Früher Vogel, späte Einsicht

Michael Arunga, Emergency Communications Advisor - Africa

Michael Arunga, Emergency Communications Advisor – Africa

Es ist 10 Jahre her, als mein Vater an einem Tag wie diesem als Wahlbüroleiter in einem Wahllokal starb. Damals kamen die Kenianer und Kenianerinnen wie heute in Scharen an die Urnen, entschlossen, jede Person abzuwählen, die mit dem lange regierenden Präsidenten Danial Arap Moi und seiner Partei in Verbindung standen. Heute war ein ebenso aufregender Tag – jedenfalls für mich, der ich mein demokratische Recht ausüben wollte. Die traurigen Erinnerungen an das Unglück vor 10 Jahren, bei dem meine Familie ihr Oberhaupt verlor, mischten sich allerdings in meine Vorfreude.

Ich erreichte die Doonholm Grundschule in Nairobi schon um 30 Minuten nach 3 Uhr, weil ich der erste bei der Stimmabgabe sein wollte. Ich war definitiv der frühe Vogel, der dann doch keinen Wurm fängt. Tausende andere warteten ebenfalls schon in einer kilometerlangen Warteschlange. Es war klar – viele mussten die ganze Nacht dort verbracht haben.

Als ich mich hinten anstellte, wanderten meine Gedanken wieder zu dem tragischen Wahltag vor 10 Jahren. Genau um 8 Uhr abends, als mein Vater gerade die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl verkündete, begann es zu nieseln. In der Grundschule, die damals als Wahllokal diente, schlug ein Blitz ein und tötete meinen Vater. Der Rest ist Geschichte.

Während ich heute in den Morgenstunden nun wartete, rief mich ein befreundeter Journalist an und berichtete von einem Angriff, der in Mombassa mehrere Polizistin das Leben gekostet hatte. Ich war noch damit beschäftigt diese Nachrichten zu verdauen, als die ungeduldige Menschenmenge plötzlich zu rufen und vorwärts zu drängen begann. In der Verwirrung fielen mehrere Leute zu Boden. Um nicht niedergetrampelt zu werden, sprang ich aus der Menge und rief so laut ich konnte zur Ordnung auf. Ich schauderte bei dem Gedanken, was es für meine Familie bedeuten würde, wenn ich auch mein Leben bei der Wahl verlieren würde. Doch die Menge beruhigte sich wieder, auch wenn viele einen Schuh oder auch zwei in dem Gedränge verloren.

Endlich, nach 8 Stunden, kam ich der Wahlkabine nahe, und just in diesem Moment brach das hochgelobte Computer-Equipment zusammen, das den Wahlprozess beschleunigen sollte. Helfer schalteten es ein paar Mal aus und wieder ein – sehr zum Leidwesen und Missvergnügen der vielen hungrigen Wähler, die noch kein Frühstück bekommen hatten.

Als ich dann gerade meine Wahlpapiere erhielt, hörte ich die Menschenmenge wütend auf eine Frau schimpfen, die einen Säugling auf dem Arm trug. Ich wunderte mich, warum die Leute so wenig nett zu der Frau waren. „Das Baby wird dazu benutzt, um die Warteschlange zu umgehen. Ich habe es jetzt schon 8 Mal in der Hand verschiedener ‚Eltern‘ gesehen“, rief ein wütender Wähler. Ich hatte Mitleid mit dem armen Kind. Meinen eigenen zweijährigen Sohn Jordan hatte ich zuhause schlafen lassen. Aber, tja, Eltern mit Säuglingen wurden eben vorgelassen. Ich hätte viel früher wieder zuhause sein können, wenn ich Jordan mitgenommen hätte. Ich war müde und hungrig und bedauerte, dass ich nicht auch so klug gewesen war.

Gut fand ich dann aber doch, dass es in den meisten Gebieten in Kenia heute relativ friedlich zuging. Wenn die Wahl vorbei ist, geht es ans Zählen und die Bühne öffnet sich für die neuen Führungsperonen.

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