Der Kongo und unsere Handys

Childrens Labour in Mining

Am 12. November lud das Hilfswerk missio gemeinsam mit dem Institut Südwind zu einer Fachtagung zu dem Thema.

Warum ist die Wertschöpfungskette eines Elektronikprodukts interessant für Organisationen, die Entwicklungszusammenarbeit leisten? Am Handy wird besonders deutlich sichtbar, was es heißt, in einer globalisierten Welt zu leben und wie Dinge, die wir alltäglich konsumieren ihren Anfang auf anderen Kontinenten nahmen - oftmals unter menschenunwürdigen Bedingungen. Sie haben direkt mit der Projektarbeit von World Vision vor Ort zu tun, da u.a. die Menschen betroffen sind, mit denen wir zusammenarbeiten. So etwa im Kongo, wo Coltan, eins der unerlässlichen Metalle im Handy, abgebaut wird.

Im Jahr 2011 wurden weltweit etwa 1,8 Milliarden Mobiltelefone verkauft. Jeder von uns besitzt mindestens ein Handy, in jedem Handy stecken ca. 40 verschiedene Metalle. Teile dieses Handys haben zuvor eine Reihe von Menschen auf verschiedenen Kontinenten in der Hand gehabt. So etwa das Kind, das als Kleinschürfer das Coltan im Kongo aus dem Boden geholt hat, der Schmuggler, der es illegal über die Grenze nach Ruanda gebracht hat, der Metall-Schmelzer in Malaysia, die Arbeiterin in China, der Programmierer, der Zwischenhändler, der Einzelhändler in Deutschland – und das sind nur einige. Es ist eine Kette, die für manche Metalle mitunter 19 Stufen umfasst.

Je weiter man die Stufen zurückverfolgt, desto schwieriger werden die Bedingungen, unter denen Menschen unsere Handy-Bestandteile produzieren. Coltan beispielsweise wird oft von Kindern im Kongo gewonnen, tausende Familien arbeiten als Kleinschürfer unter extrem gefährlichen und gesundheitsgefährdenden Bedingungen und verdienen so ihren Lebensunterhalt. Hinzu kommt, dass Gewinne aus Coltan-Handel und -Schmuggel Konflikte finanziert. Aber in der Öffentlichkeit ist das bisher kaum Thema. Bei den Eiern schauen wir schon mal auf das Bio-Siegel, aber bei Handys?

Auf der Fachtagung wurde gemeinsam mit Experten und dem kongolesischen Erzbischof Maroy, Menschenrechtspreisträger der Stadt Weimar, die Situation in den Rohstoffabbaugebieten in der DR Kongo und die damit verbundenen sozialen und ökologischen Probleme analysiert. Welche nationalen, regionalen und globalen Ansätze zur Schaffung von mehr Transparenz in der Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen gibt es bereits und wie können sie weiter verfolgt werden, um grundlegende menschenrechtliche Standards beim Abbau von Metallen zu sichern?

Zertifizierung von Minen und die Herstellung eines “Fingerabdrucks” jeder Mine ist eine Möglichkeit, Transparenz zu schaffen. Gesetzliche Regelungen bspw. der EU über eine Offenlegungspflicht von Unternehmen über die Einfuhr bestimmter Metalle sind eine andere Möglichkeit. Aber die Experten waren sich einig: Um eine nachhaltige Veränderung für die Menschen vor Ort zu erreichen und ökologische und soziale Standards durchzusetzen, müssen im Kongo sowohl der Staat als auch die Zivilgesellschaft gestärkt werden. Verlässliche staatliche Strukturen vor Ort sind unabdingbar um illegale Strukturen zu zerschlagen. Der Staat sollte etwa den Verkauf der Metalle besteuern und von den Steuereinnahmen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern. Um dies vom Staat einzufordern, ist wiederum eine starke Zivilgesellschaft nötig.

Aber auch eine Diskussion in Deutschland und Europa über dieses Thema ist wichtig. Eine Öffentlichkeit, die Transparenz beim Kauf von Handys einfordert, bringt Unternehmen und Politik dazu, Veränderungen herbeizuführen.

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