Flüchtlingselend: Wer will meine 12jährige Tochter heiraten?

World Vision Supporting Syrian Refugees in Lebanon

Zwei Jahre Krieg in Syrien haben grausame Auswirkungen auf Millionen Kinder. Ihre unschudlige Kindheit ist verstört, ihre Heimat und in vielen Fällen auch ihre Familie. Im täglichen Überlebenskampf sind sie Gefahren ausgesetzt, von denen man wenig hört. Das Beispiel der 12jährigen Shirin macht deutlich, wie wichtig unsere Solidarität und Hilfe für die Kinder aus Syrien ist.

Hundert US-Dollar im Monat zahlt Amira für die Bruchbude unweit der Hauptstraße im libanesischen Bekaa-Tal, in der sie mit ihrer Familie lebt. Ein extrem hoher Preis in der Gegend, aber an der Not der syrischen Flüchtlinge verdient es sich gut. Doch Amira ist sich nicht sicher, ob sie sich diesen Wucherpreis noch länger leisten kann. Die Ersparnisse sind aufgebraucht, Möglichkeiten, Geld zu verdienen gibt es kaum.

Eine davon wäre der Brautpreis für ihre 12jährige Tochter Shirin. Amira will eigentlich ihre Tochter nicht verheiraten, aber „Shirin wäre unser Überleben“, sagt sie. Überleben – das bedeutet, dass der Brautpreis ihre Familie für eine Weile ernähren könnte.

Die fünffache Mutter war aus Syrien geflohen und über die Grenze in den Libanon kommen, alles, um ihre wachsende Familie zu schützen. Amira ist im siebten Monat schwanger. Und wenn sie auch noch ihr Baby ernähren muss, bleiben ihr keine Möglichkeiten mehr. Die hübsche Shirin sitzt in der Ecke und bedeckt ihr Gesicht mit ihren Händen. Beim Gedanken daran, mit 12 Jahren verheiratet zu werden fehlen ihr die Worte
Welche Zukunft erträumt sich Shirin? Ihre Mutter antwortet für sie: „Sie sagt nichts dazu, denn so etwas hat sie noch nie jemand gefragt.“

Amira mit ihrer Tochter Shirin

Amira mit ihrer Tochter Shirin

Amira leidet unter der Situation. Sie hat Depressionen, nennt sich mittlerweile selbst: Amira al Hazina, “Amira die Traurige”. Dass sie alles in Syrien hinter sich gelassen hat, ihr Heim, ihre Freunde, Habseligkeiten und das Gefühl von Sicherheit, das alles zerrt an ihren Nerven. Sie sorgt sich permanent um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Kinder. Gerade jetzt ist ihre 10jährige Tochter Shadia krank geworden, sie schläft fast den ganzen Tag. In der Vergangenheit war auch die andere Tochter, Bayan krank geworden. Sie hatte Medikamente gebraucht, Bluttransfusionen. Was, wenn ihr das jetzt als Flüchtling wieder passiert? Wie soll sich das Amira leisten können?
„Gibt es etwas Schlimmeres als das hier?“, fragt Amira. „Es ist Demütigung, Demütigung, Demütigung. Ich verbringe meine Tage schlafend oder grüble über meine Sorgen. Ich mag das Leben nicht mehr. Nichts erfreut mich. Unsere letzte Hoffung ist Gott. Er wird uns helfen.“

Amiras Familie wurde jetzt von der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen als Flüchtlinge anerkannt und sie wird von World Vision mit Lebensmittelgutscheinen versorgt. Wenn auch Sie Familien wie der von Amira helfen wollen, dann können Sie  hier spenden.

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