Der Dürre trotzen: Zwei Jahre Hungersnot Ostafrika

Besser auf Krisen vorbereitet: Bauen setzen auf Dürre tolerante Pflanzen wie Mungobohnen

Vor zwei Jahren erschütterten uns alle die Bilder und Nachrichten von der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Zwei Regenzeiten hintereinander waren ausgefallen. Die schlimmste Dürre seit über 60 Jahren hatte die Ernten in Somalia, Kenia, Tansania, Äthiopien und weiteren ostafrikanischen Staaten vernichtet. In manchen Gegenden verendete über die Hälfte des Viehbestandes. Schon Anfang des Jahres hatte World Vision Katastrophenalarm für das Horn von Afrika ausgerufen. Im Juli dann auch die Vereinten Nationen.


Insgesamt waren über 13 Millionen Menschen betroffen, darunter mindestens vier Millionen Kinder. Unermüdlich arbeiteten die Mitarbeiter von World Vision daran, möglichst viele Menschen vor dem Hungertod zu retten. Insgesamt konnten wir 2,4 Millionen Menschen unterstützen. „Die Hilfe beinhaltete aber weiter mehr, als „nur“ für Lebensmittel zu sorgen“, erinnert sich Corinna Blume, die damals für World Vision Hilfsaktionen koordinierte. „So musste auch für Medikamente, Trinkwasser und ausreichende Hygiene im Kampf gegen Krankheiten gesorgt werden. Und das unter oftmals schwierigsten Umständen.“

Viele Opfer der Dürre lebten in ländlichen Gebieten, weit entfernt von den Zentren des Landes. Auch erschwerten Konflikte wie der Bürgerkrieg in Somalia die Hilfseinsätze. Zum einen konnten die Helfer wegen militärischer Auseinandersetzungen die Hilfsbedürftigen nicht erreichen. Zum anderen waren Hunderttausende auf der Flucht – und so für die Helfer ebenfalls kaum erreichbar. World Vision errichtete deshalb viele dezentrale Gesundheitsstationen und Verteilpunkte für Lebensmittel. „Das System hat gut funktioniert und war zum Beispiel mit unseren mobilen Kliniken auch Vorbild für andere“, erklärt Corinna Blume.

Mit dem Armband wird der Grad der Unterernährung ermittelt

Mit dem Armband wird der Grad der Unterernährung ermittelt

Vor allem Kinder litten besonders unter dem Hunger. Ihre Körper reagieren so stark auf andauernde Unternährung, dass selbst wenn ihr Leben gerettet wird, ihre Entwicklung dauerhaft geschädigt ist. World Vision setzte daher eine nährstoffreiche, leicht aufzunehmende Erdnusspaste bei der Versorgung von Kleinkindern ein.

Doch auch mit diesen Maßnahmen konnte nur ein Teil der Hilfsbedürftigen erreicht werden. Hunderttausende Flüchtlinge – vor allem aus Somalia – hatten die Grenze nach Kenia überquert und auf Hilfe im Lager Dadaab gehofft. Das Lager wuchs schließlich auf 500.000 Einwohner an. World Vision baute dort die Trinkwasserversorgung aus, errichtete Tausende Zelte und Dutzende Latrinen. Wo so viele Menschen gezwungenermaßen auf engstem Raum zusammen leben entstehen weitere Probleme. Sexualisierte Gewalt ist eines davon. World Vision trainierte deshalb Frauen darin, wie sie sich gegen Übergriffe besser schützen können, etwa durch gemeinsame nächtliche Patrouillen oder gegenseitige Begleitung zu den Latrinen.

Lebensverteilung war ein Teil der Hilfsaktionen

Lebensmittelverteilung war ein Teil der Hilfsaktionen.

Der Einsatz vieler Hilfsorganisationen, die großzügigen Spenden aus Deutschland und anderen Ländern haben geholfen, das Leben von Millionen Menschen zu retten. Dennoch starben mehrere 100.000 Menschen, die meisten davon Kinder unter 5 Jahren. Und die Region wird aller Wahrscheinlichkeit nach wieder von Dürren heimgesucht werden. Oberstes Ziel von World Vision ist es daher nach Abschluss der direkten Nothilfe gewesen, die Gemeinden in Ostafrika besser auf kommende Ausfälle von Regenzeiten vorzubereiten. Dazu gehörten Trainings im Anbau von Dürre toleranten Pflanzen, das Anlegen von Zisternen und Bewässerungsanlagen, bessere Vorratshaltung und der Zugang zu medizinischer Versorgung. Denn Vorsorge ist nicht nur humanitärer Sicht sinnvoll. Die UN hat ausgerechnet, dass es einen US-Dollar pro Tag kostet, ein Kind vorsorglich vor Mangelernährung zu schützen – aber 80 Dollar pro Tag, es im Krankenhaus vor dem Hungertod zu bewahren. Und die nächste Dürre kommt bestimmt.

Wie Sie eines unserer Kleinkinder-Projekte unterstützen können, erfahren Sie hier:

http://www.worldvision.de/spenden-starthelfer-werden.php

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