Hunger und Flucht: wer Zukunft will muss Perspektiven schaffen

Zukunft schultern: Secure the Future hat das Ziel, die Lebensumstände vor Ort zu verbessern

In meiner Jugendzeit gab es einen blöden Witz, den ich hier wiedergebe, weil er die europäische Haltung gegenüber der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa so treffend zeichnet. „Mutter, ich kann nicht mehr mit ansehen, wie hart du arbeiten musst. Mach bitte die Küchentür zu.“ Wir wollen keine ertrunkenen, verdursteten oder wie im jüngsten Fall, verbrannten Bootsflüchtlinge mehr sehen. Also verstärken wir die Patroullien, verschärfen wir die Überwachung, schicken wir die Nussschalen voller Menschen wieder weit vor der Küste zurück nach Afrika. Katastrophen, die wir nicht sehen, belasten unser Gewissen nicht, auch wenn Mutter hinter der geschlossenen Tür weiter schuften muss…..

Bessere Anbaumethoden mit geeigneteren Reissorten -Teil des Secure the Future

Bessere Anbaumethoden mit geeigneteren Reissorten -Teil des Secure the Future

Was tun? Zum einen mehr Flüchtlinge aufnehmen, ihnen eine zumindest befristete Arbeitserlaubnis erteilen, wie es auch Wolfgang Schäuble vorgeschlagen hat. Eine bestimmte Anzahl Menschen mit erwünschten Qualifikationen könnten laut Vorschlag 3 bis 5 Jahre in Europa arbeiten und anschließend mit ihrem neu erworbenem Wissen und Ersparnissen wieder zurück kehren. So nimmt man den Druck vom Kessel der illegalen Migration. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, schon in den afrikanischen Anrainerstaaten des Mittelmeeres Anlaufstellen für Asylsuchende zu schaffen und dort – vor der Überfahrt – ihre Möglichkeiten auf politisches Asyl zu überprüfen. Aber das wird nicht reichen, selbst wenn die Vorschläge eines Tages Realität werden sollte.

Etwa 60.000 Menschen schaffen es pro Jahr übers Mittelmeer nach Europa zu kommen. In der Hauptsache sind es junge Menschen, die trotz aller Gefahren eine Zukunft in Europa suchen. Sie stammen aus Ländern wie Eritrea oder Somalia, Länder, in denen sie keine Perspektive für sich sehen. Manchmal ist es die schiere Not, der Hunger, der Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen. Gerade in Ländern, die von immer wiederkehrenden Katastrophen wie Dürren oder kriegerischen Auseinandersetzungen getroffen werden. Manchmal ist es ein anderer Hunger, der die Menschen vertreibt. Der Hunger nach Chancen, nach beruflicher Perspektive, nach ökonomischer und politischer Teilhabe. Wer will, dass Menschen in ihrer Heimat bleiben wollen, der muss ihnen dort eine Zukunft eröffnen.

Berufsausbildung ist essentiell für Zukunftsperspektiven

Berufsausbildung ist essentiell für Zukunftsperspektiven

Wie kann das geschehen? World Vision ist davon überzeugt, dass Projekte in den Zielländern von Entwicklungszusammenarbeit umfassend und nachhaltig sein müssen. Unsere Regionalprojekte sind langfristig angelegt und verbessern die Lebensumstände von Tausenden Kindern und ihren Familien in allen wichtigen Bereichen, wie Gesundheit, Ernährung, Bildung und berufliche Entwicklung. Dieses Prinzip hat sich jetzt ein gemeinsames Projekt von sieben Hilfsorganisationen – darunter auch World Vision – in Somalia zu Eigen gemacht. „Secure the Future“ – „Die Zukunft sichern“ basiert auf einem Fünf-Punkte-Programm und umfasst die Ausbildung von Kleinbauern oder die berufliche Entwicklung junger Menschen ebenso wie Katastrophenvorsorge, Wiederaufforstung und Gesundheitsmanagement. Ziel ist es, eine lebenswerte, prosperierende Umgebung zu schaffen, die auch Rückschläge aushält und die Motivation zur Weiterentwicklung schafft. Einige europäische Regierungen und auch private Spender finanzieren dieses Projekt, etwa die Hälfte der benötigten 80 Millionen US-Dollar ist bislang zugesagt. Das Ziel des Projektes ist es, zu bewahren. Nicht Europa vor Flüchtlingen, sondern die Menschen vor der Notwendigkeit, ihre Heimat zu verlassen. Denn es kommt darauf an, Chancen zu eröffnen statt Türen zu schließen.

1 Kommentar

Schreiben Sie einen Kommentar


eins × 7 =