Traineetagebuch 2. Teil: Geschichten von Kindern aus Vanuatu

Vanuatu 1

Ann-Kathrin, unser zweiter Trainee, ist derzeit in Vanuatu, einem Inselstaat und World Vision-Projektgebiet im Südpazifik. Anbei berichtet sie von Ihren Eindrücken innerhalb der ersten Arbeitswochen. Das Bild zeigt eine Gruppe Kinder mit selbstgemachten Handwasch

Vanuatu - Intensive Vorbereitung neuer World Vision-Projekte Mittlerweile bin ich schon zwei Monate in Vanuatu, und in unserem kleinen Büro in Port Vila gibt es zur Zeit sehr viel zu tun. Meine Kollegen und ich arbeiten momentan besonders daran, neue Projekte zu entwickeln. Um zu wissen, wie wir die Gemeinden in Zukunft am besten unterstützen können, haben sich meine Kollegen einige Monate vor meiner Ankunft mit Gemeindemitgliedern und den traditionellen Chiefs beraten.

Neben den Informationen aus erster Hand wurden viele Statistiken ausgewertet und  nun heißt es, daraus konkrete Projektvorschläge zu entwickeln. Gerade in der Anfangsphase bedeutet dies, dass man viel Zeit damit verbringt, Informationen zu sammeln und zu ordnen oder in Meetings mit den verschiedenen Ministerien, Regierungseinrichtungen und Nicht-Regierungsorganisationen ist, um dafür zu sorgen, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert und keine Überschneidungen stattfinden.

Daher verbringe ich momentan noch die meiste Zeit in Port Vila, der Hauptstadt von Vanuatu, und habe wenig direkten Kontakt zu unseren laufenden Projekten. Umso besser ist es, dass ich mir das Büro mit unserem Projektteam für frühkindliche Bildung und Entwicklung teile! Da gibt es zum Beispiel meine Kollegin Jenita, die in den Mittagspausen unermüdlich mit mir Bislama – eine der Amtssprachen in Vanuatu (siehe auch Artikel) – übt und mir davon erzählt, was sie bei der Arbeit mit den Gemeinden erlebt.

Inspirierende Geschichten von Kindern aus den Projekten

Neulich hat mir Jenita von einer besonders motivierenden Begegnung mit einem Jungen namens Kennydy erzählt. Er ist 13 Jahre alt und hatte seit seiner Kindheit mit einer Lernbehinderung zu kämpfen. Kennydy lebt auf einer kleinen Insel die nördlich von Efate gelegen ist. Hier gab es bislang keine Vorschulen oder Kindergärten, und auch keine Grundschule. Die nächste Vorschule befand sich auf der Hauptinsel Efate. Um dort hinzukommen muss man von Kennydys Insel aus ungefähr eine halbe Stunde mit dem Kanu rudern. Trotz seiner Behinderung hat Kennydys Vater ihn jeden Tag mit dem Kanu nach Efate gebracht, damit Kennedy zur Vorschule gehen konnte.

Viele Familien lassen ihre Kinder unter der Woche bei Familienmitgliedern auf der Hauptinsel, damit sie jeden Tag zur Schule gehen können. Kennydys Vater bemerkte jedoch, dass die besonderen Bedürfnisse von Kennydy eine zu große Belastung für seine Verwandten waren und holte ihn zurück nach Hause. Jeden Tag verbrachte er zwei Stunden damit zur Hauptinsel und zurück zu rudern. Auch als Kennydy wegen seiner Lernschwäche nicht wie seine Freunde von der Vorschule in die Grundschule wechseln konnte, hörte sein Vater trotzdem nicht auf, ihn jeden Tag zur Vorschule zu bringen.

2010 startete World Vision dann ein Projekt für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Kennydys Dorf.  Eine Vorschule wurde eröffnet und Eltern aus der Gemeinde wurden darin geschult, die Kinder zum Spielen und Lernen zu animieren. Kennydy ist der älteste Schüler hier und konnte bisher noch nicht in eine Grundschule wechseln. Aber jetzt kann er in seinem eigenen Tempo lernen; und vor allem geht Kennydy gern zur Vorschule und seine Lehrer akzeptieren ihn, wie er ist.

Am Tag, als die Vorschule eröffnet wurde, war Kennydys Vater den Tränen nah, berichtete er meiner Kollegin Jenita. Er ist sehr glücklich darüber, dass die Kinder nun die Gelegenheit haben, auf ihrer Insel zu lernen und sagt, dass die Gemeinde sehr dankbar ist, dass World Vision die Zukunft ihrer Kinder unterstützt.

Ausblick: Die erste Projektreise steht an!

Morgen reise ich endlich selbst in eines unserer Projektgebiete, auf die Insel Espiritu Santo, eine Flugstunde nördlich von Efate. Meine Aufgabe wird sein, mich mit unseren Mitarbeitern im Feld und Mitgliedern der Gemeinden treffen, um über unsere Pläne in Katastrophenvorsorge und Anpassung an den Klimawandel zu beraten. Letzteres ist eines der wichtigsten Themen für unsere Arbeit hier. Klimaveränderungen und immer häufiger auftretende Naturkatastrophen führen in Vanuatu, wie in vielen anderen Pazifikgemeinden, dazu, dass die eigene Lebensmittelproduktion der Familien betroffen ist und damit viele Kinder von Nahrungsunsicherheit bedroht sind – denn die Familien hier leben meist ausschließlich davon, was sie selbst anbauen.

Ich hoffe, dass meine Arbeit im Projektgebiet, wo World Vision in Zukunft aktiv sein wird, ein kleines Stück dazu beiträgt, dass ähnliche, inspirierende Geschichten wie die von Kennydy entstehen.

Bitte beachten Sie auch unseren zweiten Trainee-Artikel

 

Herzlichen Dank,

Ihr World Vision-Blogteam!

 

 

 

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