aussah wie ein 6 Monate altes Kind,” erinnert sich Mutter Isabelle.

Nachbarn, die dies bemerkten und sich ehrenamtlich im Entwicklungsprojekt von World Vision engagierten, schlugen vor, Leandre zur Behandlung durch das Ernährungsprogramm FARN zu bringen. Mutter Isabelle, von der vielen Haus-und Feldarbeit überlastet, bat Aline darum, den kleinen Bruder zu den Behandlungsterminen zu begleiten. Während dieser Termine lernte das Mädchen viel.

Früchte erwiesen sich als wirksame Medizin

Bei Leandre ergab die Untersuchung, dass er tatsächlich mangelernährt war, also zu wenig und zu einseitige Nahrung bekommen hatte. Er wurde sofort ins Programm aufgenommen und dann begann die Therapie. Nach 12 Tagen hatte das Kind bereits 600 Gramm Gewicht zugelegt.

“Bei den FARN-Sitzungen ist mir aufgefallen, dass sie [die Mitarbeiter] Leandre vor allem zu essen gegeben haben“, sagt Aline. „Sie fütterten ihn zum Beispiel viel mit Früchten und erklärten mir die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung. Seit dieser Zeit habe ich beschlossen, Obst anzupflanzen und habe genau die Sorten angepflanzt, die sie meinem Bruder als Medizin gegeben haben. Ich wusste bis dahin nicht, dass mein Bruder so krank war, weil ihm die gesunde Nahrung fehlte, ” erklärt Aline weiter.

Alines Mutter hat keinen Zweifel daran, dass das Ernährungsprogramm und die Aktivitäten von Aline ihrem jüngsten Sohn das Leben gerettet haben. “Gelobt sei Gott, er ist jetzt gesünder”, sagt Isabelle.

Jugendbewegung wird mit Saatgut und Schulungen unterstützt

Als Aline erst einmal mit dem Pflanzen begonnen hatte, war sie nicht mehr zu bremsen. Mit Unterstützung von World Vision pflanzte sie Avocados, Bananenstauden, Orangenbäume, Zitronen, Auberginen, Ananas, Kohl und Amaranth. Ihr nächstes Ziel war die Schule. Sie bat die Schulleitung, einen Hektar des Schulgeländes in einen Garten umzuwandeln und führt als Argument ins Feld, dass die geernteten Früchte ja als Lehrmaterial dienen können. Die Schule stimmte zu. Nun brauchte Aline Unterstützer und bezog ihre Freunde mit ein. Sie gründeten einen Verein.

Donatien Bigiraneza, der das Regionalentwicklungsprojekt Cankuzo leitet, freut sich darüber, „dass Alines Idee eine grüne Bewegung unter Jugendlichen in ihrer Gemeinschaft ausgelöst hat.“ World Vision stellte Saat-und Pflanzgut zur Verfügung und bot Schulungen für die Clubmitglieder an. So lernte die Gruppe neben Gartenbau, wie man die Umwelt durch das Pflanzen von Bäumen oder bestimmten Grassorten schützen kann.

Inzwischen gehören 40 Kinder und Jugendliche dem Verein an. Gateka Marie-Grace, acht Jahre alt, und Schadrack Niyonkuru, neun Jahre alt, besuchen die Mugozi-Grundschule. Sie gehören zu den Clubmitgliedern. Sie erzählen, sie hätten beschlossen beizutreten, als sie sahen wie schön der Garten an ihrer Schule wurde.

“Am Anfang dachten wir, die Kinder wollten die ihnen bekannten Bäume pflanzen, vor allem um Holz zu machen, aber alle Kinder haben nach Obstbäumen gefragt. Sie sagten, ihre Klassenkameradin Aline habe ihnen dazu geraten”, berichtet Leonard Kameca, ein von World Vision eingesetzter einheimischer Berater für Gemeindeentwicklung.

Patenkinder wünschen sich Obstbäume

Philbert Nzisabira ist ein Vater von drei Kindern, der ebenfalls im Projektgebiet wohnt. Er erzählt, sein neun Jahre alte Sohn Cedric Muco habe auch damit begonnen Obstbäume zu pflanzen. “Erstaunlich finde ich, dass auch sein jüngerer Bruder Kevin, der in die gleiche Schule geht, nicht mehr wie früher Obst achtlos wegwirft. Die Jungen sagen, sie seien von anderen Kindern aufgeklärt worden. Das haben wir als Eltern nicht geschafft. Meine Kinder haben früher Früchte gegessen, bevor sie reif waren, und sie dann ausgespuckt. Diese Sensibilisierung hat uns sehr geholfen“, fasst Philbert zusammen.

Auch die World Vision-Mitarbeiter haben Grund zum Staunen – kommt es doch tatsächlich immer wieder vor, dass Patenkinder, die eine Sonderspende von ihren Paten erhalten, das Geld in Obstbäumen und Gemüse investieren wollen. Die 11jährige Schülerin Melissa zum Beispiel entschied sich, als sie die Benachrichtigung über die Sonderspende erhielt, den Speiseplan zuhause mit einer neuen Gemüseart anzureichen. Sie entschied sich für Kohl.

