Weltkonferenz gegen Kinderarbeit: World Vision für nachhaltige Lösungen und Anhörung der Kinder

Salay Desires to Return to the Pen and Books Again-Part 2

In Brasilien findet diese Woche die dritte Weltkonferenz gegen Kinderarbeit statt. Vertreter von Regierungen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen suchen nach Wegen, um die weltweite Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen als billige Arbeitskraft zu beenden. World Vision beteiligt sich an diesen Anstrengungen und spricht sich dabei gemeinsam mit dem deutschen Verband für Entwicklungspolitik (VENRO) für Lösungen aus, die die realen Bedürfnisse der Kinder und die tieferen Ursachen ausbeuterischer Kinderarbeit in den Blick nehmen. Dabei müssen die Kinder selbst angehört und ernst genommen werden. Es geht ja nicht um Show-Acts, sondern um wirksamen Schutz für Individuen, um nachhaltige Hilfe und um Zukunftsperspektiven.

Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Die 11jährige Morisha aus Indien musste arbeiten, um ihrer älteren Schwester den Schulbesuch zu ermöglichen. Viele Kinder in ihrem Dorf mussten arbeiten und wurden dabei auch oft misshandelt. Mit eigenen Worten erzählt sie in unserem Video die Veränderungen, die das Engagement von World Vision hervorbrachte.

Ein allgemeines Verbot der Kinderarbeit geht nach unserer Einschätzung und der anderer Kinderhilfswerke an der wirtschaftlichen und sozialen Realität vorbei. Über die Hälfte aller arbeitenden Kinder sind beispielsweise in der Landwirtschaft beschäftigt, viele davon in kleinen Familienbetrieben, die auf die Mitarbeit aller angewiesen und außerdem schwer zu kontrollieren sind. Ein generelles Verbot würde auch Kinder, die nach Abschluss der Grundschule arbeiten gehen müssen oder das Familieneinkommen durch Straßenverkäufe oder kleine Dienstleistungen aufbessern, in die Rechtlosigkeit stürzen. Das wollen viele arbeitende Kinder selbst nicht und fordern sogar in einigen Ländern ihr Recht auf Arbeit ein. „Geht gegen Armut vor, nicht gegen uns“, rufen sie den Erwachsenen zu.

Kinder gehören andererseits natürlich nicht an gefährliche Arbeitsorte wie Steinbrüche oder Minen, sollten auch nicht 10 Stunden am Tag für einen Hungerlohn arbeiten. Solche Arbeitsverhältnisse, die das Leben oder die Gesundheit von Kindern gefährden, ihr Recht auf Entwicklung und ihre Würde missachten oder schlicht einen Schulbesuch unmöglich machen, nennt die internationale Arbeitsorganisation „child labour“. Um sie geht es vor allem bei der Weltkonferenz.

Hard Work of a Child in the Mining Area

Neuesten Statistiken der ILO zufolge hat die internationale Zusammenarbeit zu diesem Thema durchaus etwas gebracht. Die Zahl arbeitender Kinder ist demnach um rund ein Drittel gesunken. Das vereinbarte Ziel, bis 2016 die schlimmsten Formen der Kinderarbeit abzuschaffen, wird aber voraussichtlich nicht erreicht. World Vision nimmt in seinen Empfehlungen an die Weltkonferenz direkten Bezug auf die Haupt-Herausforderungen, die es zu meisten gilt:

1) Nationale Gesetze sollten an internationale Standards wie der UN-Kinderrechtskonvention angepasst werden.

2) Regierungen müssen finanzielle Mittel für die Bekanntmachung und Durchsetzung der Kinderschutz-Gesetze bereit stellen.

3) Programme gegen Kinderarbeit müssen mit Beteiligung der betroffenen Kinder und in Partnerschaft mit betroffenen Kommunen entwickelt werden, um dem Kontext gerecht zu werden und öffentliche Debatten zu den Ursachen der Kinderarbeit zu fördern.

4) Oft widersprechen Einstellungen in der Gesellschaft den bestehenden Gesetzen. Es ist daher sehr wichtig, in konzertierter Aktion und fortlaufendem Dialog auf die Veränderung solcher Einstellungen einzuwirken.

5) Bildung sollte für alle Kinder mindestens bis zum 15. Lebensjahr kostenlos zugänglich gemacht werden und das gesetzliche Mindestalter für den Eintritt ins Arbeitsleben konsistent zu den Bildungsangeboten sein.

6) Während an der Überwindung von Armut und am Aufbau von sozialen Sicherungssystemen gearbeitet wird, brauchen die ärmsten und am schlechtesten abgesicherten Kinder besondere Hilfe und angepasste Unterrichtsangebote, um Zugang zu Bildung zu bekommen. Auch arbeitende Kinder können durch solche Angebote den Teufelskreis der Armut durchbrechen. Das kann World Vision durch eigene Beobachtungen und Studien belegen.

7) In der Arbeitsmarktpolitik und in Unternehmen kann zur Abschaffung von ausbeuterischer Kinderarbeit beigetragen werden, indem Normen über verantwortliche Wirtschaftspraktiken eingeführt werden und staatliche Auftraggeber zum Beispiel durch entsprechende Beschaffungsrichtlinien mit gutem Beispiel voran gehen.

8) Konsumenten können von multinationalen Konzernen und Investoren größere Transparenz hinsichtlich ihrer Anstrengungen gegen ausbeuterische Kinderarbeit in ihren Warenproduktionsketten verlangen. Über ILO und andere Plattformen werden Maßnahmen erarbeitet, um den Schwierigkeiten etwa bei der Kontrolle der vielen beteiligten Subunternehmer zu begegnen. Bewusstsein und öffentlicher Druck verschaffen solchen Maßnahmen die nötige Unterstützung.

9) Programme zur sozialen Absicherung von Familien sollten kindersensibel sein und nicht nur gegen wirtschaftliche Schocks und Einkommensprobleme absichern, sondern auf ein größeres Spektrum realer Risiken, von denen die besonders vulnerablen Kinder oft betroffen sind, eingehen.

10) Die Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit soll in die Post 2014-Entwicklungsagenda eingebettet werden. World Vision schlägt dazu unter anderem vor, dass kinderbezogene Wachstumsindikatoren verwendet werden, um Entwicklungsfortschritte in Ländern zu messen.

Spenden-Tipp:
Ermöglichen Sie arbeitenden Kindern in Bangladesch die Teilnahme an unserem Bildungsprogramm. Zur Projektspende

Oder werden Sie World-Vision-Pate:

http://www.worldvision.de/kinderpatenschaft.php?mysid=nsjai4td0lmchs6a5u6j31uvo0cv3m5s

2 Kommentare

  1. Lucas Hüseman, 7. Mai 2015

    Ich finde es einfach empörend was die Kinder da machen die müssen in die Schule und nicht arbeit danke

  2. Maike Wohnus, 19. Februar 2016

    Hallo,
    heiße Maike Wohnus und bin in der Kursstufe 1 im
    Gymnasium. Ich arbeite gerade an meiner Seminararbeit über
    Kinderarbeit und würde mich über Informationen dazu und auch über
    Ihre Arbeit freuen.
    Mit freundlichem Gruß
    Maike Wohnus

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