Syrische Mutter ersehnt Bad für ihre Zwillinge

Syria Crisis response - Bath time brings tears; Education & the impossible question

Lauren Fisher berichtet aus dem Nord-Libanon

Es war nicht der Gedanke an den Krieg, der Mangel an Nahrung oder das wenig komfortable neue Heim – ein Zelt aus Kunststoff-Planen – die die Tränen zum Fließen brachten. Ghaziyye sprach gerade von einem Bad. Der Gedanke, dass sie ihre Kinder nicht richtig waschen kann wie gewohnt ließ den Kloß in ihrem Hals übergroß werden. Schnell wandte sie sich und rieb sich verschämt die Augen.

„In Syrien habe ich sie täglich gebadet, oft morgens und abends“, sagte sie, ihre Hand zart über das verfilzte Haar ihrer vierjährigen Zwillingsmädchen streichend. „Alles ist anders, alles, alles.“

Es fällt ihr vermutlich schwer zu erklären, wie drastisch anders ihr Leben jetzt ist. An ihrer Stelle wüsste ich wahrscheinlich auch nicht recht, wo ich anfangen sollte zu erzählen.

Hier sitzen wir nun auf einer schmutzigen Matratze, nur eine alte Decke trennt uns von dem matschigen Boden. Über uns die Kunststoffplanen, um ein Handy herumgewickelt. Auf dem Handy sind Bilder von den Kindern in schickem Freizeitdress abgespeichert, Kinder mit glänzenden Haaren. Im Hintergrund sieht man ein Wohnzimmer, das sich von unseren Wohnzimmern kaum unterscheidet. Das Haus der Familie hatte mehrere Etagen mit Terassen. Als wir noch andere Fotos anschauen, fängt auch eine der anderen hinzugetretenen Frauen an zu weinen.

Ich habe das Gefühl mich entschuldigen zu müssen, weil ich in so einen persönlichen Moment eingedrungen und weil ich Zeugin ihres Verlustes an Würde geworden bin. Wieder versuchte Ghaziyye das Haar ihrer Kinder zu glätten und schaute auf ihre jetzt abgenutzten, staubigen Kleider. „Sie sind so schmutzig und immer ist Sand in ihrem Haar“, klagte sie, während sie ihre Arme um eines der beiden Zwillingsmädchen legte. Mit einem Kuss auf ihren… gab sie den Mädchen sogleich zu verstehen, dass es nicht ihre Schuld ist.

In jedem Moment des Gesprächs mit Ghaziyye spüre ich ihre Liebe zu den Kindern. Sie schaut auf sie mit dem Blick, den Mütter auf der ganzen Welt auf ihre Kinder richten – eine Mischung aus intensiver Liebe, Stolz und Sorge.

In den letzten vier Monaten, seit ihrer Flucht aus Syrien, hat Ghaziyye immer Wasser in zwei kleinen Kanistern erhitzt und dann Stunden damit verbracht, jedes ihrer acht Kinder zu waschen.“Vor und zurück, hin und her“, beschreibt sie die Sysiphos-Arbeit. Für jedes Kind waren mindestens 3 Gänge nötig – bis letzte Woche.

Dusche_AANun bekommen Mutter und Kinder eine Dusche, installiert durch World Vision. Das Auswärtige Amt finanziert solche Sanitäreinrichtungen in den wachsenden Notsiedlungen im Libanon. Es ist kein Luxus, aber die Dusche erspart Ghaziyye ihre Kinder draußen auf dem matschigen Boden zu baden. “Dank World Vision können wir jetzt richtig duschen. Wir haben heißes und kaltes Wasser“, freut sich die Mutter. „Unsere Situation ist zwar insgesamt elend, aber jetzt doch besser.”

Wir stehen noch einen Moment zusammen vor dem Zelt und beobachten die kleinen Mädchen, die an einem dünnen Rinnsal mit braunem Wasser spielen. Ich frage mich ob in Ghaziyyes Kopf bei dem Anblick auch die Bilder aus der Vergangenheit aufblitzen –von den Kindern in ihren sauberen Kleidern, im grünen Hinterhof spielend, bevor sie am Abend in ihr Bad und dann in ihre weichen Betten eintauchen.

 

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