Von mongolischen Tänzen und Besuchen im Gemüseprojekt – ein Patenbericht aus der Mongolei

Petra, Wolfgang und Anna Zacheja haben ihr Patenkind Otgonjargal in der Mongolei besucht. Dabei konnten sie – neben dem eigentlichen Besuch bei der Familie – auch viel zur Lebens- und Anbauweise der Mongolen lernen. Und es wurden sogar Freundschaftsbänder getauscht, die an eine interessante Reise erinnern. World Vision sagt danke für den Bericht!

Wie alles begann

Im Jahre 2008 übernahmen wir die Patenschaft für ein damals dreijähriges Kind in der Mongolei aus der Region Zuunkharaa. Die Mongolei kannten wir, aber wie wir schnell feststellten, wussten wir von dem Land nicht sehr viel. Der Ort Zuunkharaa war uns unbekannt, und selbst in unserem alten Schulatlas war er nicht zu finden. Das Kind war ein kleines Mädchen mit dem Namen Otgonjargal. Im Gegensatz zu dem blauen Himmel und der strahlenden Sonne auf dem World Vision übersandten Foto, war ihr Blick ernst, fast traurig. Glücklicherweise wirkte das Kind nicht unterernährt, der Gesundheitszustand wurde in dem beigefügten Schreiben als zufriedenstellend, jedoch die Ernährungssituation als schlecht angegeben. Wir übernahmen die Patenschaft von World Vision gern und in der darauffolgenden Zeit kreisten unsere Gedanken und Gespräche oft um die Lebenssituation des mongolischen Kindes und seiner Familie.

Aktiver Briefkontakt und erste Informationen

Diese Gespräche wurden durch die alljährlichen von World Vision übersandten Entwicklungsberichte, jedoch insbesondere durch Briefe der Familie aus der Mongolei unterstützt. Wir erhielten große, bunte Umschläge mit fremdartigen Briefmarken, die der Briefträger einmal mit den erstaunten Worten kommentierte: “Ihr habt mal wieder Post, aus der.. Mongolei?” Ihm schien das wohl nicht ganz geheuer. Wir selbst fanden es natürlich sehr spannend, Briefe aus einem so fernen Land zu bekommen. Unsere Tochter durfte immer die Briefe öffnen und zumeist war auch ein Gemälde für sie von Otgonjargal dabei. Wir erfuhren, dass die Familie im sehr lang andauernden mongolischen Winter bei -30°C leben muss, Krankheiten und Schwierigkeiten seien im alltäglichen Leben normal. Aber auch die Aufnahme von Otgonjargal in den Kindergarten, ihre Fortschritte in der Entwicklung, ihre Hobbies Tanzen und Singen konnten wir in den Briefen nachverfolgen. Ihre Einschulung und der große Erfolg in der Schule wurden uns ebenfalls berichtet. Eine wirklich schöne Erfahrung!

“Kommt uns doch mal besuchen”

Irgendwann schrieb die Mutter am Ende eines Briefes ganz lapidar: “Kommt uns doch mal besuchen” Wir schrieben sofort zurück: “Nein, das geht nicht. Das ist viel zu teuer. Außerdem lebt ihr so weit weg von uns, das geht leider nicht.” Doch der Gedanke ließ uns nicht mehr los. Die Gespräche beim Abendessen gingen oftmals darum, wie man wohl dorthin kommt und wie es da so sein mag. Irgendwann tauchte auf einmal ein Reiseführer der Mongolei bei uns zu Hause auf. Welch ein Zufall. Wir kauften uns einen neuen Atlas, in welchem der Ort Zuunkharaa verzeichnet war. Wir machten uns auf die Suche. In diesem Jahr, 2012, fanden wir tatsächlich einen passenden Reiseveranstalter und wir erhielten von World Vision sowohl die Erlaubnis als auch die Unterstützung für den Besuch am vorletzten Tag unseres Aufenthalts in der Mongolei.

