Lungenentzündung aktiv vorbeugen

Ein Gastbeitrag vom Direktor der Weltimpfallianz GAVI zum Welttag der Lungenentzündung, mit einer Einleitung von Marwin Meier,World Vision

Wer hätte gedacht, dass im Jahr 2012 noch 1 500 000 Kinder an einer so leicht zu behandelnden Krankheit wie der Lungenentzündung sterben. Der Welttag der Lungenentzündung soll genau daran erinnern und aufzeigen, dass es wirksame Möglichkeiten gibt, diesem größten aller Kinderkiller Einhalt zu gebieten. Bei einem Routinebesuch im World Vision Regionalprogramm Pinalito in Guatemala fanden Mitarbeiter die dreijährige María Sucely Diaz in einem schlechten Gesundheitszustand vor.

Die durch Lungenentzündung stark geschwächte Maria Sucely im Arm ihrer besorgten Mutter

Mit Erlaubnis der Eltern fuhren sie die geschwächte und hustende Maria ins nächste Regionalkrankenhaus, wo sie mit einer Kombination von Unternährung und einer Lungenentzündung diagnostiziert wurde. Sofort bekam sie die lebensrettenden Antibiotika und wurde über die nächsten Wochen wieder hochgepäppelt. Die Mutter erhielt von den World Vision Mitarbeitern eine umfassende Schulung in gesunder Ernährung und der Vorbeugung von Erkältungen und Lungenentzündung. Bald ging es der Kleinen sichtbar besser. Leider ist der Fall von Maria Sucely eher eine Ausnahme, denn nur 54% der erkrankten Kinder in Entwicklungsländern kommen in den Genuß von medizinischer Behandlung.

Dabei können wir Lungenentzündung aktiv vorbeugen. Allein das ausschließliche Stillen der Babies durch die Mutter senkt die Rate der kindlichen Lungenentzündung um 15 – 23%! Inzwischen gibt es sogar hochwirksame Impfstoffe gegen die wichtigsten Erreger, welche die Lungenentzündung auslösen. Impfungen gegen die Hib und Pneumokokken-Erreger senken die Erkrankungsrate sogar um 49%.

Aber gibt es ausreichend dieser Impfstoffe für die Kinder? Dieser Frage widmet sich in unserem heuten Gastbeitrag Seth Berkely, der Leiter der Weltimpfallianz GAVI:

Bevor es zu spät ist!

Die Finanzierung von Programmen zur Bekämpfung von Lungenentzündung muss sicher sein – Lungenentzündung ist weltweit die Haupttodesursache bei Kindern

Von Dr. Seth Berkley und Dr. Mathuram Santosham

Heute begeht die internationale Gemeinschaft den „Welttag zur Bekämpfung von Lungenentzündung“. Damit will sie auf diese weitgehend vermeidbare und behandelbare Krankheit aufmerksam machen, die Haupttodesursache von Kindern unter fünf Jahren. Etwa 1,3 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Lungenentzündung. Es gibt sichere, wirksame Impfstoffe, um Kinder vor den Haupterregern einer schweren Lungenentzündung zu schützen – aber viele der Kinder, die am meisten gefährdet sind, erreicht die Impfung noch nicht.

Für uns Ärzte ist es am Schlimmsten, wenn ein Kind im Gesundheitszentrum ankommt, für das jede Hilfe zu spät kommt. In Entwicklungsländern ist dies viel zu häufig bei jungen Patienten mit Lungenentzündung der Fall. Es bricht einem das Herz, die Kinder husten zu sehen, um Luft ringend, zitternd vor Fieber und Schmerzen in der Brust. Ärzte können Antibiotika und Sauerstoff verabreichen und diese Behandlungen retten vielen Kindern, die an bakterieller Lungenentzündung erkrankt sind, das Leben. Aber für viele andere Kinder kommen diese Behandlungen nicht rechtzeitig. Wir waren beide schon in der schrecklichen Situation, Babys an Lungenentzündung sterben zu sehen. Ebenso furchtbar ist es, die Trauer der Eltern mitzuerleben. Denn als Ärzte und Gesundheitsexperten wissen wir, dass es Mittel wie Impfungen gibt, die solche Tragödien verhindern können.

Zwar ist die medizinische Behandlung bei den häufigsten bakteriellen Lungenentzündungen erfolgreich. 99 Prozent der Todesfälle aufgrund von Lungenentzündung ereignen sich jedoch in Entwicklungsländern. Dort ist der Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt oder die Hilfe kommt zu spät. Gesundheitszentren sind oft weit weg, nicht zu erreichen oder nicht ausreichend ausgestattet, um die große Anzahl an Lungenentzündungsfällen zu bewältigen.

