Eine Liebe aus vollem, zerrissenem Herzen

Ola aus Syrien: Von ihrem Zuhause bleibt nur ein Smartphone-Video

Ola aus Syrien: Von ihrem Zuhause bleibt nur ein Smartphone-Video

Heute hat mir ein Mädchen, 15 Jahre alt, einen Film von seinem zerbombten Zuhause gezeigt. Sie hielt mir ihr Handy hin, ihre Hände zitterten leicht, und nahm mich mit auf eine wackelige, pixelige Tour durch ihr Haus. Zwischen umgekippten Möbeln lagen Haufen aus Kleidern, Papier und Nippes auf staubbedeckten Teppichen.

Hier und dort war die Wand zerschossen, die Sonne schien an Stellen hinein, wo sie es sonst nie getan hatte. „Das ist das Zimmer meiner Mama und meines Papas“, erzählte sie mir. Die Kamera zoomte in eine offene Schublade, in der Familienfotos ausgebreitet lagen. Ein Leben voller Erinnerungen, durcheinandergerüttelt.

Ich traf das Mädchen namens Ola (Name von der Redaktion geändert) in Jordanien, unweit der syrischen Grenze. Bis der Krieg begann, war sie ein Teenager aus der Mittelklasse. Jetzt ist sie ein Flüchtling. Sie und die anderen in ihrem Alter werden schickaniert. Sie haben Angst vor Missbrauch und Gewalt. Sie gehen zur Schule, aber es ist anders als früher.

Ola ist einer von 2,5 Millionen Menschen aus Syrien, die bis heute in die Nachbarländer geflohen sind. Wie jeder, den ich getroffen habe, seit ich letzten August hier ankam, liebt sie ihr vom Krieg zerrissenes, zerbrochenes Syrien aus vollem Herzen. Zwei Mal lacht Ola , aber sofort darauf bahnen sich Tränen den Weg. Ich frage mich, wie sehr auch ihr Herz zerrissen und zerbrochen ist.

Ola kann sich gut ausdrücken, wenn sie über syrische Kinder und Jugendliche spricht. Als ich sie kennenlernte, nahm sie gerade an einer Sitzung mit anderen jungen Leuten teil. Sie waren dabei, gemeinsam festzulegen, welches ihrer Anliegen wohl das wichtigste sei, um es der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern mitzuteilen.

Ich hoffe, dass ihre Stimme gehört wird, wenn es in ein paar Wochen so weit ist. Für so viele Menschen weltweit ist der syrische Konflikt ein politischer Alptraum – schwer zu verstehen, vielleicht noch einfacher zu ignorieren. Aber wenn wir die Krise in Syrien aus unseren Herzen und Köpfen verbannen, werden wir keinen Druck auf die Konfliktparteien ausüben, damit sie endlich eine friedliche Lösung finden oder sich wenigstens auf einen Minimalstandard einigen, um die Kinder zu schützen. Es wird auch nichts geschehen, damit die syrischen Kinder die Hilfe bekommen, die sie so dringend brauchen. Jetzt brauchen.

In fünf Wochen wird es drei Jahre her sein, dass der Krieg ausgebrochen ist. Millionen Menschen werde immer noch auf der Flucht sein, in und außerhalb von Syrien. Viele weitere werden ihr Zuhause verlassen, ihre Schlafzimmer und Schubladen voller Fotografien hinter sich lassen und sich aufmachen in eine ungewisse Zukunft in einem Flüchtlingscamp, einer Siedlung, einer neuen Gemeinde, einem neuen Land.

Humanitäre Helfer werden weiter um Hilfe bitten, um mit der Not, die ständig wächst, Schritt halten zu können. Und Ola und ihre Freunde und 2,5 Millionen andere werden ihr Leben im Ausland fortsetzen, lachend, wenn sie können, weinend, wenn sie nicht nicht können. Aber sie werden weitermachen, denn das können sie. Die 15-jährige Ola tut alles was, in ihrer Macht steht, um die Situation für sich, ihre Familie und ihre Freunde zu verbessern. Ich hoffe, die Welt tut für sie auch alles, was in ihrer Macht steht.

Autorin: Meg Sattler, World Vision Libanon

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