Äthiopien: Abschied von Freunden, Aufbruch in die Zukunft

Abebe Aragam, erfolgreicher Farmer im äthiopischen Antsokia-Tal

Abebe Aragam, erfolgreicher Farmer im äthiopischen Antsokia-Tal

„Und als nächstes plane ich eine kleine Hühnerfarm!“ Abebe Aragan ist ein Mann von 60 Jahren, fünffacher Vater und voller Tatendrang. Und er ist ein Modellfarmer. World Vision hat ihn jahrelang beim Anbau von Früchte tragenden Bäumen und bei der Bewirtschaftung seiner Felder unterstützt. Jetzt steht er zwischen Mango- und Avacadobäumen, den Blick auf sein Zwiebelfeld gerichtet. Und erzählt, wie es früher war. Als die Menschen im Antsokiatal auf sich allein angewiesen und der Dürre schutzlos ausgeliefert waren. „Damals hatte ich vor allem Bananen angebaut. Aber die Stauden starben schon ziemlich kurz nachdem der Regen ausblieb. Dann vertrocknete das Getreide. Dann starben die Tiere. Und schließlich die Menschen.“
Heute erklärt der Modellfarmer anderen Bauern, warum es besser ist, auf Dürre tolerante Pflanzen zu setzen. Und vor allem, ein Bewässerungssystem zu haben, zu pflegen und auszubauen. Das Wasser kommt aus den umliegenden Bergen, es wird in Zisternen gesammelt, über Kanäle verteilt, die gemeinschaftlich sauber gehalten werden.

1984: Dürre in Äthiopien

Vor fast 30 Jahren verheerte eine langanhaltende Dürre auch das Antsokiatal in Äthiopien

„Finanziell geht es mir viel besser. Selbst wenn es wieder mal schlimm werden sollte und der Regen ein, zwei Jahre ausbleibt, kann ich von meinen Reserven leben.“

Resilience, Widerstandsfähigkeit, ist das Ziel und Zauberwort der gemeinsamen Anstrengungen von World Vision und der Bevölkerung. Das Wetter kann man nicht ändern, die Folgen von Dürre oder Sturzfluten schon. Überall im Antsokiatal bertreibt World Vision ähnliche Projekte. Sorgen Grundschulen, Gesundheitsstationen oder per Mikrokredit finanzierte Kleinstunternehmen für wachsendes Einkommen und allgemein bessere Lebensbedingungen. Doch was passiert, wenn World Vision geht?

Dereje Mekonnen ist Projektleiter im Antsokiatal. Ab 2016 muss er sich einen neuen Job suchen, denn „dann sind wir hier nicht mehr vor Ort. Und das ist gut so!“ Denn die Bevölkerung muss und kann auf eigenen Beinen stehen. Damit keine Abhängigkeit von der Entwicklungszusammenarbeit besteht. Und damit die Zukunft dauerhaft gesichert ist. „Wir erarbeiten schon jetzt mit der Bevölkerung und regionalen Regierungsvertretern Pläne für den Übergang. Was ist ihnen wichtig? Was kann wer übernehmen? Wer finanziert welche Vorhaben? Was kann auch ohne viel Geld erreicht werden? Die Menschen sind begeistert bei der Sache – auch wenn sie uns nur ungern ziehen lassen. Schließlich sind wir Freunde geworden… “
Freunde hat auch Modellfarmer Abebe Aragam etliche. Mindestens 100. Denn so viele Bauern aus der Umgebung profitieren von seinen Erfahrungen, die er an sie weiter gibt. Die wichtigste aller gemachten Erfahrungen? „Nie stehen bleiben! Immer an den Wandel denken! Dann sind wir vorbereitet und können sogar noch Neues entstehen lassen. Ich zum Beispiel will mit einigen Nachbarn zusammen eine Hühnerfarm aufbauen. Für die Zukunft.“

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