“Der Höhepunkt steht noch bevor”

Doch jetzt der Reihe nach: Zunächst hatten wir die Gelegenheit für fast drei Wochen das wunderschöne Land der Mongolen kennen zu lernen. Wir erlebten, wie hart das Leben der Nomaden oftmals ist, aber auch wie glücklich und zufrieden die Menschen sind. Allein diese Fahrt durch eine für uns fremde Weld wird für uns unvergesslich bleiben. Der Höhepunkt unserer Reise stand jedoch noch bevor: Der Besuch bei unserem Patenkind und dessen Familie. Am letzten Tag unserer Rückreise nach Deutschland wurden wir um 7.00 Uhr morgens von einer überaus freundlichen Mitarbeiterin namens Zaya und ihrem mongolischen Fahrer in unserem Hotel in der Hauptstadt Ulannbataar abgeholt. Das war auch gut so, denn eine Orientierung ist für uns Europäer in der Mongolei nicht ganz so einfach. Die Kosten für den Transfer übernahmen wir natürlich. Wir fuhren die 180 km von der Hauptstadt aus nach Zuunkharaa. Zu unserer Überraschung fuhren wir zunächst über eine asphaltierte Straße. So etwas waren wir gar nicht mehr gewohnt. Die Straße war jedoch mit Schlaglöchern übersät, ein schnelles Vorankommen war nicht einfach. Später ging die Straße dann in landestypische Schotterpisten und Sandwege über. Wir waren froh, als wir endlich die Stadt Zuunkharaa erblicken konnten.

Endlich da!

Unser erster Eindruck war, dass es wirklich toll aussah. Erwartet hatten wir ein Dörfchen mit Holzhäusern und Bretterzäunen. Wir sahen eine richtige Stadt in einem Talkessel, umrahmt von ringsum anliegenden Bergen. Auch in der Stadt selbst machte sich ein Bergrücken breit, der einem großen liegenden Löwen ähnelte. Unsere netten Begleiter von World Vision, mit denen wir uns schon richtig angefreundet hatten, brachten uns zu einem Steinhaus, welches den Namen “Kinderpalast” trug. Dazu muss man sagen, dass Steinhäuser in der Mongolei nicht üblich sind. Auf unser Nachfragen wurde uns mitgeteilt, dass dieses Haus erst neu erbaut wurde und das Kinderzentrum Zuunkharaa’s ist, welches ähnlich wie Jugendhäuser in Deutschland Lernmöglichkeiten und sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für Kinder und Jugendliche bietet.

Wir waren alle nervös, was jetzt passieren würde. Das Haus wirkte zwar von außen schön, aber leer. Wir überlegten uns, ob wir vielleicht zu früh angekommen sind, und wollten eintreten. Dazu kamen wir nicht, denn im nächsten Moment öffnete sich die Tür und es kam uns ein kleines Mädchen in festlicher Landestracht entgegen, in ihren Händen eine blaue Schärpe sowie eine große Schale Milch zu unserer Begrüßung. Es war Otgonjargal. Hinter ihr hatten sich die Mitarbeiter von World Vision und dem Kinderpalast, weitere Projektbeteiligte und natürlich ihre Mutter, Guundegma, versammelt. Es war ein überwältigender Empfang, die Herzlichkeit und die ehrliche Freude über unser Kommen prägten den gesamten restlichen Tag. Ein klein wenig kamen wir uns vor wie Frau Merkel, bei einem ihrer Besuche in einem anderen Land. Sehr beeindruckend. Und der Tag ging so weiter, nur für uns war ein Programm für den ganzen Tag entwickelt worden. So erhielten wir zunächst eine Übersicht über das was World Vision in Zuunkharaa macht, und was insgesamt in der Mongolei an Hilfsmaßnahmen von World Vision durchgeführt wird. Es war alles in Englisch übersetzt, sodass wir keine Sprachprobleme hatten. Nach dieser Einführung trat Otgonjargal mit ihrer Mutter mit mongolischen Tänzen und Balletttänzen auf. Diese Tänze hatte sie extra für uns noch bis zum frühen Morgen unseres Erreichens eingeübt, wie uns die Mutter erzählte. Wir waren überwältigt von ihrem Können.

