Botschafter des Friedens – Kinder aus Syrien erzählen über ihre Erlebnisse als Flüchtlinge und wie wir helfen können

Angst und Unsicherheit der aus Syrien geflohenen Kinder sind das Thema eines neuen Berichts, den World Vision nach Befragungen von Kindern im Libanon veroffentlicht hat.

Angst und Unsicherheit der aus Syrien geflohenen Kinder sind das Thema eines neuen Berichts, den World Vision nach Befragungen von Kindern im Libanon veröffentlicht hat.

„Ich wünsche mir einfach Kleider. Meine sind alle verbrannt. Ich habe nur noch die Sachen, die ich gerade trage“. Die Worte der 12jährigen Hala und vieler anderer syrischer Kinder, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat fliehen mussten, stehen in scharfem Kontrast zur gemütlichen Weihnachtsstimmung in unseren Wohnzimmern. Andererseits passen sie zur Botschaft dieses Festes, das Christen dazu aufruft, Botschafter des Friedens zu sein. Für mich sind die Kinder oft die überzeugendsten Botschafter.

In dem gerade erschienen Bericht „Robbed of Childhood, Running from War“ lässt World Vision Mädchen und Jungen im Alter von 7-13 Jahren zu Wort kommen – stellvertretend für zehntausende Kinder aus Syrien, die im Nachbarland Libanon als geduldete, aber keineswegs überall willkommende Flüchtlinge leben. Es geht dem Kinderhilfswerk darum, diesen Kindern menschenwürdige Lebensbedingungen zu ermöglichen und zu zeigen, welche Bürde der Krieg ihnen auferlegt.
Manche Kinder berichten davon, dass sie ihre jüngeren Geschwister vor der beißenden Winterkälte und vor Hunger bewahren möchten. Sie teilen ihr Essen und bitten um warme Decken, denn eine Heizung gibt es in vielen Notunterkünften nicht. Familien, die als Flüchtlinge registriert sind, erhalten zwar Nahrung und Kleidung, aber viele Familien haben sich aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht registrieren lassen. Außerdem kommen jede Woche hunderte weiterer Flüchtlinge hinzu. World Vision ruft daher dringend zu Spenden auf, um weitere Familien mit Lebensmitteln, Winterkleidung, Decken, Öfen und Heizbrennstoff versorgen zu können. Rund 17.000 syrische Flüchtlinge haben in den vergangenen Monaten Hilfe durch World Vision und seine Partner erhalten – darunter das Auswärtige Amt und Aktion Deutschland Hilft. Rund 300 Kinder werden aktuell in Kinderschutzzentren mit Spiel- und Lernangeboten betreut.

Marc-André Hensel von World Vision (rechts im Bild) besucht gemeinsam mit dem stellvertretenden Leiter der Deutschen Botschaft im Libanon eine Flüchtlingsfamilie. Das Auswärtige Amt hat ein Nothilfe-Projekt gefördert.

 

Mit solchen Öfen können die Familien heizen und kochen.

 

Wie die Erzählungen der Mädchen und Jungen in dem Bericht zeigen, müssen wir uns auch um ihre Seelen-Nöte kümmern. Die meisten sind in Syrien Zeugen von Gewalt-und Terrorakten geworden. Das geht ihnen nach und sie erleben jetzt obendrein, dass die Erwachsenen fast täglich über den Krieg sprechen oder über die Situation in Syrien diskutieren. Wenn ihre Eltern oder Geschwister traurig sind, wollen sie sie trösten und ihnen Hoffnung machen. Dabei kämpfen sie selbst mit Gefühlen von Angst, Unsicherheit und Trauer. So berichtet die achtjährige Layla: „Ich sah meinen Cousin vor meinen Augen sterben und sehe diesen Moment immer wieder vor meinen Augen“. Der 10jährie Raed erschrickt bei jedem Gewitter oder Hochzeitsfeuerwerk. Ihn erinnern solche Geräusche an die Bomben, die auf seine Heimatstadt und seine Schule fielen.

Ein Geografie-Buch, das er aus Syrien mitnehmen konnte, ist Waels wertvollster Besitz.

Stark ist bei vielen natürlich auch die Sehnsucht, bald wieder nach Hause zu können. Umso mehr bei den Kindern, die nicht zur Schule gehen können. Nur etwa 20 Prozent der syrischen Kinder im Libanon besuchen derzeit die Schule, denn es gibt nicht genügend Plätze, sprachliche Hindernisse, und auch die Transportkosten können nicht alle Familien tragen. Mobbying durch andere Kinder treibt manche Jungen und Mädchen auch bald wieder aus der Schule heraus. So wird ihnen die Winterzeit in den beengten Wohnverhältnissen doppelt lang. „Ich will zurück nach Syrien, mein neues Kleid tragen und spielen, wenigstens einen Tag, auch wenn ich am nächsten Tag sterbe“, sagt die 7jährige Rama, die offensichtlich großes Heimweh hat.

„Es ist erschütternd, von Kindern solche Sätze und Geschichten zu hören“, meint Anita Delhaas-Van Dijk, Leiterin der World Vision-Programme im Libanon. „Viele Kinder leben unter unwürdigen Bedingungen in trostlosen, heruntergekommenen Gebäuden, in denen sie sich mit Plastik-Vorhängen gegen die Winterstürme schützen müssen. Doch für sie ist die Rückkehr in die Heimat, ein normaler Schulalltag mit Freunden und ein Gefühl von Sicherheit genauso wichtig wie Nahrung und Unterkunft.“ World Vision spricht in dem Bericht deshalb auch zu diesen Themen Empfehlungen aus und hofft, dass sie in der Öffentlichkeit und bei Gebern gehört werden.

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