Auf den Kohl gekommen

“Melissa hat ganz allein beschlossen Kohl anzubauen“, erzählt Melissas Vater. „Sie sagt, es gebe da eine Vereinigung, die Menschen davon abbringen will Bäume abzuholen und die die Natur schützen will. Unsere Tochter sagt auch, Obst und Gemüse seien gut für die Gesundheit der Menschen. Es war nicht unsere Gewohnheit, Obst und Gemüse anzubauen, aber wir haben verstanden, dass wir Überschüsse verkaufen und dadurch Schulbücher bezahlen können. Es ist ein gutes Projekt.“

Patenkind Melissa zeigt stolz ihre eigene Kohlernte. Mit dem Gemüse kann die Familie sogar die Schulbildung ihrer Kinder mit finanzieren.

Ohne Aline zu kennen, würde man nicht vermuten, dass dieses Mädchen derart viel Einfluss haben kann. Doch weist ihre Mutter darauf hin, dass Aline viel Zeit damit verbringt, Mädchen und Jungen aus benachbarten Schulen anzusprechen. Nach der Schule ziehe sie oft direkt los. Und sie habe auch schon entfernte Familien erreicht.

Mutter Isabelle fürchtete anfangs, unter dem Engagement ihrer Tochter könnten die Schulleistungen leiden. Aber zu ihrer großen Überraschung bestand Aline im nationalen Test der Jahre 2011 und 2012, so dass sie zur weiterführenden Schule gehen kann. “Sie ist gut organisiert, obwohl sie noch jung ist. Sie findet Zeit zu studieren und die Zeit um neue Mitglieder für den Vereins zu rekrutieren. Sie sagt mir immer, dass sie viele Kinder zum Mitmachen braucht,“ versichert Isabelle.

Anerkennung und Lob der Kinder durch die Regierung

Das Engagement des Mädchens ist auch den zuständigen Beamten für Umweltschutz nicht entgangen. Leonidas Bambara, ein technischer Berater des nationalen Umweltinstituts (INECN), findet Alines Initiative ausgezeichnet. Er sagt, viele Erwachsene in Burundi hätten noch nicht verstanden, dass Ernährungssicherheit und Umweltschutz etwas miteinander zu tun haben und eine Gemeinschaftsaufgabe sind. Jedes Jahr würden in Alines Heimat Cankuzo mehrere Hektar Wald durch Jäger abgebrannt, die das Wild aus ihren Verstecken aufscheuchen wollten.

Die Jugendlichen sehen ihre Umwelt mit anderen Augen und setzen sich für den Schutz der Bäume ein, die in Burundi leider noch oft abgebrannt werden.

Leonidas glaubt, dass Burundi mit Hilfe der jungen Generation die Probleme besser angehen könne. Er räumt ein, dass Erwachsene es lange versäumt hätten ihre Umwelt zu schützen. „Ein burundisches Sprichwort sagt: ‚igiti kigororwa ki kiri Gito ‘ – es ist besser einen Baum gerade zu richten, wenn er noch jung ist.

Das Interesse Alines an ihrer Umwelt geht jedoch zurück auf die Lehren, die sie aus der Krankheit ihres Bruders gezogen hat: dass die Gesundheit auf einer ausgewogenen Ernährung beruht und man dafür Bäume und Pflanzen braucht, die wiederum auf einen guten Boden angewiesen sind.

Hintergrund:

Das FARN-Programm (Foyer d’Apprentissage et de Rehabilitation Nutritionnelle)hat zum Ziel, den Gesundheitszustand unterernährter Kleinkinder zu verbessern und durch Ernährungsberatung auch vorbeugend zu wirken. Die TeilnehmerInnen erhalten durch geschulte Freiwillige Tipps für geeignete Kochrezepte und bessere Hygiene, die sie dann bei Hausbesuchen in Übungen umsetzen. Der Ansatz geht davon aus, dass in jeder Gemeinde Ressourcen und Lösungen vorhanden sind. World Vision hilft der Gemeinde diese Lösungen zu entdecken, und es ist belegt, dass diese innerhalb der Gemeinschaft entstandenen Lösungen nachhaltiger das Verhalten ändern als solche, die man von außen bringt. Wie Ernährungsexperte Dr. Aristide Madagasha betont, ist bei Kindern aber die Zeit entscheidend. „In den ersten zwei Lebensjahren kann man noch viel ausgleichen, aber danach entstehen durch chronische Mangelernährung irreparable Schäden.“

So können auch Sie Fruchtbaumsetzlinge pflanzen:

 

http://www.worldvision.de/_formhandler.php?id=366&gift_id=49

 

Auf diese Weise unterstützen Sie diverse Wiederaufforstungsmaßnahmen oder helfen einer Familie, sich mit vitaminreichem Obst besser zu ernähren.

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