“Es lohnt sich für die Kinder zu kämpfen”

Syrian Refugee Children in Host Communities in Jarash

Kann man sich jeden Tag mit Kriegen und Konflikten beschäftigen und trotzdem noch an Frieden glauben? Gibt es Auswege aus der Gewalt und der Hilflosigkeit? Dazu habe ich zum heutigen Weltfriedenstag meinen Kollegen Ekki Forberg befragt. Er arbeitet in unserem Politik-Team in Berlin und wird als Experte für Friedensförderung auch vom Auswärtigen Amt gehört.

Kann man sich jeden Tag mit Kriegen und Konflikten beschäftigen und trotzdem noch an Frieden glauben? Gibt es Auswege aus der Gewalt und der Hilflosigkeit? Dazu habe ich zum heutigen Weltfriedenstag meinen Kollegen Ekki Forberg befragt. Er arbeitet in unserem Politik-Team in Berlin und wird als Experte für Friedensförderung auch vom Auswärtigen Amt gehört.

DR Kongo, Somalia, jetzt Syrien – die Welt ist vom Frieden weit entfernt. Welche Konzepte können realistisch und wirksam umgesetzt werden, um Frieden in Konfliktgebieten zu schaffen?

EkkiEkki: Der Weg ist ganz sicher der der Diplomatie. Man sollte so früh wie möglich Friedensprozesse während des jeweiligen Konfliktes in Gang setzen. Die verschiedenen Parteien müssen in einen Dialog kommen.  Das kann dauern, ist aber dann auch meist dauerhaft erfolgreich.

Die aktuelle Situation im Syrienkonflikt – ist das schon ein Sieg der Diplomatie, dass zumindest die Eskalation des Konfliktes durch ein Ausweiten der militärischen Einmischung verhindert wurde?

Ekki: Es ist ein guter Weg, dass jetzt wieder verhandelt wird und die Sache beim UN-Sicherheitsrat liegt. In den vergangenen zwei Jahren war das nicht so. Und ich habe auch Hoffnung geschöpft, dass es tatsächlich zu einem Genf 2 – Friedensprozess kommt, den wir ja auch immer gefordert haben. Das heißt, dass alle Konfliktparteien und auch die Nachbarländer sich an einen tisch setzen und verhandeln. Dort erwarte ich Ergebnisse über einen Waffenstillstand und die Möglichkeit der humanitären Hilfe. Ich bin aber skeptisch, dass ein echter Friedensprozess schnell zu Stande kommt. Aber man spricht wieder miteinander und so ist die Diplomatie auf der richtigen Schiene.

Die vergessenen Opfer des Krieges sind oft die Kinder, was muss getan werden, um Kinder besser vor den Folgen des Krieges zu schützen?

Ekki: Besonders in Syrien sind Kinder das Gesicht des Krieges. Sie werden vertrieben, ihre Häuser sind zerstört, sie haben erlebt, dass Verwandte und Freunde getötet wurden. Diese Kinder sind traumatisiert. Sie müssen aufgefangen werden und betreut werden.

Was tut World Vision in solchen Fällen, was kann World Vision leisten?

Ekki: Wir unterhalten allein im Libanon fünf Kinderbetreuungszentren, in provisorischen Zeltstädten.. Dort werden Kinder betreut, sie können spielen, zur Ruhe kommen. Es gibt auch Psychologen, die sich um die Kinder kümmern.

Die World-Vision-Ausstellung „ich krieg dich – Kinder in bewaffneten Konflikten“ hat viele Menschen an vielen Orten erreicht. Wie reagieren Besucher auf die Ausstellung?

Ekki: Viele Besucher reagieren betroffen. Denn wenn sie sich abends in den Nachrichten über das Weltgeschehen informieren, dann taucht das Thema gar nicht auf. Da geht es um die militärischen und politischen Aspekte des Krieges. Aber nicht um Kinder. Und die Besucher wollen dann tatsächlich etwas tun, sie wollen das Thema in die Diskussion bringen. Wir haben ja viele Besucher, die sich schon mit politischen Aspekten beschäftigt haben. Und es geht darum, sie für Kinder in Kriegen zu interessieren. Und das gelingt uns.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie geht denn der Friedens- und Konfliktexperte Forberg damit um, dass es so viele bewaffnete Konflikte gibt? Taucht da auch mal Resignation auf?

Ekki: Nein, das nicht. Es lohnt sich ja, immer wieder für die Kinder zu kämpfen. Mit Kindern zu reden, wenn ich Projekte besuche. Und es gibt auch positive Entwicklungen, wie jetzt in Kolumbien, wo nach 20 Jahren Krieg der Frieden deutliche Fortschritte macht.

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