World Vision im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten: Der Konflikt im Ostkongo – kein Ende in Sicht?

Die 7jährige Amani* lebt mit ihrer Großmutter in einem Flüchtlingslager rund 50 Kilometer südlich von Goma. Da sie ihre Eltern verlor, muss sie auf einer Farm arbeiten, um für sich und die Großmutter Essen kaufen zu können. Das Mädchen fand Hilfe in einem Kinderschutzzentrum von World Vision, aber die neue Gewalteskalation zwingt die Helfer immer wieder zur Unterbrechung ihrer Arbeit.

*Name des Kindes geändert

Die 7jährige Amani* lebt mit ihrer Großmutter in einem Flüchtlingslager rund 50 Kilometer südlich von Goma. Da sie ihre Eltern verlor, muss sie auf einer Farm arbeiten, um für sich und die Großmutter Essen kaufen zu können. Das Mädchen fand Hilfe in einem Kinderschutzzentrum von World Vision, aber die neue Gewalteskalation zwingt die Helfer immer wieder zur Unterbrechung ihrer Arbeit.

Am 28. November war World Vision zu Gast im Bundestag, um über die Gründe für die aktuelle Konfliktsituation im Osten Kongos, über mögliche Lösungsansätze und über die Hilfsprogramme von World Vision vor Ort zu sprechen.

Anlass des Gesprächs war eine erneute Konflikteskalation im Osten der Republik Kongo: Am 20. November hatte die Rebellengruppierung M23 die Stadt Goma besetzt und mit dem Marsch auf die Hauptstadt Kinshasa gedroht, nachdem sich zuvor die kongolesische Regierung wiederholt geweigert hatte, Gespräche mit den Rebellen zu führen. Über 140.000 Menschen aus Goma und Umgebung sind seither auf der Flucht und suchen Schutz in den umliegenden Flüchtlingslagern, Schulen und Auffangstationen von Hilfsorganisationen. Insgesamt liegt die Zahl der Vertriebenen im Ostkongo mittlerweile bei über 2,4 Millionen Menschen, über 65% davon stammen aus der Region Nord- und Südkivu.Allerdings sind die M23 – benannt nach dem 23. März 2009, an dem eigentlich ein Friedensabkommen ausgehandelt worden war – längst nicht allein verantwortlich für den Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Weitere, zum Teil auch immer mal wieder die Seiten wechselnde Milizen, aber auch Soldaten der kongolesischen Armee, setzen mit militärischer Gewalt ihre Interessen durch und begehen dabei schwere Menschenrechtsverletzungen. Gewaltsame sexuelle Übergriffe wie auch systematische Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung. Bei Flucht und Vertreibung haben tausende Kinder bereits ihre Eltern verloren. Manche schließen sich aus Not den Soldaten an, andere werden zwangsrekrutiert.Die Vereinten Nationen schätzen die Anzahl der Kindersoldaten im Osten Kongos auf über 30.000.

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo verfügt über reiche Rohstoffvorkommen. Den Nachbarländern, die große ökonomische Interessen an den Ressourcen haben, wird vorgeworfen, auch militärisch im Konflikt im Kongo involviert zu sein. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der „Expertengruppe des Sanktionsausschusses des UN-Sicherheitsrates für die DRC (UN-Group of Experts on DRC)“ untermauert diesen Vorwurf, da er den Nachbarländern eine aktive Unterstützung der M23 mit Ausrüstung, Waffen, aber auch politischem Beistand bescheinigt. Beide Länder weisen die Vorwürfe zurück.

 

Und nicht nur die Nachbarstaaten, auch internationale Konzerne – darunter auch Firmen aus Deutschland – sind interessiert an den reichen Diamant,- Coltan- und Goldvorkommen und tragen so ihren Teil dazu bei, dass die Region seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommt.

Die Unterstützung des Kongos durch die internationale Gemeinschaft ist zu schwach. Die UN-Friedensmission im Kongo (MONUSCO), deren Mandat der Schutz der Zivilbevölkerung ist, ist schlecht ausgestattet und verbarrikadiert sich bei Übergriffen auf die Zivilbevölkerung durch Rebellen oder Soldaten in ihrer Militärbasis. So griff die MONUSCO auch nicht ein, als die M23 Goma einnahmen.

Ein Bundestagsabgeordneter wollte wissen, inwieweit World Vision angesichts der erneuten Gewalteskalation im Osten Kongos noch Unterstützung leisten könne. Anna Fenten, die als Programmkoordinatorin für Humanitäre Hilfe kürzlich noch vor Ort war, berichtete: „World Vision verteilt in den Flüchtlingslagern rund um die Stadt Goma Nahrungsmittel und Haushalts-Sets, stellt auchWasser- und Sanitäranlagen bereit, um die akuten Bedürfnisse der geflohenen Menschen decken zu können. Für Kinder werden geschützte Spielbereiche eingerichtet, damit sie einen Rückzugsort und eine Möglichkeit haben, zur Ruhe zu kommen.

“In der Nordkivu-Provinz“, so erläuterte Anna Fenten weiter, „unterhält World Vision das Projekt ‚Rebound‘, auch unterstützt von Wolfgang Niedecken und Jack Wolfskin, das sich der Wiedereingliederung von Kindersoldaten und auch sexuell missbrauchter Kinderwidmet.“ Kinderprostitution sei ein häufiges und bislang viel zu wenig beachtetes Problem im Ostkongo. „Das ‚Rebound-Projekt‘ holt die Kinder und Jugendlichen aus den Bordellen heraus und vermittelt sie in qualifizierte Gastfamilien. Die Kinder erhalten medizinische Hilfe und und – was meistens nötig ist – auch eine psychosoziale Unterstützung bzw. Traumatherapie. Das Projekt sorgt zudem für eine umfassende Nachbetreuung und kümmert sich um die schulische und berufliche Ausbildung der Kinder. ”

Eine weitere Frage eines Bundestagsabgeordneten lautete, wo konkrete Anknüpfungspunkte und Handlungsmöglichkeiten für die Bundesregierung bestünden. Ekkehard Forberg, World Visions Friedensexperte, antwortete darauf:

„Die Internationale Gemeinschaft muss endlich ihrer Verantwortung für den Schutz der Zivilbevölkerung im Osten Kongos nachkommen. Deutschland sollte dafür sein politisches Gewicht in die Waagschale werfen und bei internationalen Gremien für ein Ende der Gewalt im Ostkongo plädieren“. Wichtig sei auch, so Forberg weiter, „dass alle Parteien an den Verhandlungstisch treten und miteinander reden. Eine militärische Lösung für den Konflikt in der DRC wird es nicht geben! Für einen dauerhaften Frieden bedarf es der Beseitigung der Konfliktursachen, einer Beendigung der Kriegsökonomie, des Aufbaus von rechtsstaatlichen Strukturen und der Förderung von ‚Good Governance‘“.

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