Keine Waffen in Kinderhände

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250.000 Mädchen und Jungen in aller Welt werden in kriegerischen Auseinandersetzungen als Soldaten eingesetzt oder zur Beteiligung an Kämpfen gezwungen. Diese Kinder zu schützen und Waffenexporte in Krisengebiete zu stoppen sind die zentralen Forderungen des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten anlässlich des „Red Hand Day“, dem internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. „Waffen gehören nicht in Kinderhände“, betonen die Vertreter des Bündnisses, „und die Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen als Soldaten ist ein Kriegsverbrechen.“

Die Hintergründe dieser Forderungen wurden am 10.02. in Berlin von VertreterInnen des Bündnisses und zwei Gastrednern vorgetragen. Durch die Schilderungen des in Deutschland lebenden, ehemaligen Kindersoldaten Michael D. aus Sierra Leone bekam die Veranstaltung einen persönlichen Bezug zur Lebensrealität von Kindersoldaten. Der prominente südafrikanische Waffenhandel-Kritiker Andrew Feinstein (Autor des Buches „Waffenhandel: Das globale Geschäft mit dem Tod“) konnte den Zuhörern durch anschauliche und zugleich beunruhigende Fakten aus dem Geschäft des internationalen Waffenhandels dessen bedenkliche Verstrickung in Wirtschaft und Politik verdeutlichen.

Ein besonderer Fokus der Pressekonferenz lag auf den deutschen Waffenexporten, deren Exportwert im Jahr 2012 ca. 4,7 Milliarden Euro betrug. Der deutsche Export von Kleinwaffen (wie etwa Pistolen oder leichte Maschinengewehre) hat sich im Zeitraum von 2011 bis 2012 verdoppelt. Viele der exportierten Waffen landen in Staaten, in denen Menschenrechte verletzt und durch die Kriege unterstützt werden  – trotz des Gebots, keine Rüstungsartikel in Krisengebiete zu exportieren. So sind beispielsweise auch deutsche Waffen nach Syrien gelangt. Der Übergang von legalem und illegalem Waffenhandel sei sehr fließend, meint Andrew Feinstein, der viele Beispiele für gezahlte Schmiergelder und Interessensverflechtungen parat hat. Es sei auch erwiesen, dass alle Konfliktparteien von den Waffenhändlern bedient würden und Kriege dadurch unnötig verlängert würden. Schließlich gerieten viele der exportierten Waffen in die Hand von Kindern und Jugendlichen. Diese Kindersoldaten mussten und müssen auch mit deutschen Waffen kämpfen!

Eines von diesen Kindern war der heute 35 jährige Michael D., der durch den Vortrag seiner persönlichen Erfahrung als Kindersoldat in Sierra Leone mehr Aufmerksamkeit und ein allgemeines Bewusstsein für diese menschenverachtende Ausbeutung von Kindern schaffen wollte:

„Als ich ein Kämpfer in meiner Heimat Sierra Leone war, wurden Kinder gezwungen, sich an einem Krieg zu beteiligen, von dem sie nichts wussten. Das ist ein klarer Beweis der UNMENSCHLICHKEIT der Rebellen der RUF, ihrer Verbündeten und später von der Regierung, wenn ich meine Gefühle ausdrücken müsste. Diese Kinder wurden entweder von ihren Eltern abgeworben oder aus der Schule entführt. Einige wurden gefangen genommen während Überfällen von Distrikten von RUF Rebellen oder direkt rekrutiert mit der Erlaubnis ihrer Eltern, wenn der Druck auf sie unerträglich wurde. Von Seiten der Regierung wurden sie gefragt, für ihr Vaterland zu kämpfen, während sie von RUF-Seite gezwungen wurden, betäubt mit Drogen, um gegen die Streitkräfte der Regierung zu kämpfen.“

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert vor diesem Hintergrund unter anderem die Einstellung deutscher Waffenexporte in Krisengebiete, eine gute Betreuung von ehemaligen Kindersoldaten in Deutschland und die Verbesserung der Situation von Flüchtlingskindern aus Krisengebieten.

Im Anschluss an die Pressekonferenz haben wir zusammen mit Berliner Schülerinnen und Schülern vor dem Reichstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten demonstriert.  Die Kinder hielten selbst gebastelte rote Hände hoch, um die deutschen Politiker auf den Zusammenhang von Waffenexporten in Krisengebiete und der unfreiwilligen Rekrutierung von Kindersoldaten, die auch mit deutschen Waffen kämpfen müssen, hinzuweisen.

Ein Beitrag über Michael D. wurde noch am selben Tag im ARD-Mittagsmagazin gezeigt. Sie können den Beitrag hier finden.

 

 

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