Kinder verbinden Gerechtigkeit mit Beteiligung

interview Kinder

Theater und Diskussion an einem Abend, Kinder, Eltern und Politiker in einer Diskussionsrunde: das ergab gute Anstöße für den Umgang mit Ergebnissen der World Vision Kinderstudie und einen außergewöhnlichen parlamentarischen Abend.

„Wie gerecht ist unsere Welt?“ war die Leitfrage der 3. World Vision Kinderstudie, in der 2.500 Kinder in Deutschland zu ihrem Leben, ihrem Umfeld und zu ihrer Meinung zu Gerechtigkeit befragt wurden.

Die Ergebnisse der Studie und die Sicht der Kinder auf Gerechtigkeit wurden am Dienstag Abend in Berlin unter dem Titel: „Finden Kinder Deutschland gerecht?“ mit Politik, Fachwelt, Wissenschaft und Kindern diskutiert.

podiumsrunde

Die Klasse 5c der Christburg-Grundschule führte vier Theaterszenen vor, in der die Kinder eigene Erlebnisse, die sie als ungerecht empfanden, thematisierten. Die Klasse hatte sich vorher im Unterricht mit dem Thema auseinander gesetzt und in einem demokratischen Prozess die Szenen aus Schulalltag, Familienalltag und gesellschaftlichem Umfeld ausgewählt. Klar und zugleich differenziert gingen die Schülerinnen und Schüler um mit Fragen wie: Warum leiden manche Menschen Not und andere leben im Überfluss? Müssen für alle die gleichen Regeln gelten? Ist es fair, wenn man sich über andere ein festes Urteil bildet und sie danach behandelt? Dürfen Erwachsene immer das letzte Wort haben?

jungen-szene

Nach einer Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse der World Vision Kinderstudie durch Prof. Hurrelmann, einem der Forschungsleiter der Studie, verfolgten etwa 100 Gäste die Podiums-Diskussion von zwei Kindern, Prof. Hurrelmann und den Politikerinnen Katja Dörner, Bündnis 90/GRÜNE, und Christina Schwarzer, CDU. Interaktiv moderierte Claudia Kittel, Sprecherin der National Coalition – Netzwerk zur Umsetzung der Kinderrechtskonvention in Deutschland e.V., die das Podium zwischendurch auch für Fragen aus dem Publikum öffnete und die Gelegenheit für Stimmungsbilder gab.

Prof. Klaus Hurrelmann präsentierte die interessanten Ergebnisse der Kinderstudie, in der bundesweit 6-11Jährige befragt zu ihrer Situation, ihrer Zufriedenheit und ihrer Meinung zu Gerechtigkeit befragt wurden.

Prof. Klaus Hurrelmann präsentierte die interessanten Ergebnisse der Kinderstudie, in der bundesweit 6-11Jährige befragt zu ihrer Situation, ihrer Zufriedenheit und ihrer Meinung zu Gerechtigkeit befragt wurden.

Wie kann Gerechtigkeit hergestellt werden und was heißt eigentlich, dass Kinder an allen sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden sollen? Katja Dörner machte deutlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann, wenn man mit Kindern verhandelt und sie ernst nimmt. Es heißt nicht, dass sie immer ihre Meinung und Sicht durchsetzen müssen. Frau Schwarzer betonte, dass auch Politiker immer für die Anliegen von Kindern offen sein müssten. Professor Hurrelmann fasste dann zugespitzt die 360-Seiten-starke Studie mit den Worten zusammen: Gerechtigkeit heißt für Kinder, dass sie beteiligt werden.

 

Strukturelle Veränderungen für mehr Kinderpolitik und die Stärkung von Beteiligungsstrukturen in der Bundesrepublik sind nötig. Dafür sind laut Frau Schwarzer durchaus auch politische Entscheidungen der letzten Jahre zu hinterfragen. Verschiedene Formen wurden gerade auch durch die rege Publikumsbeteiligung diskutiert: Beschwerdestellen für Kinder systematisch auf allen Ebenen auf- und ausbauen, das Wahlalter herabsenken, um Kindern auch in der Politik eine Stimme zu geben, einen Kinderbeauftragten der Bundesregierung, der die Fäden der Kinderpolitik in unserem Föderalstaat zusammenhält, um nur einige zu nennen. Auch die Kinder machten Vorschläge dazu und kommentierten ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten.

diskussion

Anschließend wurde die 3. World Vision Kinderstudie an die Bundesregierung übergeben. Dafür war stellvertretend für die Bundesfamilienministerin die parlamentarische Staatssekretärin Frau Marks erschienen. Auch sie betonte, dass Kinder wichtig und ernst genommen werden müssen. Dafür müssen auch politische Wege gegangen werden.

 

Christoph Waffenschmidt übergab die Kinderstudie an die Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium, Caren Marks (SPD).

Christoph Waffenschmidt übergab die Kinderstudie an die Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium, Caren Marks (SPD).

 

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