Welche Entwicklung für die Welt?

s120144-1, s120615-1, s120439-1 and s120290-1: Child Participation and Community Development Coming Along

Kinder sollen weltweit mehr Partizipationsmöglichkeiten erhalten, wie Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World-Vision, im Rahmen des Treffens mit Altbundespräsidenten Horst Köhler betont. Dabei geht es insbesondere um die Einflussnahme und Ideenfindung zu den sogenannten Post-Millenium Development Goals.

Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland, traf am 11. Dezember 2012 den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Dieser hatte deutsche Nichtregierungsorganisationen dazu eingeladen, ihre Position zur Entwicklungsagenda nach 2015 (Post-MDG-Debatte) darzulegen. Waffenschmidt machte sich im Gespräch stark für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Ausarbeitung der neuen Entwicklungsziele und für eine besondere Berücksichtigung von fragilen Staaten im neuen Zielkatalog. Hier können Sie seinen Bericht lesen.

Das Jahr 2015 ist die Frist, die sich die Vereinten Nationen gesetzt haben, acht selbst gesetzte globale Ziele zu erreichen, um die Entwicklung in Ländern des Südens zu fördern, die sogenannten Millennium-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals). 189 Staaten hatten sich verpflichtet, die Ziele umzusetzen. Doch die Frist wird Ende 2015 verstreichen und viele der Ziele konnten nicht erreicht werden. Je näher 2015 rückt, desto mehr Fahrt gewinnt nun die internationale Diskussion darüber, was den alten UN-Entwicklungszielen fehlte und wie man einen Entwicklungsrahmen nach 2015 gestalten könne.

Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler ist eine der 27 Persönlichkeiten, die den UN-Generalsekretär dabei unterstützen sollen, eine entwicklungspolitische Agenda für die Zeit nach 2015 zu entwerfen. Zu dem von ihm initiierten Treffen mit der deutschen Zivilgesellschaft am 11. Dezember waren neben Entwicklungsorganisationen auch Umweltverbände und Bildungsorganisationen anwesend.

Der Altbundespräsident machte im Gespräch zunächst deutlich, welche Schwerpunkte er in der hochrangig besetzten UN-Expertenrunde setzen will. Zum einen ist das die echte Ausgestaltung und Umsetzung des bisherigen 8. Entwicklungsziels – der globalen Partnerschaft. Zum anderen will er Impulse für nachhaltiges weltweites Wachstum schaffen, um den Hunderten Millionen von Jugendlichen eine sinnstiftende Arbeitsperspektive zu geben.

Dann ermutigte er die Teilnehmer, kühne und umsetzbare Forderungen zu erheben, denn nur auf solch eine Art und Weise sei es überhaupt möglich, gewisse Positionen erfolgreich in den Prozess einzuspielen.

Für uns als World Vision sind zwei Aspekte von zentraler Bedeutung. Zum einen habe ich darauf hingewiesen, dass Kinder und Jugendliche nicht in der Expertenkommission vertreten sind und sie folglich keine Stimme im Post2015 Prozess haben. Sie stellen in vielen Ländern die größte Bevölkerungsgruppe und müssen sich zur Entwicklung der Welt in den nächsten zwei Jahrzehnten äußern können und dürfen. Wir von World Vision sind uns sicher, dass die Welt ganz anders aussehen würde, bekäme die Menschheit im Alter bis 18/20 Jahre Stimme und Gehör.

Ein zweiter Punkt für uns, und eine immer größer werdende Herausforderung, ist die politische und wirtschaftliche Instabilität in vielen Regionen der Welt, hervorgerufen durch fragile Staaten. Gut 1,5 Milliarden Menschen leben in solchen Ländern, die durch zerrüttete Staatsorganisation und Staatsfinanzen, schlechte Regierungsführung und häufig auch tobende Bürgerkriege geschüttelt sind. Kinder und Jugendliche sind auch hier wieder stark betroffen, da sie einen Großteil der Bevölkerung in diesen Ländern ausmachen. Ein weltweite politische Zielsetzung für die Zeit nach 2015 muss diese Staaten in den Blick nehmen, weil von ihnen nicht nur regionale Gefahren ausgehen, sondern weil die Menschen immer weiter gegenüber der globalen Entwicklung zurückfallen und dadurch noch stärker von Armut und Ungerechtigkeit getroffen werden.

Einig waren sich alle Teilnehmer der Anhörung, dass die bisher nicht erfüllten Millenium-Entwicklungsziele – und das sind alle! – weiter verfolgt werden müssen. Sonst würde der einzige global abgestimmte Zielkatalog für Armutsbekämpfung und Erreichung von weltweiter Gerechtigkeit wegfallen. Einigkeit bestand auch in der Forderung, die Milleniumziele mit den im Sommer in Rio vorgestellten Nachhaltigkeitszielen (sustainable development goals) zu verknüpfen.

Horst Köhler zeigte sich angetan von dem Treffen. Seine Afrika-Verbundenheit und sein Herz für eine gerechte weltweite Entwicklung waren deutlich spürbar. Eventuell wird es ein weiteres Treffen geben, um den Austausch fortzusetzen.

Mehr über unsere Forderungen in den Bereichen Kleinkindergesundheit, fragile Staaten, Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und Bildung erfahren Sie in den nächsten Wochen in unserem Blog.

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