Gastblog: Handys unterstützen wirksame Gesundheitsvorsorge für Kinder in Ghana

Eine Krankenschwester erklärt einer Mutter in einem ländlichen Gesundheitsposten den Impfkalender für ihr Kind. Foto: GAVI/2012/Olivier Asselin

Wie kann die Gesundheit von Kindern auch unter schwierigen Bedingungen wirksam gefördert werden? Und wie kann die Absenkung der Kindersterblichkeit so beschleunigt werden, wie es sich die Vereinten Nationen im Jahr 2000 vorgenommen hatten? Diese Fragen werden heute im Rahmen eines Parlamentarischen Abends diskutiert, den World Vision gemeinsam mit der GAVI Alliance organisiert.

Entwicklung soll das Leben von Menschen verbessern. Die Förderung von Gesundheit sollte daher einen hohen Stellenwert in der Entwicklungszusammenarbeit haben. Gesunde und gebildete Menschen können ihre Gemeinden und ihr Land wesentlich besser voranbringen als kranke, unwissende Menschen. Es geht aber auch ganz schlicht darum, dass Eltern nicht hilflos zusehen müssen, wie zwei ihrer vier Kinder an Lungenentzündung, Durchfall oder Malaria sterben. Verbesserte Vorsorge-Systeme und Impfungen können viele Krankheiten verhindern und haben schon dazu beigetragen, dass heute 40 Prozent weniger Kleinkinder sterben als noch im Jahr 1990.

Allerdings wird das Ziel verfehlt, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu senken. Es bleibt eine Herausforderung, Gesundheitsdienste auch den Ärmsten und den Bewohnern abgelegener Gebiete zugänglich zu machen. Umsonst ist dies auch nicht zu haben. Man braucht also eine Strategie und Partner, um die Umsetzung finanzieren zu können.

Die ghanaische Ärztin Mercy Ahun, die heute die Podiumsdiskussion in Berlin mitgestaltet, hat mehr als 20 Arbeitserfahrung in der strategischen Umsetzung von Impfprogrammen und sie unterstützt im Auftrag von GAVI unter anderem afrikanische Länder dabei, die Wirkung ihrer Programme auch zu messen. In ihrem Gastblog zur Veranstaltung schildert sie ihre Beobachtungen während einer Ghana-Mission:

Dr. Mercy Ahun ist Ärztin und auf Kinderheilkunde in den Tropen spezialisiert. Sie hat mehr als 20 Jahre Arbeitserfahrung in der Implementierung umfassender Gesundheitsleistungen und Impfprogramme in Entwicklungsländern. Ihre aktuelle Arbeit bei der Impfallianz GAVI umfasst die strategische Unterstützung geförderter Länder und die Information der Geber über die Ergebnisse der geförderten Programme.

Dr. Mercy Ahun ist Ärztin und auf Kinderheilkunde in den Tropen spezialisiert. Sie hat mehr als 20 Jahre Arbeitserfahrung in der Implementierung umfassender Gesundheitsleistungen und Impfprogramme in Entwicklungsländern. Ihre aktuelle Arbeit bei der Impfallianz GAVI umfasst die strategische Unterstützung geförderter Länder und die Information der Geber über die Ergebnisse der geförderten Programme.

Es funktioniert

Vor zwei Wochen habe ich den Geschäftsführer der Impfallianz GAVI, Dr. Seth Ber-kley, bei einem Länderbesuch gemeinsam mit Bill Gates – der sich im Rahmen sei-ner Stiftung sehr für die Förderung von Gesundheit in armen Ländern engagiert –, nach Ghana begleitet. Dies war Bill Gates‘ erster Besuch des Ghana Health Service, dem staatlichen Gesundheitsdienst.

Den ersten Vormittag verbrachten wir mit Besuchen bei der Initiative für Gesund-heitsplanung und –versorgung, die in den Gemeinden ansässig ist. Die Initiative ist Teil einer Reformstrategie: Bisher lag der Schwerpunkt der Basisgesundheitsversor-gung auf der klinischen Behandlung in den Bezirken. Nun wird er auf hochwertige Versorgung in den Gemeinden und direkt in den Haushalten verlagert.

Die Gesundheitsmitarbeiter der Gemeinde trafen wir in einer mobilen Klinik unter ei-nem schattenspendenden Baum, der etwas Schutz vor der heißen Sonne bot. Sie zeigten uns die Karteikarten der hier behandelten Kinder mit Informationen zu Imp-fungen, Gewicht und weiteren relevanten Daten der Kinder. Hier in diesem Bezirk kommen zudem Handys zum Einsatz, um schwangere Frauen zu erfassen. Außer-dem werden regelmäßig Nachrichten, einschließlich Impftermine, in der Ortssprache an Mütter gesendet.

Auf diese Weise lässt sich ermitteln, wie viele Menschen die Gesundheitsdienstleis-tungen in Anspruch nehmen – und man kann bei denen nachhaken, die nicht kom-men.

Zudem wird Papierdokumentation in Form von Gesundheitsausweisen und Registern verwendet, um den Impfplan von Kindern zu verfolgen. Bill Gates war vom Fort-schritt, der durch dieses System erzielt wird, ebenso beeindruckt wie von der Kultur der Datensammlung, die damit unterstützt wird. Beispielsweise überprüft der Verwal-tungsdistrikt alle zwei Monate seine Daten, bevor sie an höhere Ebenen weitergeleitet werden.

Am Ende waren die Gesundheitshelfer der Gemeinde sehr zufrieden mit Gates’ Fazit des Besuchs: „Das System ist nicht perfekt, aber es funktioniert.“

In der darauf folgenden Woche erinnerte ich mich bei Gesprächen im Freundes- und Familienkreis an seine Worte. Meine Cousine, die Hautärztin ist, lobte die Gemein-degesundheitsarbeiter dafür, wie sie Impfdaten erfassen und nutzen. Monatliche Treffen zwischen den Bezirken seien eine Gelegenheit, um sich über optimale Vor-gehensweisen („Best Practices“) auszutauschen und Daten zu reproduktiver- und Kindergesundheit zu überprüfen, darunter auch zu Impfungen. Meine Cousine sagte, sie wünsche sich für die klinische Versorgung eine ebenso gute Organisation wie die der Vorsorge durch die Gesundheitshelfer der Gemeinde.

Kurz darauf war ich bei einem Abendessen mit einigen pensionierten Kollegen aus dem Gesundheitswesen. Einer von ihnen berichtete, dass die Medizinstudenten, de-nen er jetzt Prüfungen abnimmt, sich nicht mehr erinnern können, wann sie das letzte Mal einen Fall von Masern gesehen haben. Mit fesselnden Worten beschrieb er dann das Engagement und den Einsatz des Gesundheitspersonals in den Gemeinden: Am Rande des Gesundheitssystems setzen sie sich dafür ein, dass medizinische Versorgung und Impfungen in den Gemeinden ankommen. Länder, die nicht von Krankheiten geplagt werden, die man mit Impfungen verhindern kann, könnten ihr Potential voll ausschöpfen, sagte er. Der staatliche Gesundheitsdienst in Ghana und auch Entwicklungsorganisationen sollten mehr tun, um unseren Beitrag zum na-tionalen Wohlstand bekannt zu machen.

Starke Gesundheitssysteme an der Basis sind der Grundstein erfolgreicher Impfpro-gramme, die dazu beitragen, Leben zu retten.

 

 

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