Waffen bringen keine Sicherheit – vor allem nicht für Kinder

Den Kindern, die sich nach ihrem normalen Leben in Sicherheit sehnen, die gerne eine Schule besuchen wollten, aber stattdessen Gewalt und Zerstörung ausgesetzt sind, sei die Ausstellung gewidmet, erklärte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland, bei der Eröffnung im Zentrum für Frieden, Ökumene und Gerechtigkeit auf dem Kirchentag.

World Vision zeigt auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg wie Kinder unter bewaffneten Konflikten leiden. Ein ehemaliger Kindersoldat, der jetzt als UN-Friedensberater arbeitet, und der Waffenhandel-Analyst Andrew Feinstein haben gute Argumente, um Aufrüstung und Waffenhandel zu bekämpfen.

Analyst des internationalen Waffenhandels und UN-Friedensberater eröffnen mit World Vision die Ausstellung “ich krieg’ dich” auf dem Kirchentag

Ausgerechnet während der internationalen Finanzkrise hat der internationale Handel mit Rüstungsgütern und Waffen massiv zugenommen. In diesem Sektor fehlte es offenbar nicht an Kapital und an Investitionsbereitschaft. Und haben dadurch Konflikte abgenommen oder ist die Welt dadurch sicherer geworden? Es fällt schwer, dafür Beispiele zu finden, auch dem gut recherchierenden Autor Andrew Feinstein.

Autor Andrew Feinstein analysiert seit Jahren den internationalen Waffenhandel und die korrupten Netzwerke, die ihn vor rechtlichen Einschränkungen schützen. Der kürzlich verabschiedeten UN-Vertrag zum Waffenhandel kann seiner Ansicht nach nur wirksam werden, wenn aufmerksame Bürger ihre Regierungen dazu anhalten ihn umzusetzen.

Autor Andrew Feinstein analysiert seit Jahren den internationalen Waffenhandel und die korrupten Netzwerke, die ihn vor rechtlichen Einschränkungen schützen. Der kürzlich verabschiedeten UN-Vertrag zum Waffenhandel kann seiner Ansicht nach nur wirksam werden, wenn aufmerksame Bürger ihre Regierungen dazu anhalten ihn umzusetzen.

Umso leichter kann der Südafrikaner Feinstein, ein ehemaliger Bürgerrechtler und Mitglied des südafrikanischen Parlaments zur Zeit der Mandela-Präsidentschaft, Beispiele für das Gegenteil beibringen. Sein Buch “Waffenhandel – das Geschäft mit dem Tod”, aus dem er bei der Ausstellungseröffnung zitierte, enthält viele Belege dafür, dass Waffenhandel unter anderem durch Korruption die Demokratie unterwandert, Kriegsverbrechen begünstigt und Konflikte verlängert. Über die Auswirkungen auf Kinder kann er auch einiges sagen. “Vom unkontrollierten Handel mit Kleinwaffen sind am direktesten die Kinder betroffen”, betont er. “Sie werden damit verführt, fügsam gemacht und in den Krieg geschickt, ob sie es wollen oder nicht.”

Was dies für einen jungen Menschen bedeutet, kann der aus Uganda stammende UN-Friedensberater James Odong den Kirchentagsbesuchern in wenigen Sätzen eindrücklich schildern. Er war selbst als 19jähriger Gefangener der Rebellengruppe Lord’s Resistence Army und wurde wegen einer Armverletzung vor allem als Späher eingesetzt. “Ich habe erlebt wie auch viel jüngere Kinder bei Kämpfen als lebende Schutzschilde eingesetzt wurden, im Fronteinsatz umkamen oder nach einer missglückten Flucht von brutalisierten Kindersoldaten hingerichtet wurden”, so James Odong.

James Odong ist selbst in einem lange dauernden Krieg, der vor allem mit Kindern geführt wurde, groß geworden. "Ohne die vielen Kleinwaffen in der Region hätte dieser Krieg nicht stattgefunden", ist er überzeugt. Er arbeitet heute als Friedensberater für die Uno in Ostafrika und hat mit World Vision einfach handhabbare Instrumente zur zivilen Konfliktbearbeitung entwickelt.

James Odong ist selbst in einem lange dauernden Krieg, der vor allem mit Kindern geführt wurde, groß geworden. “Ohne die vielen Kleinwaffen in der Region hätte dieser Krieg nicht stattgefunden”, ist er überzeugt. Er arbeitet heute als Friedensberater für die Uno in Ostafrika und hat mit World Vision einfach handhabbare Instrumente zur zivilen Konfliktbearbeitung entwickelt.

Auf die Frage von Christoph Waffenschmidt, wie er diese Erlebnisse verkraftet habe und zu einem normalen Leben fand, James Odong: “Ich brauchte viel Zeit und Hilfe, um mich davon zu erholen und habe erst Jahre später wieder positiv denken können.” Als langjähriger Mitarbeiter von World Vision konnte er die erhaltene Hilfe an andere weitergeben, in Form von Rehabilitationsprojekten, Friedensförderung und politischer Arbeit für Kinder in bewaffneten Konflikten. Den Ausstellungsbesuchern gibt er noch als Botschaft mit: “Denkt daran, dass viele, viele Kinder auch jetzt ähnliches erleiden und dass Kinder zu allem missbraucht werden können, wenn sie sich erst einmal daran gewöhnt haben, dass man Gegner töten muss.”

Die Ausstellung “ich krieg’ dich – Kinder in bewaffneten Konflikten” ist ein Angebot an Jugendliche und Erwachsene, sich anhand konkreter Schicksale in das Leben betroffener Kinder und Jugendliche hineinzuversetzen. Dabei kommen Mädchen und Jungen aus Afghanistan, aus dem Kongo, aus Uganda, dem Libanon und dem Irak selbst zu Wort. “Uns ist es wichtig, den Kindern selbst eine Stimme zu geben und wir fordern die Politik auf, den speziellen Blick der Kinder auf die Situation wahrzunehmen”, erklärte Christoph Waffenschmidt bei der Eröffnung. “Wer hört schon auf sie im Vorfeld eines Krieges oder bei Friedensverhandlungen?”

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Beim Kirchentag zeigt sich: Mit dem Daumenkino in der Hand begreifen auch jüngere Kinder aus Deutschland schnell worum es geht. “Der Junge ist auf eine Mine getreten und kann jetzt nicht mehr laufen”, erklärt der 8jährige Lukas seinem Vater. “Das Haus des Kindes wurde zerschossen und es muss nun alles neu aufbauen, ” sagt die 12jährige Melanie. Auge in Auge mit der gleichaltrigen Rachel aus dem Kongo, die Mutter und Vater im Krieg verlor und jetzt auf sich allein gestellt in einem Flüchtlingscamp lebt, raunt sie ihrem Bruder zu: “Dagegen muss man etwas machen.”

Hinweis für Kirchentagbesucher:
Am Samstag, 4.5., um 15:30 gibt es ein Bühnenprogramm mit World Vision-Botschafterin Judy Bailey und James Odong  in Halle A3 in der Messe.

Die Daumenkinos zur Ausstellung gefallen Jung und Alt.

Die Daumenkinos zur Ausstellung gefallen Jung und Alt.

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