Kommentar zum UNO-Aufruf: Syrien braucht dringend unsere Hilfe – und bitte bald!

s130544-1: 'Black Day for Syria' Children Statements

Die UNO hat in einem dramatischen Hilfsappell um die Summe von 3,7 Milliarden Euro für die Opfer des Kriegs in Syrien gebeten. Das ist zu begrüßen, findet Dirk Bathe in seinem Kommentar, aber wird das Geld wirklich fließen?


3,7 Milliarden Euro – das ist selbst in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise eine beeindruckende Zahl. Zumindest auf den ersten Blick. Mit diesem Hilfsappell – dem größten in ihrer Geschichte – haben die Vereinen Nationen deutlich auf die Not der Syrer aufmerksam gemacht. Auf die Not der 1,5 Millionen Menschen, die in die Nachbarländer Libanon, Jordanien und Türkei geflüchtet sind. Auf das Elend der über sechs Millionen Zivilisten, die meisten davon Kinder, die den Schrecken des Krieges innerhalb der Grenzen Syriens erleben müssen. Diejenigen, die es über die Grenzen geschafft haben, haben mittlerweile keine Reserven mehr. Ihre Ersparnisse sind aufgebraucht, alles, was ein bisschen Wert hatte, ist verkauft, für Essen, Medikamente, Miete für die Ruinen, in denen sie untergekommen sind. Die Flüchtlinge inner- und außerhalb von Syrien – sie alle sind dringend auf Hilfe angewiesen. Ihre Zahl wird nach Angaben der Vereinten Nationen bis zum Ende des Jahres auf über zehn Millionen steigen.

3,7 Milliarden Euro – wird diese Hilfe jetzt kommen? Die Erfahrung lehrt uns leider, dass Aufrufe an die Geberländer in der Weltgemeinschaft zunächst einmal nur eines sind: Aufrufe. In Konferenzen werden dann öffentlichkeitswirksam Beschlüsse gefasst und hohe Summen zugesagt. Doch dass diese Gelder tatsächlich fließen – das passiert dann häufig nicht. Beispiele dafür gibt es reichlich, sie lesen sich wie ein Who-is-who der Katastrophen und Kriege der jüngeren Geschichte: Haiti, Somalia, Mosambik, die Hungersnöte in West- und Ostafrika.

Viele dieser Beispiele hatten einen entscheidenden Nachteil, der für mangelnde Hilfe verantwortlich war und noch ist: Sie verschwanden zu schnell wieder aus dem Fokus des weltweiten Interesses. Im Fall Syrien wird das angesichts der politischen Bedeutung des Konflikts nicht passieren. Die Bilder hungernder, verletzter Kinder, die in selbst gebastelten Notbehausungen vegetieren, werden weiterhin die Dramatik der Lage dokumentieren. Es kommt jetzt darauf an, nicht nur zu helfen, sondern schnell zu helfen.

World Vision ist schon seit vielen Jahren in der Region aktiv, zum Beispiel im Libanon. Seit Ausbruch der Kämpfe unterstützen wir Familien, die vor dem Krieg über die Grenze geflüchtet sind. Allein im Libanon sind das mehr als eine halbe Million Menschen. Auch andere Nichtregierungsorganisationen helfen den Flüchtlingen. Doch unsere gemeinsame Hilfe reicht nicht aus und vor allem: Wir haben die Grenzen unserer finanziellen Möglichkeiten erreicht.

Erschwert wird die Situation noch durch die tatsächlichen oder geplanten Waffenlieferungen an die Kriegsparteien – im Namen der humanitären Hilfe. Dadurch verwischen die Grenzen zwischen humanitärer Hilfe, politischer Einflussnahme und militärischer Aktion. Mit unabsehbaren Folgen für die Arbeit von Hilfsorganisationen vor Ort. Um effektive Hilfe leisten zu können, brauchen wir ungehinderten Zugang zu den Opfern des Krieges. Umgekehrt müssen Zivilisten umkämpfte Gebiete ungehindert verlassen können, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Und sei es nur die Sicherheit einer Hütte aus Plastikfolien und Zweigen. Die Opfer des Krieges in Syrien brauchen keine Waffen. Sie brauchen unsere Hilfe. Umgehend, umfassend und neutral.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende, die dringend benötigt wird! Schon mit 25 Euro kann eine Flüchtlingsfamilie ein Hilfspaket mit Hygiene-Artikeln erhalten.

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