Sorge und Vorsorge für eine friedliche Wahl in Kenia

Local-level Advocacy Changes Face Of Education In Ntwetwe

Unabhängig davon, wie die Wahlen in Kenia ausgehen werden, World Vision wird sich auch weiterhin im Rahmen seiner Initiative „Citizen voice in Action“ für die Umsetzung von Reformen im Land engagieren.

Spät, sehr spät hat meine Kollegin May Ondeng gestern wieder Feierabend gemacht. Sie musste den vielen lokalen Mitarbeiterin in unseren weit von Nairobi entfernten Projektregionen die neuesten Informationen und Anweisungen zur Vorbereitung auf den Wahltag schicken und nebenbei auch unser Informationsbedürfnis befrieden.Kurz vor dem großen Wahltag in Kenia am kommenden Montag, 4. März, schwankt die Stimmung im Land zwischen großer Sorge und Hoffnung.

Es ist keine gewöhnliche Wahl, denn durch die Einführung der neuen Verfassung im Jahr 2010 sind neue Institutionen geschaffen und wichtige Reformen eingeleitet worden. So wählen die Kenianer am Montag nicht nur einen neuen Präsidenten und ein neues Parlament, sondern auch einen Senat, der die Regionen vertreten soll, sowie Kommunalvertreter. Und zum ersten Mal wird in allen 47 Landkreisen eine Frau ins Parlament gewählt. Ein Baustein von vielen für eine gerechtere Gesellschaft.

Die Dezentralisierung bringt nach Einschätzung vieler Beobachter durchaus Chancen für die Aussöhnung verfeindeter Ethnien und die Entwicklung einer neuen politischen Kultur. Andererseits sind die sozialen Ungleichheiten so groß und die Konflikte um Macht und Ressourcen – besonders um Land – zwischen verschiedenen Volksgruppen so tief verwurzelt, dass eine Wahl leicht dafür instrumentalisiert werden kann, Hass und Gewalt zu schüren. Eine Freundin von mir erlebte 2007 in Eldoret, wie aus Nachbarn plötzlich wilde und mordlustige Horden wurden. Sie verlor ihr Haus, für das sie lange gearbeitet hatte und musste monatelang mit ihrem Kind als Flüchtling leben. Sie glaubt nicht, dass es diesmal so schlimm kommen wird, aber vorsichtig ist sie trotzdem. Vergeben hat die gläubige Christin den Angreifern schon lange, und einen Großteil ihrer Freizeit verbringt sie mit dem Engagement beim Roten Kreuz.

Die World Vision-Mitarbeiter in Kenia haben sich seit Monaten auf die Wahl vorbereitet und auf vielen Wegen mit daran gearbeitet, den Wahlprozess friedlich zu gestalten.  In den Armutsvierteln von Nairobi, Kisumu und Nakuru haben sie Friedensforen und Friedensmärsche mit organisiert. Sie haben Informationen zu den Wahlen verbreitet und viele Gemeinde-Komitees darin geschult, sensibel auf Konflikte zu reagieren.  Gemeinsam mit den Kirchen und örtlichen Friedensnetzwerken haben sie Versöhnungsprozesse angestoßen, besonders unter den Turkana, Pokot und Samburu. Auf der politischen Ebene haben Experten von World Vision auch Kommissionen und neu geschaffenen Regierungseinrichtungen zugearbeitet, um etwa die soziale Absicherung von Armen zu verbessern oder ausgeschlossene Bevökerungsgruppen zu integrieren.

Mehrere Tageszeitungen in Kenia haben mit Unterstützung von World Vision in dieser Woche Ratschläge zum Schutz von Kindern während der Wahlen verbreitet. Diese wurden in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium erarbeitet. In Nairobis größtem Slum Kibera, wo bei den Unruhen nach den letzten Wahlen viele Wohnungen brannten und zahlreiche Menschen ums Leben kamen, trainierte World Vision 200 ausgewählte Frauen darin, Hetzpropaganda und Gewaltausbrüche früh zu erkennen und sich über Hotlines mit Helfern zu verständigen. Zudem gaben die Frauen Informationen über die Bedeutung friedlicher Wahlen an ihre Umgebung weiter.

Um im Falle neuer Racheakte oder Vertreibungen  schnell helfen zu können, haben  viele Hilfsorganisationen ihr Katastrophenmanagement untereinander und mit staatlichen Einsatzkräften abgestimmt. „Unser Krisenteam steht auch  konstant in Kontakt mit lokalen Basisgruppen in den Projektgebieten und sie kommunizieren mit uns, sobald Hilfe nötig ist“, berichtet May Ondeng.

Unabhängig davon, wie diese Wahl ausgeht, wird World Vision weiterhin konstruktiv bei der Umsetzung von Reformen mitarbeiten. Neben der Armutsbekämpfung gehört dazu auch die Bildungs-und Aufklärungsarbeit. Mit der Initiative „Citizen voice in Action“ unterstützt World Vision zum Beispiel in rund 30 Regionen die aktive Beteiligung der Bevölkerung an dezentraler Politikgestaltung. Oft geht es dabei im ersten Schritt darum, Transparenz über politische Entscheidungen herzustellen oder Bürger mit ihren Rechten und der Funktion der neuen politischen Instanzen vertraut zu machen. Ob es um den Standort einer Schule, die Verteilung von Land, die Entwicklung der Infrastruktur oder Wassernutzungsrechte geht – die Stärkung der Eigenverantwortung und Zusammenarbeit mit gewählten Regionalvertretern ist zu einem wichtigen Baustein der Entwicklungszusammenarbeit geworden. „Für Kleinbauern in abgelegenen Regionen ist es ein großer Erfolg, wenn die einzige Straße in ihrem Gebiet aufgrund ihrer Eingaben endlich repariert oder ausgebaut wird und sie dadurch Zugang zu regionalen Märkten bekommen“, gibt May Ondeng ein Beispiel. Hoffen wir, dass sie bald mehr davon berichten kann.

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http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php

World Vision bedankt sich herzlich für Ihre Unterstützung

 

1 Kommentar

  1. Sven Beier, 3. März 2013

    Kenia ist ein sehr schönes Urlaubsland,hoffentltch bleibt es so.

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