Uns ist bewusst, dass die Gesundheitssysteme insgesamt gestärkt werden müssen, damit alle Kinder Zugang zu Gesundheitsversorgung haben, sobald sie krank werden. Genauso deutlich wird aber auch, wie wichtig Prävention ist. Dazu gehören Impfungen – wie die gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Hib), aber auch gegen Keuchusten und Masern, denn sie verhindern, dass Kinder anfälliger für Lungenentzündung werden – genauso wie die Förderung von vollem Stillen und Händewaschen. Wenn wir Kinder vor Lungenentzündung schützen können, verhindern wir Todesfälle und viel Leid. Gleichzeitig senken wir die wirtschaftlichen und sozialen Kosten, die durch die Krankheit hervorgerufen werden.

Als Geschäftsführer von GAVI, einer öffentlich-privaten Partnerschaft, die Impfungen in Entwicklungsländer fördert, und als GAVI-Partner und Forscher an der Johns Hopkins Universität, der sich mit Zugang zu Impfungen in unterversorgten Gemeinden beschäftigt, kennen wir beide das Potenzial von Impfungen: Sie reduzieren Krankheitsfälle und verhindern Leid und Tod. Aus diesem Grund haben wir uns dem Ziel verschrieben, den Zugang zu diesen Impfungen für alle Kinder zu ermöglichen.

Seit GAVI mit ihrer Arbeit im Jahr 2000 begonnen hat, sind wir weit gekommen. Damals lag eine Verzögerung von 10 bis 20 Jahren zwischen der Einführung eines Impfstoffs in Industrieländern und in Entwicklungsländern. Dieses Problem sind wir mit der Hib-Impfung im Rahmen der Hib-Initiative angegangen.

Wir haben viel erreicht: Nach nur drei Jahren hatten 50 Prozent aller GAVI-Länder die Hib-Impfung eingeführt. Inzwischen sind es fast alle Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO wird dies über 600 000 Todesfälle verhindern. Und sogar in Ländern, die die Hib-Impfung nicht in ihr Standard-Impfprogramm aufgenommen haben, sind wir voran gekommen. So hat zum Beispiel Indien letztes Jahr in zwei Bundesstaaten begonnen, Kinder als Teil einer Kombinationsimpfung gegen Hib zu impfen.

Dank GAVIs innovativer Finanzierungsmechanismen konnten wir mit der Pneumokokken-Impfung sogar noch schnellere Fortschritte machen. Im Jahr 2010 war Nicaragua das erste Entwicklungsland, das einen neuen Impfstoff gegen Pneumokokken eingeführt hat – nur ein Jahr nach den Industrieländern.

Bis heute hat die Pneumokokken-Impfung 21 GAVI-Länder erreicht, zuletzt Pakistan, Kongo und Madagaskar. Wir sind auf dem Weg, unser Ziel zu erreichen, dass 50 Länder bis zum Jahr 2015 die Pneumokokken-Impfung in ihr Routine-Impfprogramm aufnehmen.

Wir sind unseren Gebern überall auf der Welt dankbar, dass sie GAVIs Bemühungen unterstützen. Und wir sind sehr zufrieden mit unseren Partnerländern, dass sie für die erfolgreiche Einführung neuer Impfstoffe sorgen. Auch wenn diese Erfolge der internationalen Gemeinschaft und den Partnern in Entwicklungsländern Grund zu Anerkennung und Freude sind, können wir noch nicht zufrieden sein.

Gleichberechtigter Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen ist ein Ziel der GAVI Alliance und wir wissen, dass noch immer Millionen Kinder nicht erreicht werden. Dies trifft nicht nur auf Impfstoffe zu, sondern ebenso auf andere Schutzmaßnahmen und lebensrettende Behandlungen. Wir haben die Mittel, um Lungenentzündungen zu verhindern und wir haben uns verpflichtet, alle Kinder erreichen.

Am heutigen Welttag zur Bekämpfung von Lungenentzündung erneuern wir unser Versprechen, die Impfraten zu steigern. In Industrieländern, wo die meisten Kinder Zugang zu Impfungen und Gesundheitsversorgung haben, ist nicht immer erkennbar, was für eine schwere Krankheit Lungenentzündung ist. Doch Lungenentzündungen können schwere Krankheiten und Tod mit sich bringen. Wir müssen dies als Ansporn verstehen, uns weiter dafür stark zu machen, den Schutz der Gesundheit von Kindern Kinder überall auf der Welt zu verbessern.

Dr. Seth Berkley ist der Geschäftsführer der GAVI Alliance sowie Gründer, früherer Präsident und Geschäftsführer der Internationalen AIDS-Impfstoff-Initiative (IAVI). Sein Medizinstudium absolvierte er an der Brown University sowie an der Harvard University.

Dr. Mathuram Santosham ist Professor für Kinderheilkunde und Internationale Gesundheit an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, Maryland, USA. Er leitet das Zentrum für Amerikanisch-Indianische Gesundheit (Center for American Indian Health) und das Internationale Zentrum für Mütter- und Neugeborenengesundheit (International Center for Maternal and Neonatal Health). Er ist zudem als Chefberater am Internationalen Zentrum für den Zugang zu I

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