Entdeckungstour durch Zuunkharaa

Anschließend hatten wir die Möglichkeit uns mit der Familie und Otgonjargal auszutauschen. Es entwickelte sich bereits eine echte Freundschaft zwischen unserer Tochter und Otgonjargal, sowie zwischen uns und der kleinen Familie. Mit unseren mitgebrachten kleinen Geschenken aus Deutschland machten wir den beiden ebenfalls eine kleine Freude. Später haben wir den Chor der “Blue Sky Children” aus Zuunkharaa genießen dürfen, welcher zum Anlass unseres Erscheinens auftrat. Auch dieser Chor ist ein Projekt von World Vision, um Kindern eine Freizeitmöglichkeit zu bieten. Auch der “Kinderpalast” bot verschiedene Projekte, welche wir kennenlernen durften. Beispielsweise gab es eine Computergruppe, sowie eine Englisch- und sogar Schachgruppe. Diesen Gruppen durfte jedes Kind beitreten. Gemeinsam mit unserem Patenkind, der Mutter und unserer netten Betreuerin und Dolmetscherin ging es dann zum “Shoppen”. Der Spielzeugladen im Ort erzeugte bei Otgonjargal leuchtende Augen. Eine kleine Puppenstube wechselte den Besitzer und wir hoffen, dass sie damit lange Freude hat und sich damit an ihre Freunde in Deutschland erinnert. Das Mittagessen fand mit der Familie und unserer Betreuerin Zaya im VIP-Raum des Restaurants Modern Nomads in Zuunkharaa statt. Die siebenjährige Otgonjargal war aufgrund der Aufregung und des Essens sehr müde, doch sie hielt sich tapfer. Sie wollte nichts von unserem Besuch verpassen, was für uns ebenfalls eine einzigartige Erfahrung war. Wir erlebten eine lachende, aufgeschlossene Siebenjährige, die nicht nur gesund sondern auch glücklich ist.

Ein Kind, dem nicht die Bildung verwehrt ist, und damit Möglichkeiten gegeben sind, das Leben selbst zu gestalten und bessere Lebenschancen zu erhalten. Kann es eine schönere Bestätigung geben als genau das selbst zu sehen und zu erleben, und dabei den kleinen Gedanken zu haben, selbst ein kleines Stück dazu beigetragen zu haben? Wohl kaum. Gemeinsam mit allen Beteiligten besuchten wir nach dem Essen ein Gemüseprojekt in Zuunkharaa. Gemüseprojekt hört sich für uns fast lustig an, doch für die Mongolen, deren Winter fast neun Monate lang anhält, ist dieses Projekt überlebenswichtig. Wir lernten wir bei sehr netten Gemüsefrauen, wie schwierig, aber auch wie wichtig es ist, den Gemüseanbau voranzutreiben, um die wichtigen Vitamine zu erhalten. Kurz: Hilfe zur Selbsthilfe. Wir hatten gehofft genau das mit eigenen Augen zu sehen. Wir durften von allem kosten, und alles hat uns geschmeckt. Als Dank hatten wir Freundschaftsbänder mitgebracht, die in kürzester Zeit an alle Gemüsefrauen verteilt waren.

Abschied von neuen Freunden

Als wir anschließend den Heiligen Berg besuchten, war es auch der gleichzeitige Abschied von Otgonjargal und Guundegma, von Zuunkharaa und den Mitarbeitern von World Vision. Allen standen die Tränen in den Augen – für einige wird dieser Tag wohl unvergesslich bleiben.

 

Auch begeistert? Falls Sie sich ebenfalls für eine Kinderpatenschaft interessieren, finden Sie hier weitere Informationen:

“Was eine Kinderpatenschaft bei World Vision ausmacht”

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft-was-eine-kinder-patenschaft-ausmacht.php

Freundliche Grüße,

Ihr World-Vision Blog-Team

2 Kommentare

  1. Sven Beier, 7. November 2012

    Ein Besuch bei dem Patenkid ist ein wunderschönes Erlebnis,es bereichert das eigene Leben.

  2. Sebastian Falkiewicz, 8. Februar 2014

    Finde ich eine tolle idee das es so etwas gibt und zur heutigen zeit möglich ist!!!
    Aber sollte man sich vorher um seinen eigenen Sohn kümmern bevor man so ein projekt startet??

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